Mitarbeiter erheben Vorwürfe

Geestland-Betrieb massiv unter Druck: Tote Tiere auf Lkw und Arbeit bis zum Morgengrauen?

Viel zu tun bei Geestland: Weniger Mitarbeiter müssen derzeit 24 000 Puten täglich schlachten, weil es keine anderen Abnehmer gibt.
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Viel zu tun bei Geestland: Weniger Mitarbeiter müssen derzeit 24.000 Puten täglich schlachten, weil es keine anderen Abnehmer gibt.
  • Dierk Rohdenburg
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Wildeshausen – Werden die Arbeitsverhältnisse im Wildeshauser Putenschlachtbetrieb Geestland zunehmend unerträglicher, weil viele Mitarbeiter mit positiven Corona-Tests ausfallen sowie Personen, die wegen des Kontakts zu infizierten Kollegen in Quarantäne geschickt wurden? Beschäftigte, die namentlich nicht genannt werden wollen, der Redaktion aber bekannt sind, berichten das.

Es gibt einige Vorwürfe: So müssten die Produktionsmitarbeiter bis spät in die Nacht tätig sein, um das Tagespensum von 24 .000 zu schlachtenden Puten zu schaffen. Am Donnerstag, so die Kritik, seien bis mittags erst 8000 Puten zerlegt worden, sodass die Spätschicht bis 3 Uhr die restlichen 16.000 Tiere schlachten musste.

Kein Lohn bei Maschinenausfall in Geeestland-Schlachthof?

Ein weiterer Vorwurf: Viele Tiere würden auf den Transportern verenden, weil sie die Hitze nicht abkönnten und die Abfertigung schleppend verlaufe. „Die Tiere sterben vor dem Schlachthof“, so eine Informantin, die auch davon berichtet, dass die Mitarbeiter keinen Lohn bekommen, wenn die Anlage wegen Reparaturen stillsteht. „Die Arbeiter sitzen dann dort herum und warten“, so die Kritik. Und: „Selbst wenn es nun mehr Pausenräume gibt, begegnen sich die Mitarbeiter beim Schichtwechsel ständig und kommen sich nahe.“

„Aufgrund der Quarantäne haben wir aktuell weniger Beschäftigte“, bestätigte der Geschäftsführer von Geestland, Norbert Deeken auf Nachfrage unserer Zeitung am Vormittag und damit noch vor der Schließung des Betriebes: „Aber wir haben den Betrieb seit Anfang der Woche schon deutlich von 40.000 Tieren pro Tag heruntergefahren auf rund 24.000 Tiere. Wir konnten über den Werkvertragsarbeitgeber sehr kurzfristig zusätzliches Personal bekommen, allerdings nicht so viele Beschäftigte, wie wir brauchen würden.“

Kein Schlachthof kann Geestland-Puten aus Wildeshausen abnehmen

Deeken weist darauf hin, dass die PHW-Gruppe keine Möglichkeit hat, die Puten an einem anderen Standort schlachten zu lassen. „Wir haben nur einen Putenschlachthof. Und alle anderen Putenschlachtereien im In- und Ausland, die wir in den vergangenen Tagen mit höchster Dringlichkeit angefragt haben, können uns aus Kapazitätsgründen keine Puten von unseren Landwirten zur Schlachtung abnehmen“, teilte er mit. „Aus tierschutzrechtlichen Gründen sind wir also gezwungen, die Tiere weiter bei uns zu schlachten und die Arbeitszeiten der Beschäftigten zu erhöhen.“

Eine Schicht, die bis 3 Uhr dauerte, hat es laut Deeken nicht gegeben. Er verweist darauf, dass alle Beschäftigten seit dem 1. April einen Bonus erhalten, um die extrem hohe Nachfrage während des Lockdowns abzufedern. Wenn es wegen der Corona-Pandemie aktuell zu Standzeiten komme, zahle Geestland allen Beschäftigten den vollen Lohn. Ob das auch für anderen Maschinenstillstand gilt, beantwortete Deeken nicht.

Höhere Sterberaten der Tiere verneinte der Geschäftsführer ausdrücklich: „Alle Lastwagen fahren mit einer Sommerplane, die eine zusätzliche Lüftung garantiert. Alle Fahrzeuge haben Lüftungen, sowohl im Anhänger als auch im Laster. Fahrzeuge, die auf dem Schlachthof kurzzeitig stehen, werden zusätzlich belüftet“, weist er die Vorwürfe zurück.

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