Bürgermeister erinnert an die Zerstörung der Wildeshauser Synagoge vor 82 Jahren

Gedenken im ganz kleinen Kreis

Versammlung an der Stele an der Huntestraße: Hier stand einst die Wildeshauser Synagoge.
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Versammlung an der Stele an der Huntestraße: Hier stand einst die Wildeshauser Synagoge.

Wildeshausen – Mit einem Gedenkgang durch Wildeshausen haben die Stadt und der Präventionskreis, genauer gesagt dessen Arbeitskreis für Demokratie und Toleranz, am Montagnachmittag an die Zerstörung der Synagoge an der Huntestraße vor 82 Jahren erinnert. An der Stele mit den Namen der ermordeten Wildeshauser Juden berichtete der ehemalige Lehrer und Heimatforscher Peter Heinken von der jüdischen Gemeinde der Stadt, die in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihre Blütezeit erlebt habe. „Mit einem jüdischen Gildekönig“, betonte Heinken.

Schon Ende des 19. Jahrhunderts habe sich jedoch der Niedergang der Gemeinde abgezeichnet. Die vermögenden Juden seien verzogen. 1933 lebten noch 20 Personen jüdischen Glaubens in Wildeshausen. Einige wurden schon vor 1938 vertrieben. Im Zuge des Novemberpogroms wurden weitere ins KZ deportiert.

Und das unter den Augen der damaligen deutschen Öffentlichkeit, denn die Zerstörung der Wildeshauser Synagoge ereignete sich erst am 10. November, während deutschlandweit am Vortrag jüdische Gotteshäuser in Brand gesetzt wurden. „Alle standen da und schauten zu“, heißt es auf der Stele.

Vom Marktplatz aus war die kleine Gruppe zur Huntestraße aufgebrochen. Zuvor hatte Bürgermeister Jens Kuraschinski an „eine der dunkelsten Stunden unserer Geschichte“ erinnert. Er bedankte sich bei den Hunteschülern, die in diesem Jahr Stolpersteine in der Stadt geputzt haben. Solcherart ziviles Engagement brauche es, so der Bürgermeister, der angesichts der zunehmenden Zahl antisemitischer Straftaten in Deutschland nachdenkliche Worte wählte. „Wer ist ein Antisemit?“, fragte er und sprach davon, dass der Hass auf Juden inzwischen in der Mitte der Gesellschaft zu finden sei.

Eben darum seien Gedenktage wie dieser wichtig. „Jeder ist gefordert, sich einzusetzen, wenn Menschen diskriminiert werden“, forderte Kuraschinski. Gemeinsam mit den anderen Teilnehmern der Veranstaltung zog er anschließend durch die Stadt, um an den Stolpersteinen der ermordeten Wildeshauser Juden rote Rosen niederzulegen.

Der Gedenkgang fiel wegen Corona deutlich kleiner aus als sonst. Normalerweise nehmen unter anderem viele Schüler daran teil. Die jetzige „abgespeckte“ Version wurde mit dem Gesundheitsamt abgestimmt.  bor

Rote Rosen: Bürgermeister Jens Kuraschinski legt die Blumen auf zwei Stolpersteine an der Huntestraße.

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