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Gedenken an 133 Corona-Opfer

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Von: Dierk Rohdenburg

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Rund 80 Bürger auf dem Marktplatz: Sie gedachten der bislang 133 Todesopfer der Corona-Pandemie im Landkreis Oldenburg.
Rund 80 Bürger auf dem Marktplatz: Sie gedachten der bislang 133 Todesopfer der Corona-Pandemie im Landkreis Oldenburg. © dr

Wildeshausen – In Wildeshausen gab es am Montag erneut zwei Veranstaltungen: Protest gegen die Corona-Maßnahmen und Gedenken an die Opfer der Pandemie. Zudem liegt nun eine „Wildeshauser Erklärung“ für Zusammenhalt und Demokratie vor.

Die Situation war befremdlich: Während am Montagabend auf dem Wildeshauser Marktplatz rund 80 Menschen still der im Landkreis Oldenburg 133 Verstorbenen in Zusammenhang mit dem Coronavirus gedachten, lärmten von der Volksbank kommende Kritiker der Corona-Maßnahmen wenige Meter entfernt auf ihrem Spaziergang in Richtung Westertor.

Davon ließen sich die Wildeshauser vor dem Rathaus aber nicht beeindrucken. Sie legten auf 133 auf das Pflaster gemalte Kreise – je einer für einen Verstorbenen – Blumen ab und gedachten den Toten still. „Viele von ihnen würden heute noch leben“, so Detlev Hesse von der Gruppe „Mit Courage gegen Rechts“, die zusammen mit den Grünen, der SPD, den Jusos sowie der Linkspartei die Aktion organisiert hatte.

„Wildeshauser Erklärung“ für Zusammenhalt und Demokratie verlesen

Am Ende der Veranstaltung wies Kreszentia Flauger (Linke) auf eine „Wildeshauser Erklärung für Zusammenhalt und Demokratie“ hin, die von möglichst vielen Menschen unterschrieben werden soll. Sie ist unter anderem unterzeichnet von Bürgermeister Jens Kuraschinski, seinen Stellvertretern Evelyn Goosmann (SPD) und Wolfgang Däubler (UWG) sowie Alt-Bürgermeister Franz Duin (SPD), allen in der Stadt Wildeshausen tätigen Pastoren, sowie den Bundestagsabgeordneten Susanne Mittag (SPD), Christina-Johanne Schröder (Grüne) und Amira Mohamed Ali (Linke) und den Landtagsabgeordneten Axel Brammer, Renate Geuter und Deniz Kurku (alle SPD).

In der Erklärung heißt es unter anderem: „Seit nunmehr zwei Jahren befinden wir uns in einer Pandemie. Das Virus Sars-CoV-2 hat bisher schon deutlich mehr als 100 000 Menschen in Deutschland das Leben gekostet. Für die große Mehrheit der Bevölkerung ist es in dieser Situation selbstverständlich, dass sie ihren Teil leisten, um die Pandemie bestmöglich auszubremsen und andere zu schützen. Dazu gehört das Einhalten der Abstands- und Maskenregeln genau so wie die Wahrnehmung der Impfangebote.“

Restaurants, Kulturschaffende, Einzelhandel und andere Unternehmen, Vereine, Verbände, Schulen und Kindergärten nähmen erhebliche Einschränkungen in Kauf und setzten diese Regeln um, so Flauger in der Petition. Das medizinische Personal arbeite am Limit und sei völlig überlastet. All diese Menschen trügen vernünftig und engagiert dazu bei, unser Gemeinwesen auch in der Pandemie aufrechtzuerhalten. Dennoch seien Existenzen gefährdet.

„Gleichzeitig gibt es eine kleine Minderheit, die regelmäßig gegen die Corona-Maßnahmen protestiert“, heißt es weiter. „Für diese Demos mobilisieren auch im Landkreis Oldenburg Rechtsextreme mit, beteiligen sich aktiv und berichten anschließend im Netz über den Verlauf. Sie nutzen die Corona-Pandemie als Vorwand, um verunsicherte Menschen mit Parolen von Freiheit und Widerstand für sich einzunehmen.“

„Wir wollen und dürfen nicht wegsehen“

Hier wie anderswo sei die Querdenken-Bewegung von Rechten unterwandert. Mit aufhetzenden und falschen Behauptungen solle die Gesellschaft gespalten werden.

In der Wildeshauser Erklärung steht dann: „Wir wollen und dürfen nicht wegsehen, wenn diese kleine, laute Gruppe Unwahrheiten verbreitet und Geschichtsrevisionismus betreibt, schon gar nicht, wenn sie wie Ende November auch noch Gewalt ausübt. Wir wollen in Wildeshausen keinen Aufmarschplatz für Rechte und solche, die keine Probleme haben, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen.“ Für all das solle in der Kreisstadt kein Platz sein.

Die „Wildeshauser Erklärung“ soll von möglichst vielen Menschen unterzeichnet werden.
Die „Wildeshauser Erklärung“ soll von möglichst vielen Menschen unterzeichnet werden. © dr

„Wir übernehmen als breite Mitte der Gesellschaft Verantwortung und melden uns darum jetzt zu Wort. Denn wir wollen uns so bald wie möglich wieder uneingeschränkt im Freundeskreis treffen, ins Restaurant und ins Kino gehen, Sport im Verein machen und unsere Kinder ihren Geburtstag unbeschwert feiern lassen. Wir vermissen all diese Dinge und mehr. Darum appellieren wir an alle, Ansteckungen mit Corona durch die einschlägigen Schutzmaßnahmen zu minimieren und die Impfangebote wahrzunehmen, denn: Der Weg zu einem schnellstmöglichen Ende der Pandemie ist ein solidarisches Miteinander“, heißt es abschließend.  

Weitere Infos gibt es im Internet unter https://weact.campact.de/petitions/aufruf-fur-zusammenhalt-und-demokratie-wildeshauser-erklarung

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