Warum das Erinnern wichtig ist 

Wildeshausen gedenkt der von den Nazis ermordeten Juden

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Gedachten der von den Nazis ermordeten Juden: Ernst Sittig, Bodo Gideon Riethmüller und Ari Eisel sowie Bürgermeister Jens Kuraschinski (von links).

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Leichter Schneefall setzte ein, als Bodo Gideon Riethmüller, Ernst Sittig und Ari Eisel am Freitagvormittag ihren hebräischen Gesang auf dem jüdischen Friedhof in Wildeshausen anstimmten. Die drei Männer waren mit mehr als 100 Schülern, Lehrern, Ratsmitgliedern und Geistlichen zusammengekommen, um an den Holocaust und die im Zweiten Weltkrieg von den Nazis ermordeten Juden - auch aus Wildeshausen - zu erinnern. Anlass des deutschlandweiten Gedenkens ist die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch sowjetische Soldaten am 27. Januar 1945.

Das ist jetzt 74 Jahre her. Bei vielen der Schüler, die sich am Freitag an der Aktion beteiligten, dürften die Großeltern damals noch nicht einmal gelebt haben. Dass das Erinnern an die grausamen Taten trotz des größer werdenden zeitlichen Abstands immer noch wichtig ist, betonten die Redner einhellig. „Die Überlebenden haben Zeugnis abgelegt und das Grauen der Mordmaschinerie transparent gemacht“, sagte Riethmüller, der Teil der jüdischen Gemeinde zu Oldenburg ist. „Aber jetzt gibt es kaum noch Stimmen“, wies er darauf hin, dass sich nur noch wenige Menschen an diese Zeit erinnern können. Auch deswegen bedankte er sich bei allen, die zum Friedhof gekommen waren.

Bürgermeister Jens Kuraschinski betonte in seiner Rede: „Wir dürfen nicht tatenlos zusehen, wie sich die Geschichte wiederholt.“ Die Demokratie werde auf die Probe gestellt. „Populisten und Diktatoren, Radikalisierung und Hetze, Ausgrenzung und Rassismus greifen wie Lauffeuer um sich und gefährden einen Frieden, dessen wir uns manchmal zu sicher sind“, sagte er. Die Rückkehr rechten Gedankenguts und völkischer Phrasen dürfe nicht unkommentiert bleiben. „Das darf nicht mit einem bloßen Kopfschütteln und einem ,Naja, die werden sich schon von selbst erledigen‘ abgetan werden.“

Auf dem Friedhof: Drei Gymnasiastinnen lasen die Namen der getöteten Wildeshauser Juden vor.

Bevor Kränze zum Gedenken an den Gräbern niedergelegt wurden, lasen drei Gymnasiastinnen die Namen der ermordeten Wildeshauser Juden vor. Es war nicht ihr einziger Beitrag zum Gedenken. Schüler von der fünften bis zur zehnten Klasse hatten die Ausstellung „Gegen das Vergessen“ vorbereitet, die sich mit der Judenvernichtung, aber auch der Erinnerungskultur auseinandersetzt.

Gedenkstein: Die von Schülern im Gymnasium gestaltete Ausstellung weist viele kreative Elementen auf.

Im Eingangsbereich des Gymnasiums ist zum Beispiel ein von Efeuranken bewachsener grauer Grabstein mit der englischen Aufschrift „Never forget the Holocaust“ zu sehen. Aber auch der Lebenslauf einer Überlebenden, Installationen, ein Tagebuch und Gedichte zeigen, wie intensiv sich die Schüler mit dem Thema beschäftigt haben. Die Ausstellung ist nur an wenigen Tagen öffentlich zugänglich, kann aber auch von Schulklassen besichtigt werden. Interessierte sollten sich im Sekretariat melden, so Rektor Ralf Schirakowski. 2020 gestalten die Hauptschüler das Holocaust-Gedenken, die den Staffelstab übernahmen.

Gedenkveranstaltung auf dem jüdischen Friedhof

 © Bornholt/Blech
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Die Holocaust-Ausstellung im Gymnasium ist am Montag, 28. Januar, von 11.35 bis 13.05 Uhr und am Dienstag, 29. Januar, von 9.45 bis 11.15 Uhr für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

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