Unternehmer zum Thema „Erhöhung des Mindestlohnes“

Höherer Mindestlohn: „Der Gast zahlt die Zeche“

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Der Mindestlohn wird erhöht: Zu diesem Betrag kommen ab 1. Januar 34 Cent dazu. 

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Der gesetzliche Mindestlohn in Deutschland steigt zum 1. Januar 2017 von 8,50 auf 8,84 Euro. Diese Erhöhung wurde in Berlin einstimmig von der Mindestlohnkommission beschlossen. Wie aber wirkt sich das auf die Arbeitgeber aus, was sagen sie dazu? Wir haben mit einigen aus der Kreisstadt gesprochen.

Ingo Hermes, Geschäftsführer der Wildeshauser Firma Hermes Systeme und Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung Wildeshausen, betonte auf Nachfrage, dass der Mindestlohn für sein Unternehmen kein Thema sei: „Unsere Mitarbeiter sind deutlich oberhalb dieser Grenze beschäftigt. Bei gut ausgebildeten Handwerkern ist das ohnehin kaum ein Thema.“ Von der Landwirtschaft aber werde diese Sache sicherlich genau beäugt: „Für Firmen, die in der Massenproduktion tätig sind, ist diese Erhöhung am Ende zweifelsohne ein wichtiger Punkt.“

Friseurmeister Bernd Niester sieht ein Problem darin, dass sich die Politik immer wieder in dieses Thema einmischt: „Solche Fragen nach der Entlohnung müssten eigentlich von der Wirtschaft selbst geklärt werden. Die Bezahlung muss eben leistungsbezogen sein.“ In seinen Unternehmen lägen die Mitarbeiter ohnehin zum Großteil noch deutlich über dem Mindestlohn: „Lediglich junge Kollegen fangen damit an. Natürlich ist diese Erhöhung um 34 Cent für mich keine Frage.“ Mit gesetzlich vorgeschriebenem Mindestlohn seien jedoch die Mitarbeiter, die ihr Leistungsziel eigentlich nicht erreichten, stets unter dem Deckmantel der Politik, abgesichert. „Und das gilt für sämtliche Branchen. Wenn die Leistung aber gut ist, dann ist eine höhere Entlohnung sehr gut.“

„Wir zahlen schon jetzt 8,75 Euro“

„Wir zahlen schon jetzt 8,75 Euro, also mehr als den vorgeschriebenen Mindestlohn“, betonte Oliver Einemann, Marktleiter im E-Center am Westring. Auch die Erhöhung werde dann gezahlt: „Der Anteil unserer Mitarbeiter, für die das zutrifft liegt noch unter 20 Prozent.“

Etwas kritisch sieht Thorsten Bruns, Inhaber der „Brasserie“ und des „Franziskaners“ die Erhöhung: „Natürlich betrifft uns das ganz besonders. Es ist schon richtig, dass Löhne steigen müssen, aber dieser Anstieg muss sich auch erwirtschaften lassen.“ Am Ende müsse der Gast auch diese Zeche zahlen: „Es kann durchaus passieren, dass der Preis für Getränke dann noch etwas angehobenen werden muss. Denn bei einer Öffnungszeit von 16 Stunden können wir nicht an unserem Personal einsparen, das geht einfach nicht.“

„Die von der Mindestlohnkommission beschlossene Mindestlohnanhebung wird schon heute von Agrarfrost in allen Entgeltgruppen erfüllt. Wir sind der Auffassung, dass die Qualifikation, Fähigkeiten und Kenntnisse unserer Mitarbeiter auch entsprechend vergütet werden müssen und honorieren damit die entsprechenden Arbeitsleistungen“, teilte die Geschäftsleitung mit. Die Anhebung geschehe für das Unternehmen vor dem Hintergrund einer robusten Konjunktur: „Sollte sich die Konjunktur abschwächen, so muss sich das auch in einer geringeren Dynamik des Mindestlohnes widerspiegeln, um eine unverhältnismäßige Verteuerung der einfachen Arbeit zu vermeiden. Der Mindestlohn ist daher stets mit Augenmaß anzupassen. Neben einem angemessenen sozialen Mindestschutz der Beschäftigten muss auch der faire Wettbewerb und Nichtbedrohung der Beschäftigung im Vordergrund stehen.“

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