1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Oldenburg
  4. Wildeshausen

Gas im Landkreis Oldenburg kommt nun aus Norwegen

Erstellt:

Von: Ove Bornholt

Kommentare

Fast alle Geräte im Landkreis Oldenburg wurden mittlerweile auf H-Gas umgestellt.
Fast alle Geräte im Landkreis Oldenburg wurden mittlerweile auf H-Gas umgestellt. © bor

Fast geschafft: Nahezu alle Gasheizungen und -herde im Landkreis Oldenburg sind nun auf das neue H-Gas umgestellt. Und das kommt aus Norwegen.

Landkreis – Inzwischen sind mehr als 98 Prozent der Gasheizungen und -herde im Landkreis Oldenburg auf H-Erdgas umgerüstet. Sie beziehen Erdgas aus Norwegen und Großbritannien, teilte der Oldenburger Versorger EWE am Montag mit. Die Kunden könnten ihre Geräte weiter einsetzen und „müssen nicht aufgrund der niederländischen Entscheidung neu kaufen“, freut sich Jens Witthus, Sprecher des Projekts bei EWE Netz. Bereits in wenigen Jahren stellen die Niederlande die Lieferungen ihres L-Erdgases nach Deutschland ein. Ein Auslöser ist das Schwinden der Förderkapazitäten. Hinzu kommen viele Erdbeben, bei denen Experten die Gasförderung als Verursacher ausgemacht haben, heißt es in der Mitteilung.

Daher erhielt EWE Netz einen gesetzlichen Bundesauftrag, den Nordwesten Deutschlands auf alternatives H-Erdgas umzustellen. Es stammt derzeit aus einem Nordverbund, zum Beispiel aus norwegischen oder britischen Quellen. Bei den zwei Gas-Sorten liegt der Unterschied laut EWE im Energiegehalt: H-Gas setzt bei der Verbrennung mehr Energie frei als das L-Gas. Die Firma musste nahezu alle Erdgasgeräte manuell anpassen. Im Landkreis Oldenburg waren zuletzt Sandkrug und Wüsting an der Reihe.

Technische Probleme bei alten Geräten

Einzelne Geräte ließen sich nicht mehr an das H-Gas anpassen. Meistens lag es daran, dass es den Hersteller nicht mehr gibt. „Das betraf leider häufig sehr alte Geräte. Wir konnten dann das notwendige Umrüstmaterial nicht mehr erhalten“, erklärt Projekt-Sprecher Witthus weiter. In einigen Fällen hätten Fachbetriebe den Betroffenen helfen können, wenn diese in ihrem Lager noch zufällig das notwendige Material liegen hatten. EWE Netz habe für die Kunden die Rechnung für das Material und die Arbeiten übernommen.

Die Besuche der EWE-Techniker gehen weiter, denn es gibt mehr als 22 000 Arten, Typen und Modelle von Erdgasgeräten. Jedes muss individuell betrachtet werden. Sollte ein Kunde etwa zwei oder mehr Geräte einsetzen, kann es sein, dass diese zu unterschiedlichen Zeitpunkten an das H-Gas angepasst werden müssen. Außerdem orientiert sich der Versorger an den Gasleitungen, die nicht immer mit den Landkreis-Grenzen harmonieren. Daher kann es sein, dass einzelne Ortsteile oder Straßenzüge bei Oldenburg oder dem Landkreis Cloppenburg noch einige Zeit mit dem niederländischen L-Gas versorgt werden, bis auf H-Gas umgeschaltet werden kann.

Erdgasgeräte können auch LNG verarbeiten

Ein positiver Nebeneffekt des Projekts: Nahezu alle Erdgasgeräte, die sich bei Privatkunden auf das H-Erdgas umrüsten ließen, sollten jetzt auch das aus LNG gewonnene Erdgas zuverlässig verbrennen können. Ohne Umrüstung wären die Kunden-Geräte in der Regel dazu nicht in der Lage gewesen, so die EWE. Denn LNG sei ebenfalls H-Erdgas, das nur aus außereuropäischen Herkunftsländern stammt.

Deutschland will sich mit LNG von russischen Gaslieferungen unabhängiger machen. So gut wie vollendet ist der Bau eines LNG-Terminals in Wilhelmshaven.

Das Erdgas wird bei einer Temperatur von minus 161 Grad flüssig. Dabei reduziert sich auch das Volumen deutlich, sodass es sich per Schiff oder Zug transportieren lässt. Für das Einspeisen in Pipelines wird LNG wieder in einen gasförmigen Zustand gebracht.

Für eine sichere Gasversorgung der Region setzt EWE Netz derzeit ein weiteres Großprojekt um: Man baut mit Hochdruck eine rund 70 Kilometer lange Pipeline, um das angelandete LNG in den EWE-Gasspeichern zum Beispiel in Ostfriesland und der Wesermarsch speichern zu können. Diese Pipeline bereitet EWE Netz auch direkt vor, um darin künftig für die Region grünen Wasserstoff transportieren zu können.

Auch interessant

Kommentare