Gästeführung „Bier- und Schnapsgeschichten“ erfreut sich großer Beliebtheit

Von Sündenstraßen und Papstgebissen

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Gut ausgerüstet für „Bier- und Schnapsgeschichten“: Die Teilnehmer mit Gästeführerin Sabine Plate-Panschar (Mitte).

Wildeshausen - Von Anja Nosthoff. Wer Bananen-Anne und Poppen-Else kennen lernen möchte, der ist genau richtig bei der Wildeshauser Gästeführung „Bier- und Schnapsgeschichten“. Am Freitagabend machte sich eine Gruppe mit Gästeführerin Sabine Plate-Panschar auf den Weg, um unter diesem Motto die Wittekindstadt zu erkunden.

Ohne die richtige Ausrüstung durften die Teilnehmer allerdings nicht starten: Um auch unterwegs jederzeit für eine Stärkung in flüssiger Form bereit zu sein, bekamen die Bier- und Schnaps-Interessierten von Panschar zur Begrüßung eine Halskette der besonderen Art überreicht: Der Anhänger bestand aus einem kleinen Schnapsbecher und die Kette hatte praktischerweise genau die richtige Länge, um sich bequem „einen genehmigen“ zu können.

So konnte Panschar dann auch gleich ihren Wildeshauser Kräuterlikör an den Mann und an die Frau bringen. Neben dem Hochprozentigen hatte die Gästeführerin aber auch allerhand Informatives im Gepäck. Das brachte sie den Teilnehmern lustig verpackt in ihren Bier- und Schnapsgeschichten nahe.

So erfuhren die Gäste am weit über 100 Jahre alten Kaufhaus Schnittker in der Westerstraße, dass dieses im Volksmund mal das „Dreimädelhaus“ hieß. „Der alte Schnittker konnte seine drei Töchter nicht an den Mann bringen“, berichtete Panschar in ihrer direkten Art. So erbte Johannes Lenzschau senior schließlich das Kaufhaus, wo Panschars Mutter in den 50er- Jahren übrigens ihre Lehre machte. „Das war für eine Frau damals keineswegs üblich – von zwölf Mädels in ihrer Klasse machten nur zwei eine Lehre. Die anderen gingen in einem Haushalt in Stellung.“

Panschar wies auch auf verstecktes und „überkleistertes“ Fachwerk an alten Häusern in Wester- und Sonnenstraße hin. „Viele Giebel hier stammen sogar noch aus dem 18. Jahrhundert“, so Panschar. Aber sie enthüllte nicht nur, was hinter den Häuserfronten versteckt ist, sondern auch, was sich hinter den Straßennamen verbirgt. „Es gibt berechtigte Zweifel daran, dass dieses hier tatsächlich eine Sonnenstraße ist“, so Panschar. Denn auf plattdeutsch heißt Sonne genauso wie Sünde – nämlich „sün“. „Wir befinden uns hier höchstwahrscheinlich gerade im Superrotlichtviertel des mittelalterlichen Wildeshausen“, klärte Panschar ihre Zuhörer auf.

Weiter ging es in die Neue Straße, früher „Hinter den Ställen“ genannt, wo auch „Obst und Gemüse Kreyenborg“ zu finden war. „Hier konnte man auf Bananen-Anne und Zitronen-Else treffen“, berichtete Panschar. „Letztere wurde auch Poppen-Else genannt – sie hieß mit Nachnamen nun mal Poppe.“ Besagte Poppen-Else hatte es aber wohl nicht nur mit Gemüse, sondern auch mit Hochprozentigem – jedenfalls betrieb sie später auch eine Kneipe Richtung Harpstedt.

„Ich hatte tatsächlich letzte Woche die Tochter von Poppen-Else in meiner Führung zu Gast“, konnte Panschar berichten. Und natürlich ist ihre Führung seitdem noch um eine Anekdote reicher. Denn als kleines Mädchen sei die Tochter der Jägerkrug-Betreiberin einmal von betrunkenen Jägern geweckt worden. Die Männer, die einen über den Durst getrunken hatten, versuchten das Mädchen zu überreden, ein Gebiss aus dem Papst zu holen. Dabei handelte es sich allerdings nicht um das katholische Kirchenoberhaupt, sondern um das Speibecken der Gaststätte. „Letzte Woche gab die Tochter zu, dass sie sich damals nicht getraut hätte. Heute weiß sie allerdings, was ein Gebiss wert ist – mit diesem Wissen hätte sie damals ihre ganz eigenen Bedingungen gestellt und das Gebiss gerne für 500 Mark aus dem Speibecken geholt“, gab Panschar die Erzählung wieder.

Dass nicht nur Poppen-Else, sondern auch der Wildeshauser an sich mit Hochprozentigem nicht unbedingt auf Kriegsfuß steht, bewies Panschar anhand einer imposanten Zahl: „Mitte des 18. Jahrhunderts war Wildeshausen zwar viel kleiner als heute, aber allein im Stadtkern gab es 24 Kneipen“, so Panschar. In einer von ihnen – der heutigen Brasserie – genoss die Gruppe dann bei Franziskaner Hefeweizen ihre erste Einkehr.

Die nächsten öffentlichen „Bier- und Schnapsgeschichten“ erzählt Panschar übrigens am 16. Oktober und am 27. November. Gruppen können die Führung im Verkehrsbüro aber auch zu Wunschterminen buchen.

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