Daniela Hartmann hatte nach Eierstockkrebs minimale Überlebenschance

„Für mich gibt es nur die endgültige Heilung“

Daniela und Jens Hartmann genießen mit ihren Hunden das Leben ganz bewusst. Daniela Hartmann hat in ihrem Garten in Wildeshausen mehrere Baumaloe-Pflanzen, aus denen sie Sirup gewinnt. - Foto: Rohdenburg

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Daniela Hartmann aus Wildeshausen hatte nach der Diagnose Eierstockkrebs vor rund zwei Jahren eine Überlebenschance von 20 Prozent. Diese hat sie bislang genutzt und gezielt gesteigert, denn sie sagt: „Für mich gibt es nur die Heilung.“

Über den Berg ist die 49-Jährige nach der Operation im August 2014 zwar noch lange nicht. Aber sie lässt sich nicht unterkriegen, lebt ihr Leben viel bewusster, und sie spricht über die extrem gefährliche und seltene Form des Krebses, um andere Frauen zu sensibilisieren sowie ihnen beizustehen.

Schon die Diagnose der Erkrankung gestaltet sich schwierig, weil es keine klaren Symptome gibt. Hartmann fühlte sich über Monate ständig erschöpft, fand dafür aber keine Erklärung. Im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung beim Frauenarzt fand dieser dann bei der Ultraschalluntersuchung Flüssigkeit im Bauchraum. Der Arzt arrangierte gleich eine Computertomografie-Untersuchung in Vechta, die die traurige Diagnose Eierstockkrebs brachte.

„Damit habe ich nicht gerechnet“, so Hartmann rückblickend. „Brustkrebs ist überall Thema, aber Eierstockkrebs – davon spricht niemand.“

Nach dem Befund ging es damals ganz schnell. Da die damals 47-Jährige von einer sehr aggressiven Form des Krebses befallen war, wurde schon wenige Tage später operiert. „Es musste alles raus“, so Hartmann. Da der Tumor stark streute, wurden Eileiter, Gebärmutter, Bauchnetz und Bauchfell entfernt. Die Operation in Oldenburg dauerte acht Stunden. Darm und Leber waren zwar ebenfalls befallen, aber die Krebszellen waren noch nicht eingedrungen. Glücklicherweise.

„Alles, was makroskopisch sichtbar ist, muss weg. Dann gibt es eine Chance auf Heilung“, sagt die Wildeshauserin. „Wenn der Krebs danach wiederkommt, ist Heilung nicht mehr möglich.“ Deshalb rät sie allen Betroffenen, sich unbedingt in einem Kompetenzzentrum behandeln zu lassen und auf jeden Fall eine ärztliche Zweitmeinung einzuholen.

Hartmann wurde „tumorfrei“ operiert. Das war die erste Voraussetzung für ein Überleben. Doch seitdem lebt sie von Nachsorge zu Nachsorge, denn der Krebs kann immer wiederkommen. Erst nach fünf Jahren gilt sie als geheilt.

Die Zeit verbringt die Wildeshauserin aber nicht mit Warten. Sie hat wieder mit der Kindertagesbetreuung begonnen und kümmert sich um vier Kinder. Sie hat zwei Hunde und lebt mit ihrem Mann Jens den Alltag viel bewusster als früher.

In einem Online-Forum hat sie Kontakt zu einigen Frauen mit dem gleichen Schicksal. „Dort tauschen wir uns aus und trösten uns bei Bedarf“, sagt sie. Denn immer wieder verabschieden sich Frauen für ewig aus dem Forum. „Seit Mai ist wöchentlich eine Frau gestorben“, bedauert Hartmann. Zwar reißt sie das auch immer wieder herunter, doch gleichzeitig hat sie sehr viel Unterstützung durch die Familie und Freunde, die ihr insbesondere nach der Operation sowie der Antikörper- und der Chemotherapie geholfen haben. „Ich sehe gar nicht ein, dass der Krebs siegt“, sagt sie.

In Oldenburg hat die 49-Jährige vor Kurzem im Rahmen einer Veranstaltung der Organisation „Lebenssprung“ über ihre Erfahrungen berichtet, und zuhause hat sie sich ihre Oase im Garten geschaffen. Sie versucht, ihr Immunsystem durch Pflanzen und Tees zu stärken. Aus Baumaloe, die sie anbaut, gewinnt sie Sirup, der ihr und ihrer Seele gut tut. Der Rest ist Optimismus, dass sie eine der wenigen Frauen ist, die am Ende geheilt sind. „Man muss nicht zwingend daran sterben“, sagt sie. Auf dem Weg zur Heilung ist sie schon ganz schön weit gegangen.

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