Günstige Jugend- und Schülertickets

Für 30 Euro monatlich durch den Nordwesten

Finanzierungsbedarf: Schüler sollen künftig günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch den Nordwesten fahren können. Symbolfoto: dpa
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Finanzierungsbedarf: Schüler sollen künftig günstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln durch den Nordwesten fahren können. Symbolfoto: dpa

Landkreis – Günstige oder gar kostenlose Tickets für Schüler und Auszubildende sind in Niedersachsen schon länger im Gespräch und waren und sind ebenso Thema im Landkreis Oldenburg. Und wie es aussieht, wird sich der Kreis im kommenden Jahr mehrfach damit beschäftigen dürfen. So angenehm die Erleichterungen für die jungen Leute und ihre Eltern denn auch sein mögen, werden diese jedoch auf jeden Fall mit Kosten für den Landkreis verbunden sein. Und die könnten sogar höher ausfallen, als bislang angenommen.

Ein vom Land Niedersachsen vorangetriebenes Projekt ist ein regionales Schüler- und Auszubildenden-Ticket. Zuletzt hatte Christof Herr, Geschäftsführer des Zweckverbands Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN), im Juni im Kreis-Schulausschuss über den Stand der Umsetzung berichtet. Von der lokalen Politik begrüßt, war damals jedoch noch die Frage nach dem finanziellen Anteil des Landkreises offengeblieben.

Wie Herr jetzt mitteilt, sei mit der Verabschiedung des Doppelhaushaltes 2022/23 für das Land Niedersachsen in dem Bundesland der Rahmen für die Einführung eines solchen Fahrscheins für die kommunalen Aufgabenträger für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) geschaffen worden. Der Bremer Senat hatte bereits in seiner Sitzung am 10. August einen Beschluss zur Einführung eines solchen Tickets im Gebiet des Verkehrsverbundes Bremen/Niedersachsen (VBN) gefasst (VBN-Jugendticket). „Im VBN-Gebiet ist die Einführung des VBN-Jugendtickets zum 1. August des kommenden Jahres geplant“, heißt es in der Pressemitteilung des Zweckverbandes. Dies sei in der Verbandsversammlung jüngst nochmals bekräftigt worden. Entsprechend den im niedersächsischen Nahverkehrsgesetz verankerten Anforderungen wird es dann Schülern, Auszubildenden oder Freiwilligendienstleistenden möglich sein, im gesamten Gebiet des VBN zu einem Jahrespreis von 360 Euro alle Busse und Bahnen im Nahverkehr ohne Ausschlusszeiten – somit auch in den Ferien – nutzen zu können. Davon profitierten insbesondere Schüler ab Klasse 11, denen das Niedersächsische Schulgesetz keinen Anspruch auf kostenlose Schülerbeförderung vermittelt. „Mit nur 30 Euro monatlich liegt der Preis des VBN-Jugendtickets unter dem Preis des Schülermonats-Tickets“, so Herr.

Kommunen müssen Geld dazugeben

Für die geplante Einführung zum 1. August 2022 seien in den nächsten Monaten „insbesondere noch vertriebliche und finanzielle Fragestellungen zu klären“, so der Geschäftsführer weiter. Auf der Grundlage des niedersächsischen Nahverkehrsgesetzes wird der ZVBN für sein dortiges Verbandsgebiet vom Land Niedersachsen jährliche Finanzhilfen von circa 1,83 Millionen Euro erhalten. Die für die Einführung zusätzlich rund 1,3 Millionen Euro seien von den niedersächsischen Verbandsgliedern – also den Städten und Landkreisen – im Rahmen ihrer kommunalen Haushalte aufzubringen. Die endgültige Entscheidung zur Umsetzung des „VBN-Jugendtickets“ werde in den Verbundgremien von ZVBN und VBN in Sondersitzungen im März getroffen werden.

Doch wie groß ist der Finanzbedarf aktuell noch – und wie viel kommt auf den Landkreis Oldenburg zu? Bislang seien 9,5 Millionen Euro für den gesamten Verbund jährlich errechnet worden, erläutert Herr auf Nachfrage unserer Zeitung. Diese Zahl werde sich auch nicht mehr verändern. Da das Ticket erst im August an den Start gehen soll, sei im ersten Jahr mit einem Beitrag von 3,97 Millionen Euro zu rechnen. Der ZVBN habe den Verbandskommunen bereits mitgeteilt, wie viel jeweils auf sie zukommen werden. Zwar müsse die Höhe der einzelnen Beiträge noch „finalisiert“ werden müssen, so Herrm, es bedürfe noch etwas „Finetuning“. Doch werden sie sich in der errechneten Größenordnung bewegen. Er wolle den Kommunen aber nicht vorgreifen und diese Summen bereits nennen.

Fachausschuss tagt erst im Februar

Das wollte auch Kreis-Schulamtsleiter Maik Ehlers auf Nachfrage nicht tun. Er bestätigte, dass die Zahlen vom ZVBN vorliegen. Bevor diese bekannt gegeben werden können, sollten allerdings die Entscheidungsträger – also die Mitglieder von Kreistag und Fachausschüssen – darüber informiert werden. Die erste Schulausschusssitzung des neuen Jahres sei für den Februar angesetzt. Die Summe sei im Planungsentwurf für den Haushalt bereits berücksichtigt. Doch seien das nicht die einzigen Kosten, die in Bezug auf den ÖPNV auf den Landkreis zukommen werden, gab Ehlers einen Ausblick: So stehe dem Kreishaushalt ab Sommer mit der kostenlosen Schülerbeförderung für Jugendliche der Sekundarstufe II noch ein „größerer Brocken“ finanzieller Art ins Haus. Zurzeit geht die Verwaltung von Kosten von rund 400 000 Euro jährlich aus.

Und auch das sei noch nicht alles: Die Lage der Verkehrsbetriebe sei aufgrund der Pandemie „verheerend“. So kämen die Unternehmen jetzt auf nur etwas mehr als 50 Prozent des Umsatzes des Jahr 2019. Das seien letztlich Verluste, die die Firmen nicht alleine schultern könnten. In den vergangenen beiden Jahren hätten Bund und Länder dies noch ausgeglichen. Es bleibe abzuwarten, wie sich die Situation entwickeln werde. Springen Bund und Länder nicht erneut in die Bresche, könnten dann unter Umständen auch die Kommunen gefragt sein.

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