Mit fünf Schläuchen um die Welt

Südkoreaner auf großer Reise machen Halt in Wildeshausen

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Der Wildeshauser Martin Bruns (Mitte) hat Kim und Michelle An Kwanghyun für zwei Nächte Unterkunft geboten.

Wildeshausen - Sie haben ihre Jobs gekündigt, alles verkauft und Freunde und Familie zurückgelassen, um die Welt auf zwei Rädern zu erkunden: 20 000 Kilometer hat ein Ehepaar aus Südkorea seit 2015 zurückgelegt. Zu ihrer Reise um den Globus gehörte auch ein Zwischenstopp in Wildeshausen.

Als „Wunder“ empfinden es die beiden immer wieder, wenn ihnen völlig fremde Menschen eine Unterkunft bieten. So auch in der Kreisstadt, wo sie zwei Nächte bei Martin Bruns verbringen. Über das Internetportal „Warm Showers“ stellt Bruns reisenden Radlern seine Wohnung zur Verfügung: „Ich mache das seit gut zehn Jahren und haben schon einiges erlebt“. Mittwochnachmittag hat er Kim (38) und Michelle An (33) Kwanghyun bei sich begrüßt. Die beiden kamen aus Bremen und schwingen sich heute wieder auf ihre Sättel in Richtung Niederlande. Europa ist die letzte Etappe ihrer Reise, zu der die beiden vor etwa drei Jahren aufgebrochen sind.

Kanada hat die Südkoreaner besonders beeindruckt. Dort wollen sie in Zukunft leben.

Los ging es in Bangkok, dann quer durch Südostasien, mit dem Flugzeug nach Australien und weiter nach Vancouver. Die Tour durch die Rocky Mountains in Nordamerika sei der Höhepunkt ihrer Reise gewesen – inklusive aufregender Begegnungen mit wilden Tieren. „Ich wollte gerade ein Foto von Michelle An vor einem Schild machen, das vor Bären warnt“, erzählt Kim. „Als plötzlich fünfzig Meter hinter ihr einer über die Straße lief.“

Nach einem Abstecher an die US-Ostküste sind die beiden weiter durch Mittelamerika gefahren. Die Route ergibt sich immer stückchenweise: „Genaue Pläne machen wir immer für etwa zehn Tage im Voraus“, schildert Michelle An. In Mexiko haben sie zehn Monat lang ein koreanisches Guest-House geleitet und sich vom anstrengendsten Teil der Strecke erholt: der Fahrt durch Guatemala. „Das war hart“, erinnert sich Michelle An. „Es gibt viele Berge, es ging rauf und runter, sodass wir müde Arme vom ständigen Bremsen hatten“, ergänzt Kim. Die drückende Hitze und kaputte Straßen taten ihr Übriges.

Im Mai sind sie von Mexiko nach Oslo geflogen und haben auf ihrem Weg gen Süden die Vorteile des Radelns in Dänemark Schätzen gelernt: „Dort ist es immer flach“, erzählt Michelle An lachend. Auch in Deutschland fahre es sich sehr angenehm.

Die Fahrräder sind mit jeweils sechs Taschen beladen und tragen die beiden seit drei Jahren durch die Welt.

In Amsterdam ist dann aber Schluss mit Radfahren – mit Freunden geht es im Auto weiter durch Europa. Die beiden wollen noch viel vom Kontinent sehen, doch das Visum gilt nur drei Monate. Das sei zu wenig bei einer Reisegeschwindigkeit von etwa 70 Kilometern am Tag. Dabei waren die Drahtesel ausdauernde Begleiter: Nur vier Mal haben sie die Schläuche wechseln müssen. „Man muss die Räder jeden Tag checken“, sagt Kim. „Das ist sehr wichtig. Schließlich transportieren sie damit einen mobilen Hausstand: In jeweils sechs Fahrradtaschen haben sie unter anderem Camping-Equipment verstaut. Denn meist schlagen sie ihr Nachtlager in der Natur auf.

An Korea vermissen die beiden vor allem das scharfe Essen und ihre Freunde. Nach dem Ende ihrer Reise will das Paar zwar zunächst zurück in die Heimat, plant aber langfristig, auszuwandern – vor allem mit Blick auf späteren Nachwuchs. „In Korea ist das Leben für Kinder sehr hart“, berichtet Kim. Sie stünden in der Schule in ständigem Konkurrenzkampf und hätten kaum Zeit zum Spielen. Die Natur und die Menschen in Kanada hätten die beiden nachhaltig beeindruckt, dort möchten sie leben. pp

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