AUS DEM GERICHT Keine günstige Sozialprognose für 21-jährigen Wildeshauser

Freundin gewürgt und Betrug bei EBay

Betrug bei EBay: Der Wildeshauser hatte dort Werder-Tickets angeboten.  
Symbolfoto: dpa
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Betrug bei EBay: Der Wildeshauser hatte dort Werder-Tickets angeboten. Symbolfoto: dpa

Wildeshausen – Ab in den zweiwöchigen Jugendarrest, heißt es für einen 21-jährigen Wildeshauser, der am Mittwoch vor der Jugendrichterin wenig Einsicht zeigte, dass er sich in der Vergangenheit mehrfach kriminell verhalten hatte. Die Staatsanwältin hatte ihn wegen drei Taten angeklagt. So soll der junge Mann bereits am 9. Juni 2017 um 14.30 Uhr im Ecstasy-Rausch und Streit seine damalige Partnerin in ihrer Wohnung in Bremen eingesperrt haben. Er soll randaliert, die Frau über die Sofalehne geschubst, sie gewürgt und mit Faustschlägen traktiert haben.

Am 29. Mai 2019, so die Staatsanwältin, soll der Mann sein Fahrrad in einem Ständer an der Huntestraße abgestellt haben. Dieses sei gegen ein anderes Fahrrad gefallen, das ebenfalls umgestürzt sei und ein Auto beschädigt habe. Der junge Mann soll dem Wagenbesitzer, der ihn zur Rede stellen wollte, „lass mich in Ruhe“ gesagt haben und weggegangen sein.

Tickets für Werder angeboten

Am 17. April 2019, so die weitere Anklage, habe der Heranwachsende zwei Eintrittskarten für ein DFB-Pokalspiel in Bremen bei EBay angeboten, dafür 120 Euro kassiert, die Tickets aber nie verschickt.

Die Anklagen waren miteinanderverbunden worden, mussten dann aber wieder getrennt werden, weil Zeugen fehlten. An die Körperverletzung bei seiner damaligen Partnerin hatte der 21-Jährige keine Erinnerung mehr. Er wusste nur noch, dass er einen Tisch kaputt getreten, einen Aschenbecher gegen die Wand geworfen und Ravioli im Kleiderschrank verteilt hatte. Seine Wut habe sich gegen Gegenstände gerichtet, um seine Freundin nicht zu schädigen, so berichtete er.

Zeugin kam nicht zur Verhandlung

Die Frau war aber nicht als Zeugin zur Verhandlung erschienen. Sie erwartet ein Ordnungsgeld von 300 Euro. Zudem dürfte sie zu einer neuen Verhandlung polizeilich vorgeführt werden.

Die anderen beiden Verfehlungen konnten am Mittwoch abgeurteilt werden. Auf Milde konnte der junge Mann schon deshalb nicht hoffen, weil er keine Schuld bei sich sah. Das Fahrrad, so berichtete er, sei gar nicht gegen das Auto gefallen. Weggegangen sei er lediglich, weil der Zeuge ihn mit dem Handy fotografieren wollte.

Die Werderkarten, so der Angeklagte, habe er wirklich besessen. Er habe aber wegen des späten Abendtermins nicht ins Stadion gehen können. Deshalb habe er die Tickets angeboten.

Staatsanwältin glaubt kei Wort

Diese Aussage schien der Staatsanwältin wenig glaubhaft angesichts eines WhatsApp-Verlaufes. Dort hatte der Ticketkunde immer wieder versucht, ein Foto von den Karten sowie eine Bestätigung der Sendung zu bekommen. Der Wildeshauser hatte angegeben, er habe keine Zeit, weil er bei der Arbeit sei – obwohl er arbeitssuchend war. Er habe die Tickets aber auf jeden Fall per Einschreiben abgeschickt und wisse nicht, warum sie nicht angekommen waren.

„Sie können keine plausiblen Angaben machen. Sie haben ein Problem“, warf die Staatsanwältin dem Mann angesichts der erdrückenden Beweislast vor. Da auch der Jugendgerichtshelfer keine positive Prognose für das weitere Leben des jungen Mannes geben konnte, beantragte die Staatsanwältin zwei Wochen Jugendarrest als „klares Signal, dass es nicht zu weiteren Straftaten kommen darf“. Die Richterin sah das ebenso. Sie verwies darauf, dass bei weiteren Taten das Erwachsenenstrafrecht angewendet werden muss. Das sieht Geld- oder Freiheitsstrafen vor. Offenbar gibt es auch schon ein weiteres und neueres Verfahren gegen den Mann. Darüber wurde aber am Mittwoch im Gerichtssaal noch nichts bekannt. Der Angeklagte gab vor, darüber überhaupt nicht informiert zu sein.  dr

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