Landkreis Oldenburg arbeitet an einem Mobilitätskonzept für die erste Zeit ohne Auto

Freiwillig auf den Führerschein verzichten

Arbeitet an Alternativen: Siegfried Bluhm. Foto: Franitza

Wildeshausen – Die Statistik belegt es: Mittlerweile haben Senioren bei Verkehrsunfällen die Fahranfänger als am häufigsten Beteiligte abgelöst. Ein neues Programm des Landkreises Oldenburg soll ab dem kommenden Jahr insbesondere Senioren den Schritt erleichtern, freiwillig auf die Fahrerlaubnis zu verzichten. In einem Gespräch mit unserer Zeitung geht Siegfried Bluhm, Leiter des Straßenverkehrsamtes, näher auf das Thema „Senioren im Straßenverkehr“ ein.

Bis die Aktion greift, werde es aber noch etwas dauern, erläutert Bluhm den Zeitrahmen: „Das wird eher etwas zum zweiten Quartal 2020.“ Nachdem die Politik bereits signalisiert habe, das Programm zu unterstützen, könnte Anfang des kommenden Jahres die Umsetzung beginnen: Dann werde mit dem „Verkehrsverbund Bremen & Niedersachsen“, der für den Linienverkehr zuständig ist, sowie mit den Taxi- und den ihnen ähnlichen Mietwagenfirmen (nicht zu verwechseln mit Autovermietungen), verhandelt werden. Geplant sei, für eine Übergangsphase ein kostenloses Jahresticket über zwei Tarifzonen anzubieten – oder aber den Gegenwert in Taxifahrten, berichtet der Amtsleiter: „Das Konzept steht.“ Auto-Mobilität sei in einem Landkreis wie dem hiesigen unverzichtbar, da nicht jede kleine Ortschaft über Busse angebunden sei. So ließen sich dann viele Alltagsfahrten bewältigen. „Wir sind ein Flächenlandkreis. Im Vordergrund muss stehen, selber mobil zu bleiben“, erläutert er.

Das Angebot gelte allerdings nur bei der Abgabe aus eigenem Antrieb, also nicht nach einem Führerscheinentzug, so Bluhm. Im Jahr 2018 haben 47 Personen im Landkreis auf ihre Fahrerlaubnis verzichtet. Bis Ende Oktober dieses Jahres waren es 36. Doch seien dies nicht nur Senioren, es komme auch bei Jüngeren vor: etwa im Rahmen eines Drogenentzuges.

Allerdings sei das nur ein Baustein im Konzept des Landkreises für mehr Sicherheit im Straßenverkehr, angefangen von Fahrtrainings für junge Autofahrer, dem Verkehrssicherheitstag in Wildeshausen, oder aber Kursen wie „Fit im Auto“ für Verkehrsteilnehmer ab 65 Jahre sowie den „gelben Westen“ für Schulanfänger.

Sicherheit am Lenkrad betreffe gleichwohl nicht nur betagte Menschen, erklärt Bluhm weiter: Grundlegend sei stets die Fähigkeit, körperlich und geistig dazu in der Lage zu sein, ein Fahrzeug sicher führen zu können. Einschränkungen können sich zwar durch das Alter ergeben, aber ebenso durch Rauschmittel – oder die Einnahme von Medikamenten. Da gebe es einen „grauen Bereich“, etwa wenn eine Vielzahl von Arzneien eingenommen werden müsse, so Bluhm. Da könne ein Patient auch schon „nahe an einer Straftat“ sein, warnt der Experte: Denn für den Gesetzgeber sei es egal, warum das Auto unsicher bewegt wurde – ob aufgrund von Drogen- oder Alkoholkonsum oder wegen einer Medikation.

Die Bewertung der eigenen Leistungsfähigkeit sei für manche langjährige Führerscheininhaber ein weiteres Problem: „Objektiv geht die Gefahr oft von einem anderen aus, während man sich selber eine Gefährdung nicht eingestehen möchte“, benennt der Fachmann diese Art der Fehleinschätzung. Viele Betroffene meinten, weil sie seit 20 Jahren unfallfrei gefahren sind, dass sie damit nach wie vor sicher unterwegs seien. Dabei sei es „etwas ganz Normales und Menschliches, im Alter Leistungsfähigkeit abzubauen“. Sie zögen nicht ins Kalkül, dass aufmerksame Verkehrsteilnehmer auch stets Unfälle mitverhinderten.

Aber was ist, wenn jemandem ein unsicherer Fahrer bekannt ist? „Jeder kann uns Hinweise geben, wenn er an der Fahrtüchtigkeit eines anderen Zweifel hat“, so Bluhm. Die Behörde könne dem dann nachgehen. Solche Tipps sollten aber nicht anonym erfolgen, damit seine Kollegen stets Nachfragen stellen können und das Ganze sich nicht etwa als üble Nachrede herausstelle. Familienmitglieder etwa seien nicht gesondert verpflichtet, Angehörige zu melden. Die Vorbehalte in so einer Situation könne er zwar gut nachvollziehen, denn „dann geht leicht ein Riss durch die Familie.“ Doch solle sich jeder die Frage stellen, ob er mit der moralischen Last leben könne, sollte tatsächlich ein Unglück eintreten.  fra

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