Freispruch nach Vorwurf der Körperverletzung

Hotelier handelte in Notwehr

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Die Vorwürfe gegen den 49-jährigen Geschäftsführer eines Wildeshauser Hotels waren unangenehm: Er sollte am 26. Juni 2015 um 21.30 Uhr eine 18-jährige Aushilfskraft an der Grundstücksgrenze geschlagen und gekratzt haben, um ihn am Betreten des Parkplatzes zu hindern.

Eine Körperverletzung ließ sich aber nach zwei Verhandlungen am Wildeshauser Amtsgericht nicht beweisen. Das Zurückstoßen hinter die Grundstücksgrenze wertete die Richterin am Dienstag als berechtigte Notwehr, um einen Hausfriedensbruch abzuwehren. Deshalb wurde der Angeklagte von allen Vorwürfen freigesprochen, musste sich aber von der Richterin sagen lassen, dass sie gewissen Zweifel daran hege, ob alle Zeugenaussagen ohne vorherige Beeinflussung zustande gekommen waren.

Die Geschehnisse an dem Abend vor der angeblichen Körperverletzung sind gut dokumentiert. Zum Teil gibt es sogar Videoaufzeichnungen. Der Angeklagte hatte geschildert, dass der 18-jährige Bruder einer Angestellten zum zweiten Mal zur Probe im Hotel gearbeitet habe, um sich für eine Ausbildung zu empfehlen. Als am 26. Juli ein Grillabend mit vielen Gästen zu Ende gegangen sei, habe er den 18-Jährigen gebeten, mit aufzuräumen. Von der Köchin habe er kurz darauf erfahren, dass der junge Mann seine Schwester gewürgt, dann einen Hotelgast angegriffen und darauf den Betrieb verlassen habe. Die Schwester habe er im Carport angetroffen, wo sie völlig verstört saß. „Ich habe von dort gesehen, dass der Bruder das Grundstück wieder betreten wollte“, so der Angeklagte. Er habe ihn davon abgehalten, Hausverbot erteilt sowie ihn zurückgeschubst.

Der 18-Jährige hatte daraufhin Anzeige erstattet und bei der Polizei behauptet, einen Schlag auf die Lippe bekommen und Kratzer an Hals und Brust erlitten zu haben.

Nachdem der junge Mann am ersten Verhandlungstag gefehlt hatte, war er gestern zwar anwesend, verweigerte jedoch die Aussage, weil er sich sonst selbst hätte belasten können. Ein weiterer Zeuge, der gestern aussagte, hatte nur ein leichtes Geschubse gesehen, als er die Auseinandersetzung aus dem Auto beobachtete. Der Zeuge hatte sich nach dem ersten Verhandlungstag gemeldet, weil er einen Bericht darüber gelesen hatte. Die Richterin fand es allerdings ein wenig befremdlich, dass der Mann zunächst im Hotel angerufen hatte und nicht bei der Polizei, bekam dafür aber keine Erklärung. Sie stellte dann vor dem Urteilsspruch ausdrücklich klar, dass es zur Verhandlung alleine deshalb gekommen war, weil sie Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Strafbefehls der Staatsanwaltschaft gehabt hatte. Es sei deshalb bei der Beweisaufnahme um die Frage gegangen, ob es sich um Notwehr oder vorsätzliche Körperverletzung handelte.

Wegen fehlender Indizien für einen Schlag sahen sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung und die Richterin keine Grundlage für eine Verurteilung. Der Schubser wurde als Notwehr gewertet.

Der Angeklagte betonte in seinem letzten Wort, dass seiner Ansicht nach ganz klar der Beweis erbracht worden sei, dass er nicht zugeschlagen habe. Der Anzeigenerstatter habe eindeutig gewollt, dass er bestraft werde. Von daher sei es ihm auch unverständlich, warum das Urteil lediglich nach dem Motto „im Zweifel für den Angeklagten“ gefallen sei. Das sei ein Freispruch zweiter Klasse, kritisierte er.

dr

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