Freispruch für 24-Jährige/Kurios: Eine Täterin flüchtete im BH

Trickdiebstahl: Angeklagte will es nicht gewesen sein

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Mediengruppe Kreiszeitung

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Es war ein Trickdiebstahl am 3. Juli vergangenen Jahres, der Schlagzeilen machte. Nicht wegen der Tat, sondern, weil eine der Täterinnen ohne Schuh und T-Shirt im BH die Flucht ergriff. Am Montag stand ihre mutmaßliche Mittäterin vor der Amtsrichterin in Wildeshausen. Sie wurde freigesprochen.

Unzweifelhaft war in der Verhandlung lediglich, dass am 3. Juli um 10 Uhr ein 53-jähriger Wildeshauser von zwei Frauen vor der Post-Agentur an der Wilhelmshöhe in Wildeshausen angesprochen wurde. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatten die Frauen Spenden gesammelt und versucht, Geldscheine aus einem Portemonnaie zu stehlen, indem sie danach eine Unterschriftenliste über die Börse eines Spenders hielten. Der Wildeshauser hatte das bemerkt und versucht, die Frauen festzuhalten. Das misslang jedoch.

Während die Anklage wegen versuchten gewerbsmäßigen Trickdiebstahls zur Finanzierung des Lebensunterhaltes eindeutig war, kamen der Richterin bei Vorlage des Passes der Rumänin schon erste Zweifel. Die 24-Jährige kannte zwar ihren Geburtsort, konnte aber nicht die Nummer ihres Hauses nennen, in dem sie bis vor zweieinhalb Jahren gewohnt haben will. Andererseits sagte die Angeklagte, sie sei schon als Kind nach Deutschland gekommen. Nun lebe sie mit Partner und drei Kindern in Duisburg und habe die Stadt noch nie verlassen. Dass die Richterin ihr sechs Einträge im Bundeszentralregister, unter anderem wegen Vergehen in Sulingen, Fulda, Essen, Neuß und Einbeck vorhielt, konnte sie nicht erklären. Auch nicht, warum ihre Fingerabdrücke auf der Spendenmappe aus Wildeshausen zu finden waren.

„Ich war hier noch nie“, ließ sie übersetzen. Sie habe auch noch nie einen Diebstahl begangen. Sie könne sich an nichts erinnern.

Als ihr die Richterin Fotos von Beweisstücken – unter anderem den Schuh und ein T-Shirt – zeigte, kam eine andere Erinnerung zurück. „Das ist ein anderes Mädchen. Ich kenne ihren Namen nicht, aber sie wohnt in Essen“, war die Angeklagte recht gesprächig.

Zwei Zeugen konnten zwar über die Tat berichten, hatten an die Frauen aber kaum Erinnerungen. Während der eine Zeuge aus Wildeshausen den Tumult nach dem versuchten Diebstahl nur am Rande mitbekommen hatte, beschrieb der andere Zeuge, wie die Frauen ihn übers Ohr hauen wollten. Er habe gemerkt, dass sie ihm Geld stehlen wollten. Daraufhin habe er eine der Frauen festgehalten. Diese habe sich aber „profihaft“ seinem Zugriff entzogen, indem sie ohne Shirt und Schuh nur mit BH bekleidet in Richtung Bahnhof geflüchtet sei.

Die Polizei hatte an den Kleidungsstücken später DNA festgestellt. Diese konnten der Angeklagten aber nicht zugeordnet werden. Weitere Ermittlungen zu einer Mittäterin laufen.

Angesichts der dünnen Beweislage und der Möglichkeit, dass die Mappe, auf der die Fingerabdrücke der Täterin nachgewiesen wurden, durch mehrere Hände gegangen sein könnte, plädierte der Staatsanwalt auf Freispruch. Dem schloss sich die Richterin an und zwar auf Kosten der Staatskasse.

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