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Freibad Wildeshausen: Kleiner Schritt in Richtung Sanierung

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Von: Ove Bornholt

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Marode: Wann das Freibad saniert wird, ist unklar. Nun sollen die Kosten neu geschätzt werden.
Marode: Wann das Freibad saniert wird, ist unklar. Nun sollen die Kosten neu geschätzt werden. © jh

Kann sich die Stadt Wildeshausen die Sanierung des Freibades leisten? Darüber wurde in der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses heftig gestritten.

Wildeshausen – Sollte die Stadt Wildeshausen das marode Freibad sanieren? Grundsätzlich gibt es dafür eine breite Mehrheit in der Politik. Kann sich die Stadt das auch leisten? Da schieden sich am Donnerstagabend im Ausschuss für Stadtentwicklung die Geister. Letztendlich empfahl das Gremium, dem Vorschlag der Verwaltung zu folgen und erst einmal die Kostenschätzung für die Sanierung zu aktualisieren. Dafür sollen rund 25 000 Euro anfallen. Das wurde mit den Stimmen von CDU, CDW, FDP, SPD (eine Zustimmung, eine Enthaltung) gegen Grüne/Linke und UWG beschlossen.

Rückblick: Im Jahr 2018 eröffnet sich für Wildeshausen die Chance, kurzfristig in ein Förderprogramm des Bundes aufgenommen zu werden. Im Wettbewerb mit Hunderten Kommunen gelingt es, eine Zusage über 2,4 Millionen Euro und damit rund die Hälfte der Sanierungskosten zu erhalten. Alles sieht gut aus – das Nichtschwimmerbecken wird stillgelegt, weil sich eine teure Instandhaltung angesichts des erwarteten Neubaus nicht lohnt. Aber dann kommt Corona. Die Einnahmesituation ist unsicher, die Kosten erhöhen sich durch die allgemeine Steigerung der Baupreise auf 7,2 Millionen Euro. Der Rat entscheidet sich Ende 2020 aus finanziellen Gründen dafür, das Freibadprojekt erst einmal zu schieben. Die 2,4 Millionen Euro vom Bund könnten noch fließen. Aber nur, wenn das Projekt 2023 maßgeblich vorangebracht werden würde. Nun hat die CDW mit einem neuen Antrag, wieder Bewegung in die Sache gebracht (wir berichteten). Sie fordert, im Haushalt 2023/24 Gelder für die Sanierung bereitzustellen.

Populismus-Vorwurf gegen die CDW

Dafür musste sich Antragstellerin Christin Rollié im Ausschuss einiges anhören. In der nichtöffentlichen Haushaltsklausur Ende 2020 seien sich alle einig gewesen, das Bad nicht zu sanieren, sagte Rainer Kolloge (UWG). „Außer mir. Ich war der Einzige, der dafür war.“ Eine Position, die er im Nachhinein nicht mehr so vertreten würde – wegen der „Explosion“ der Baupreise in den darauffolgenden Jahren. „Gegenüber dem Bürger ist es nicht ehrlich, zu sagen, dass wir das Bad sanieren könnten.“ Nach der Klausur habe die CDW in Person von Jens-Peter Hennken im Wahlkampf mit dem Slogan „Freibad jetzt sanieren“ geworben. Mittlerweile sei die Situation wegen der Baukostensteigerung „völlig unkalkulierbar“. Dementsprechend sei der Antrag der CDW „deplatziert“. Kolloge warf Hennken und der Fraktion Populismus vor.

Letzterer sitzt nicht in dem Ausschuss und wies den Vorwurf im Gespräch mit der Redaktion als „lächerlich“ zurück. Zudem sei die Darstellung Kolloges zu der nichtöffentlichen Haushaltsklausur „völlig falsch“. Er selbst habe dem Haushalt 2021 nicht zugestimmt, weil das Freibad keine Priorität mehr hatte. Rollié reagierte in der Sitzung verärgert auf Kolloges Kritik. „Der Antrag hat nichts mit Jens-Peter Hennken zu tun.“ Der Beschluss von 2020 werde nach den Wahlen von 2021 nun einfach nur hinterfragt.

Grüne werben erneut für ein Naturbad

Der UWG-Ratsherr stand mit seinem Populismus-Vorwurf nicht alleine da. „Das ist vorsätzliche Verschwendung von Steuergeld“, kritisierte Bodo Bode (Pro-Wildeshausen) die Ausgabe von 25 000 Euro für die Aktualisierung der Kosten. Der Antrag der CDW sei „abenteuerlich und populistisch“. Mittelfristig sei es sinnvoller, das Freibad zurückzubauen und einen Badesee einzurichten. „Ohne Heizung und Chemikalien.“ In dieser Zeit müsse man neu denken, spielte er auf die gestiegenen Energiepreise an.

Marcell Görke (CDU) signalisierte Zustimmung für das Ansinnen der CDW und regte an, die Planung zu überdenken – offenbar mit der Hoffnung hier und da etwas einzusparen. Dem widersprach Bauamtsleiter Hans Ufferfilge. Bei der aktuellen Planung handele es sich um die „optimale Lösung“ und „wirtschaftlichste Herangehensweise“.

Die Grünen seien im Prinzip für die Sanierung, erklärte Klaus Schultze. Aber mit einem ganz anderen Konzept, nämlich einem Naturbad. Das hatten sie vor ein paar Jahren schon einmal vorgeschlagen – und auch jetzt fand sich dafür keine Mehrheit.

Frank Voigt (AfD) unterstützte wiederum den Antrag der CDW. „Die Bürger werden die Gegner bei der nächsten Wahl bestrafen“, meinte er. Auch die FDP sprach sich für die Sanierung aus. „Wenn nicht jetzt, wann dann?“, so Mark Depken. Sollte die 2,4-Millionen-Euro-Fördersumme nicht mehr zur Verfügung stehen, „können wir es uns doch erst recht nicht leisten“. Die SPD wollte erst einmal die Kosten aktualisiert haben. „Es wird schwierig, aber irgendwann muss mit der Sanierung angefangen werden“, sagte Antonia Klein.

Chance auf neue Fördergelder?

Bürgermeister Jens Kuraschinski erinnerte an den 2020 geschmiedeten Kompromiss, erst einmal Zeit zu gewinnen. Deswegen sei das inzwischen nicht mehr genutzte Nichtschwimmerbecken auch noch nicht zurückgebaut worden. Er hofft, bei eventuellen künftigen Fördermitteln eher zum Zuge zu kommen, wenn es sich um eine Sanierung und nicht um einen Neubau des Beckens handelt.

Das konnte Wolfgang Sasse (CDU) nicht nachvollziehen. „Warum improvisieren wir dort nicht einfach eine Sandfläche? Wildeshausen braucht ein vernünftiges Bad.“ Der Rat soll am 7. Juli über die Aktualisierung der Kosten entscheiden. Das Ergebnis dürfte erst nach der Sommerpause vorliegen.

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