Doppelt so viele Anfragen wie in 2019: Landkreis muss Betroffene weiterleiten

Frauenhaus derzeit voll belegt

Häusliche Gewalt: Viele Frauen suchen Hilfe in Schutzhäusern. Dort herrschte in den vergangenen Wochen Vollbelegung. SYMBOLFoto: dpa

Wildeshausen – Finanzielle Not aufgrund von Kurzarbeit und Beschäftigungsverbot, räumliche Enge, keine Entlastung der häuslichen Situation über Hilfen von außen. Das sind einige Gründe dafür, dass in manchen Familien die Belastung wächst und Emotionen schneller überkochen können als in gewöhnlichen Zeiten. Auch körperliche Auseinandersetzungen könnten die Folge sein.

Nach Erkenntnissen des Landkreises Oldenburg waren die ersten Wochen der Corona-Pandemie für Beratungsstellen bei häuslicher Gewalt noch verhältnismäßig ruhig. „Aber häusliche Gewalt ist – mit oder ohne Pandemie – kein neues Thema“, betont Oliver Galeotti, Sprecher des Landkreises. „So ist beispielsweise das Frauenschutzhaus zu dieser angespannten Zeit zumeist vollbelegt.“

Drei Aufnahmeanfragen täglich

In der Statistik stehen für das erste Jahresdrittel 75 Tage Vollbelegung. 2019 waren es im gleichen Zeitraum dagegen lediglich 28 Tage. „Die Corona-Pandemie bescherte den Frauenschutzhäusern in ganz Deutschland erhöhte Hygieneauflagen, diese führten wiederum dazu, dass Häuser ihre Aufnahmekapazitäten vorübergehend anpassen mussten“, so Galeotti.

„Diese Konsequenz war im Schutzhaus des Landkreises besonders im März deutlich zu spüren. Zeitweise kamen an einem Tag drei Aufnahmeanfragen aus Nordrhein-Westfalen, wo der Virus deutlich stärker um sich griff.“ Die Konsequenz war, dass aufgrund der Vollbelegung in den ersten vier Monaten 34 Frauen und ihre 83 Kinder weitervermittelt werden mussten.

Betroffene erfolgreich umgeleitet

„Das sind doppelt so viele Anfragen wie 2019 im Vergleichszeitraum“, betont Galeotti. „In diesem Fall kommt den Schutzhäusern aber die gute Vernetzung untereinander zugute, sodass Betroffene erfolgreich weitergeleitet werden konnten.“

Die Fallzahlen bei der Beratungs- und Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt ähnelten nach Angaben des Landkreises bisher denen des Vorjahres. Diese Beobachtungen melden die Stellen niedersachsenweit über eine Vernetzungsplattform. Es sei allerdings ein deutlicher Anstieg von Wegweisungen des Täters im häuslichen Umfeld durch die Polizei beobachtet worden.

„Es bleibt nun abzuwarten, wie sich die ersten Lockerungen der Bundesregierung auf Familien auswirken“, teilt Galeotti mit. Dann könne der Blick nach außen wieder freier werden, es würden sich Nischen öffnen, um Hilfe einzufordern und als Betroffene selber aktiv zu werden. Zudem könnten Dritte wieder regulierend und helfend eingreifen. „Ob es dann zu einem deutlich spürbaren Mehrbedarf an Beratung und Unterstützung kommt, wird sich zeigen“, so der Pressesprecher.

Beratung am Telefon

Da aber auch dann noch direkte persönliche Kontakte kaum möglich sein werden, setzen die Beratungsstellen „Aufwind“ für Frauen- und Mädchen, „BISS“ (Beratungs-und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt) und das Frauen- und Kinderschutzhaus des Landkreises seit Beginn der Krise auf die Möglichkeit von Telefonkonferenzen mit Ratsuchenden, Beratern und Dolmetschern für nahezu alle Sprachen.

„Aber auch die technischen Möglichkeiten von Helferkonferenzen und Arbeitskreisen mittels Videokonferenzen rücken deutlicher in den Fokus“, so Galeotti. „Des Weiteren ist bei Bedarf glücklicherweise aber auch persönliche Beratung unter Auflagen wieder möglich.“

Hier gibt es Hilfe

Wer Hilfe und Informationen benötigt, kann das Frauenhaus im Internet unter www.oldenburg-kreis.de/frauenhaus erreichen. Telefonischer Kontakt ist unter 04431/92842 möglich. „Aufwind“ ist im Internet unter www.oldenburg-kreis.de/aufwind und per Telefon unter 04431/948585 erreichbar. Die Beratungs- und Interventionsstelle bei häuslicher Gewalt finden Interessierte im Internet unter www.oldenburg-kreis.de/biss. Telefonischer Kontakt erfolgt unter 04431/948585.

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