Gleichstellungsbeauftragte informieren zu „Equal-Pay-Day“

Frauen zeigen Flagge

Flagge zeigen für gleiche Entlohnung: Angela Jenkner, Dorothea Debbeler, Martina Fricke und Petra Mittelstädt (von links) wollen gleiche Wertschätzung für Männer und Frauen. - Foto: Nosthoff

Wildeshausen - Die Gleichstellungsbeauftragten Angela Jenkner (Stadt Wildeshausen) und Dorothea Debbeler (Landkreis Oldenburg) machten die Wittekindstadt am Sonnabendvormittag zum Laufsteg.

Dazu brauchten sie weder Stöckelschuhe noch ausgefallene Klamotten – dafür aber mehr als 50 signalrote Schultertaschen mit „Equal-Pay-Day“-Logo, die sie unter die Frauen brachten. Während an den Masten die Fahnen zum Aktionstag wehten, gingen die Gleichstellungsbeauftragten vom Stadthaus aus auf die Frauen zu, die auf dem Marktplatz unterwegs waren. Dabei informierten sie über die Lohnlücke, die immer noch zwischen Männern und Frauen besteht, und führten aufschlussreiche Gespräche.

„Dieses Jahr legt der ,Equal- Pay-Day' ein besonderes Augenmerk auf Pflege- und Erziehungsberufe“, erklärte Debbeler. „Beide Branchen sind von Frauen dominiert und werden vergleichsweise schlecht bezahlt – und das, obwohl diese Berufe eindeutig zukunftsorientiert sind.“ Pflege und Erziehung würden in Zukunft immer wichtiger für die Gesellschaft.

Gleichzeitig sei für die Frauen, die diese Berufe ausüben, keine Wertschätzung spürbar. „Denn diese spiegelt sich auch in der Bezahlung wider“, betonte Debbeler. Vor allem die Pflegebereiche gingen außerdem mit einer schweren körperlichen Belastung einher. „Heute Morgen habe ich mit einer Frau gesprochen, die aus einem Pflegeberuf kommt“, erzählte Debbeler. „Sie ist in den Ruhestand gegangen. Durch ihre langjährige Tätigkeit ist sie körperlich nicht mehr gesund. Sie erzählte mir, dass nun ihre eigene Mutter pflegebedürftig geworden sei. Da die Frau körperlich nicht mehr so belastbar ist, kann sie nicht für die Pflege ihrer Mutter sorgen.“

In Männerberufen – beispielsweise auf dem Bau – würde körperliche Arbeit mehr wertgeschätzt. Es gebe Erschwerniszulagen und Schlechtwettergeld. Doch der „Equal-Pay-Day“ macht nicht nur auf diese Ungleichbehandlung aufmerksam. Neben der höheren Entlohnung typischer „Frauenberufe“ ist es auch ein Ziel, die Berufswahl von Rollenbildern oder Barrieren bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere zu befreien.

„Während bei Männern ganz klar die Karrierechanchen ausschlaggebend sind, spielt für viele Frauen immer noch die mögliche Vereinbarkeit mit einer Familiengründung eine Rolle – das heißt die Überlegung, ob der Job später in Teilzeit weiterzuführen ist“, meinte Jenkner und folgerte: „Eine Führungsposition in Teilzeit auszuüben, ist schwierig.“

„Auch heute noch sind viele Familien oder Paare vom Gehalt des Mannes abhängig“, so die Wildeshauserin Martina Fricke, Mitglied im BPW (Business and Professional Women) Bremen. Die internationale Organisation rief 1988 die „Red Purse Campaign“ und 2008 in Deutschland die Initiative „Rote Tasche“ ins Leben, um auf die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen aufmerksam zu machen. Immerhin sind es auch 2016 noch 21,6 Prozent, die Frauen durchschnittlich weniger verdienen.

„Die Abhängigkeit der Frauen kann bei einer Trennung eine Katastrophe bedeuten“, machte Fricke auf ein Problem aufmerksam. „Daran denken jedoch die wenigsten.“ Debbeler ergänzte, dass für viele, die ihr Leben lang einen schlecht bezahlten Job ausüben oder in Teilzeit arbeiten, die Altersarmut vorhersehbar sei.

Eine Chance für junge Frauen sieht die Gleichstellungsbeauftragte in den MINT-Berufen. In den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik sei die Bezahlung höher, die Lohnlücke kleiner. Doch ebenso wichtig wie die Loslösung von Rollenbildern sei die bessere Entlohnung von sozialen Berufen.

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