Fragen der CDW-Fraktion

Anfrage zur Hochwasser-Gefahr: „Gefährdete Bereiche bestmöglich geschützt“

Vor fünf Jahren war die Hunte so stark angestiegen, dass bei der Eisenbahnbrücke in Wildeshausen Warnschilder aufgestellt wurden.
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Vor fünf Jahren war die Hunte so stark angestiegen, dass bei der Eisenbahnbrücke in Wildeshausen Warnschilder aufgestellt wurden.

Die Stadt Wildeshausen hat einen Fragenkatalog der CDW zum Hochwasserschutz beantwortet. Dabei geht es um besonders gefährdete Bereiche und Warnsysteme.

Die CDW-Fraktion hatte angesichts der Hochwasser-Katastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz vor drei Monaten einen umfangreichen Fragenkatalog an die Wildeshauser Stadtverwaltung geschickt (wir berichteten). Jetzt liegen die Antworten aus dem Stadthaus vor, die wir auszugsweise veröffentlichen.

Woher bekommt die Stadt die Warnmeldungen? Ist gewährleistet, dass diese richtig interpretiert und dann weitergegeben werden? Gibt es funktionierende Meldeketten? Wer meldet wann was und an wen?

Die Stadt Wildeshausen bekommt die Warnmeldungen über vier Wege mitgeteilt. Erstens: Durch das Landesamt für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz per E-Mail beziehungsweise Fax. Zweitens: Durch einen automatischen elektronischen Sensor der Stadt im Bereich der Heembrücke per automatisiertem Anruf. Drittens: Durch persönliche Wahrnehmung durch Mitarbeiter des Bauhofs, der Feuerwehr und der Verwaltung. Viertens: Die Großleitstelle Oldenburg Land informiert die Feuerwehrführung per digitalem Meldeempfänger, sobald die Warnstufe zwei in Colnrade überschritten wurde.

Im „Meldeplan Hochwasser“ und im „Einsatzplan Hochwasser“ der Stadt ist aufgeführt, wer wann was unternehmen und wer informiert werden muss. Diese Pläne werden seit 2012 fortlaufend aktualisiert und haben sich bisher bewährt.

Welche Warnsysteme im Hinblick auf Starkregen und Hunte-Flutwellen halten wir vor? Sind diese unabhängig von Strom- und Mobilfunknetzen?

Vollfunktionsfähige stationäre Warnsysteme befinden sich wie in vielen anderen Kommunen auch im Aufbau. Zuständig für den Katastrophenschutz ist der Landkreis Oldenburg. Die Voraussetzung dafür, dass die Sirenen der Feuerwehr als „Warnsystem“ für die Bevölkerung eingesetzt werden können, wurde in diesem Jahr geschaffen. Die Sirenen werden durch das Digitalfunknetz der Feuerwehr angesteuert.

Der Landkreis nutzt ferner das Programm BIWAPP (Bürger Info- und Warnapp), das von Jedermann genutzt werden kann. Diese kann durch den Landkreis ausgelöst werden. Geplant ist, dass auch die örtlichen Feuerwehren das tun können. Die Warn-App ist abhängig vom Mobilfunknetz beziehungsweise Internet.

Wie viel Zeit haben die Verantwortlichen nach dem Eingang einer Warnung, um Menschen und deren wichtigstes Hab und Gut aus den Gefahrenzonen herauszuholen?

Aufgrund der Topografie in Wildeshausen steigt die Hunte langsam an. Einen sprunghaften Anstieg wie beispielsweise im Ahrtal geschehen kann es hier nicht geben. Ab einem festgelegten Pegelstand (Einsatzplan Hochwasser) werden die gefährdeten Bereiche beziehungsweise deren Bewohner von der Stadt vorab telefonisch informiert. Das wurde in der Vergangenheit schon mehrfach durchgeführt. Zu diesem Zeitpunkt besteht für die Betroffenen noch kein Handlungsbedarf.

Wissen die Bewohner von überschwemmungsgefährdeten Häusern und Wohnungen, bei welchem Pegelstand der Hunte oder bei welchen Regenmengen pro Quadratmeter deren Wohnungen überschwemmt werden und was zu tun ist?

Seit dem Jahrhunderthochwasser 1998 wurden in Wildeshausen viele Maßnahmen für den Hochwasserschutz durchgeführt und so die gefährdeten Bereiche bestmöglich geschützt. Durch die telefonische Vorabinformation der Betroffenen, können sich alle auf die Situation einstellen und vorbereiten. Eine Folgeableitung bei bestimmten Regenmengen oder Pegelständen ist aufgrund vielfacher Faktoren von Meteorologen und Hydrogeologen beziehungsweise der zuständigen Katastrophenschutzbehörde zu treffen.

Das Krankenhaus Johanneum hatte schon in der Vergangenheit immer mal wieder mit den Folgen von Starkregenereignissen zu kämpfen. Können wir davon ausgehen, dass alle getroffenen Maßnahmen auch zur Beherrschung extremer Regenmengen gewappnet sind? Welche Warnsysteme gibt es, die insbesondere die Menschen im und am Krankenhaus bei Gefahrenlagen schützen?

Das Krankenhaus hat Probleme bei Starkregen größeren Umfanges, wenn dieser in dem Bereich der Einrichtung fällt. Dieser kündigt sich nicht an und ist nicht vorhersehbar, da die Meteorologen die Lage der Gewitterzellen nicht prognostizieren können. Von daher hat das Johanneum kein Warnsystem. Es hat jedoch eigene Schutzeinrichtungen gebaut. Die Kellerzufahrt wird durch ein Fluttor geschützt. Bei stärkeren Regenereignissen kann es aber sein, dass das Dachflächenwasser vom Krankenhaus selbst auf dem Gelände verbleibt.

Das Seniorenheim „Wohnpark an der Hunte“, die Wallschule, die neue Feuerwache an der Krandelstraße und andere, teilweise öffentliche Gebäude liegen mitten im oder am Überschwemmungsgebiet. Gibt es erprobte Evakuierungspläne, die im Notfall bereitliegen? Sind die Verantwortlichen geschult und wissen, was wann zu tun ist?

Wie schon ausgeführt, baut sich ein Hochwasser an der Hunte nicht sprunghaft, sondern langsam auf. Sofern eine Evakuierung notwendig wird, kann diese rechtzeitig veranlasst werden. Alle öffentlichen Einrichtungen haben einen Brandschutz- und Evakuierungsplan mit dem Bauantrag einzureichen. Diese Pläne sind in den Einrichtungen vorhanden. Die Schulung der Verantwortlichen obliegt den Einrichtungen.

Wie können wir zukünftig unsere Gebäude, den Außenraum wie Straßen, Plätze, Parkanlagen, die Stadt und die Infrastruktur so gestalten, dass sie den Auswirkungen des Klimawandels standhalten können?

Durch die Schaffung von Grünräumen und die Begrünung von Gebäuden wird die Umgebungstemperatur deutlich gesenkt. Auch die Verwendung von hellen Farben bei der Fassadengestaltung trägt hierzu bei. Darüber hinaus heizen sich die Gebäude im Sommer dadurch nicht so stark auf. Auf begrünten Flachdächern können Retentionsräume geschaffen werden, die das Abfließen in den Regenwasserkanal verzögern.

Als Nadelöhr bei Hunte-Hochwasser hat sich schon in der Vergangenheit die Eisenbahnbrücke erwiesen. Auch die Brücke für den Nordring und die Autobahn könnten bei extremem Hochwasser das schnelle Abfließen aus dem Stadtgebiet empfindlich stören. Sollten wir diese neuralgischen Stellen nicht mal kritisch prüfen? Wer wäre hierfür zuständig und anzusprechen?

Grundsätzlich ist ein Starkregen mit Folgen von einem Huntehochwasser zu unterscheiden. Nach Kenntnisstand der Stadt ist die Eisenbahnbrücke grundsätzlich bis zu einem 100-jährigen Hochwasser-Ereignis leistungsfähig. Die Verwaltung wird die Bedenken an die Katastrophenschutzbehörde übermitteln und um Stellungnahme bitten.

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