Kandidaten stellen sich den Fragen der Redaktion

Fragen an die Wildeshauser Bürgermeisterkandidaten: Industrie oder Naturschutz?

Dieser Wald soll weichen: Hier ist das neue Industriegebiet Wildeshausen-West geplant.
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Dieser Wald soll weichen: Hier ist das neue Industriegebiet Wildeshausen-West geplant.

Die Wildeshauser Bürgermeisterkandidaten Marko Bahr und Jens Kuraschinski stellen sich den Fragen der Redaktion. Es geht unter anderem um Wildeshausen-West.

Am 12. September steht die Kommunalwahl an: Unsere Redaktion hat den Bürgermeisterkandidaten in Wildeshausen, Harpstedt und Dötlingen sowie den beiden Landratskandidaten mehrere Fragen zu drängenden Problemen oder wichtigen Projekten in den jeweiligen Kommunen gestellt. In loser Folge erscheinen die Antworten bis zur Wahl. Die Fragen wurden per E-Mail gestellt. Die Kandidaten hatten je Antwort eine Vorgabe von bis zu 500 Anschlägen. Bei längeren Texten wird sinnvoll gekürzt, sodass die Beiträge immer ungefähr gleich lang sind.

Den Anfang machen Jens Kuraschinski und Marko Bahr für die Stadt Wildeshausen. Kuraschinski ist Amtsinhaber. Der parteilose Kandidat tritt unabhängig an, wird aber zum Beispiel von der CDU und UWG unterstützt. Bahr ist der Herausforderer. Der FDP-Ratsherr tritt ebenfalls als unabhängiger Kandidat an. Beide gehen auf das seit Jahren umstrittene, geplante Industriegebiet Wildeshausen-West ein. Dafür müsste viel Wald weichen, aber es soll eine Kompensation geben. Und an Industrieflächen mangelt es der Stadt. Außerdem beschäftigen sie sich mit dem Freibad der Kreisstadt, das – ebenfalls schon seit Jahren – marode ist. Die Sanierung scheiterte zuletzt daran, dass infolge der Corona-Pandemie weniger Geld im Stadthaushalt zur Verfügung stand als erwartet. Die dritte heutige Frage dreht sich um das Gelände der Diakonie Himmelsthür, dessen künftige Nutzung offen ist. Auch dieses Thema ist umstritten, schließlich gibt es viel Wald auf dem Areal.

Das Industriegebiet Wildeshausen-West steht bei vielen Bürgern in der Kritik. Wie und warum soll das Projekt – auch vor dem Hintergrund, dass viel Wald abgeholzt werden muss – weiter umgesetzt werden?

Jens Kuraschinski: Da in Wildeshausen gegenwärtig Industrieflächen fehlen, wurde zunächst der Flächennutzungsplan als vorbereitende Planungsstufe entwickelt. Ob ein Bebauungsplan folgen soll, hängt für mich jetzt maßgeblich davon ab, ob die Nanz-Gruppe ein Konzept vorstellen kann, das die Belange eines höherwertigen Waldersatzes sowie des Natur- und Klimaschutzes herausragend löst. Für mich als Bürgermeister sind dabei ebenso die Schaffung hochwertiger Arbeitsplätze sowie die Berücksichtigung von Wildeshauser Firmen beim Verkauf der Flächen sehr wichtig. Ansonsten sollte der Wald erhalten bleiben.

Marko Bahr: Wir wollten Industrieflächen und keinen Lastwagen-Rastplatz schaffen. Man sollte daher eine Neubewertung des Standortes und der Umsetzung in Betracht ziehen, auch weil der Investor, die Nanz-Gruppe, derzeit verhalten agiert und sich die Rahmenbedingungen im Hinblick auf Klima- und Umweltschutz in den vergangenen Jahren stark geändert haben. Wir müssen der Wirtschaft aber Perspektiven für eine weitere Entwicklung geben, ein Ende ohne Alternative darf es nicht geben. Wildeshausen geht nicht ohne Wirtschaft, beide Seiten profitieren stark voneinander.

Das Krandelbad ist teilweise marode. Welche Visionen haben Sie für einen Fortbestand?

Jens Kuraschinski: Für mich ist der Erhalt des Freibades nach wie vor sehr wichtig. Daher werde ich als Bürgermeister in jedem Falle daran festhalten, unter Einwerbung von Fördermitteln eine Sanierung durchzuführen. Auch wenn die Technik zwischenzeitlich sehr anfällig geworden ist, konnte das Freibad in Teilen weiter betrieben werden. Parallel werden wir die vorhandenen Pläne für eine Sanierung fortschreiben, damit sofort ein Förderantrag gestellt werden kann, wenn ein neues Förderprogramm aufgelegt wird.

Marko Bahr: Das Freibad gehört zu Wildeshausen und muss erhalten bleiben. Wir müssen uns wieder mehr auf die Allgemeinheit und deren Bedürfnisse konzentrieren. Es gilt Prioritäten zu setzen und das wenige Geld vernünftig einzusetzen. Dazu gehört für mich das Freibad. Wenn wir nicht schnell handeln, wird eine Sanierung kaum mehr möglich sein, und ein Neubau ist nicht finanzierbar. Also Kassensturz, Fördermittel einwerben und dann einen Fahrplan für die Sanierung des Freibads aufstellen.

Welche Perspektive wollen Sie einem Investor auf dem Diakoniegelände geben?

Jens Kuraschinski: Bei der Nachnutzung haben für mich der Walderhalt und innovative Projekte absolute Priorität. Die historischen Gebäude müssen erhalten bleiben und zum Beispiel für eine Akademie, den Ableger einer Hochschule oder eine überörtliche gesundheitliche Einrichtung genutzt werden. An der Suche nach einem entsprechenden Nutzer werde ich mich als Bürgermeister selbstverständlich aktiv beteiligen. Für eine reine Wohnbebauung sehe ich auf dem Gelände grundsätzlich keinen Raum. Nur auf den wenigen unbewaldeten Flächen sehe ich für innovative Wohnformen Möglichkeiten.

Marko Bahr: Ich wäre für eine touristische Nachnutzung des Geländes. Eine Entwicklung ist derzeit nur eingeschränkt und daher wirtschaftlich kaum möglich. Wir müssen den Eigentümern aber Entwicklungsmöglichkeiten bieten, ohne das Gemeinwohl außer Acht zu lassen. Hier gilt es, einen Spagat zwischen Investor, Bürgern und dem Klimaschutz zu schaffen. Wenn die Pläne des Investors dauerhaft mit den Interessen der Stadt kollidieren, muss zumindest über einen Erwerb von Teilflächen nachgedacht werden, um den größten Teil des Waldes zu erhalten.

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