25-Jähriger verurteilt

Fluchtgefahr: Junger Mann zunächst in Untersuchungshaft

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Angeklagt war ein 25-jähriger Bulgare am Montagmorgen vor dem Schöffengericht in Wildeshausen wegen versuchter Vergewaltigung und Freiheitsberaubung. Diese Anklage konnte nicht aufrecht erhalten werden. Für versuchte sexuelle Nötigung wurde er dann zu 16 Monaten Haft verurteilt. Zudem wurde Untersuchungshaft angeordnet.

Grund dafür sah die Richterin in der bestehenden Fluchtgefahr, da eine erhebliche Freiheitsstrafe auf den jungen Mann wartet, sobald das Urteil rechtskräftig ist. „Außerdem hat der Angeklagte keinen festen Wohnsitz in der Stadt und zudem keine soziale Bindung“, so die Richterin.

Der 25-Jährige wurde ohnehin aus der Justizvollzugsanstalt Lingen vorgeführt, da er dort noch bis Dienstag 40 Tage Haft absitzen muss, weil er die Strafen (Tagessätze) für zwei Verurteilungen nicht bezahlt hatte. In seiner Heimat wurde er als 15-Jähriger bereits wegen Vergewaltigung verurteilt.

Seine Straftat datiert vom 31. Juli vergangenen Jahres. Der Mann soll am Spielplatz in der Nähe des Gymnasiums eine 34-Jährige aus der Kreisstadt zu Boden geworfen und sich auf sie gesetzt haben. Dann hatte er versucht sie zu Küssen. Mit einem beherzten Biss in die Lippe konnte sich die zuvor völlig wehrlose Frau schließlich doch befreien. Sie hatte nach eigener Aussage bei diesem Angriff vermutet, dass der Täter sie vergewaltigen will.

Angeklagte widerspricht der Anklage

Der Angeklagte sah die Sache jedoch völlig anders. Er hatte die Frau, die mit ihrer Schwester und einer Freundin in Wildeshauser Lokalen unterwegs war, gesehen. Zudem habe er auch mit ihr getanzt. „Ich habe erst mit ihrer Schwester und dann mit ihr getanzt“, so der 25-Jährige. Allerdings könne er sich auch nicht mehr an alles erinnern: „Ich habe viel getrunken.“ Laut einer Zeugenaussage hatte er auch der Schwester ein Bier ausgegeben.

Zu später Stunde, es sei schon recht hell gewesen, habe der Angeklagte dann nach Hause wollen, weil er arbeiten musste, ließ er von der Dolmetscherin übersetzen. Dann seien zwei der Frauen an ihm vorbeigegangen. Sie seien wohl auch auf dem Heimweg gewesen. „Die Schwester ist dann in ihr Haus gegangen und die andere Frau wollte mit dem Fahrrad fahren“, so der Angeklagte. Das Fahrrad sei aber kaputt gewesen, und er habe seine Hilfe angeboten, die Kette wieder in Ordnung zu bringen: „Aber es hat nicht geklappt, sie hat das Rad liegenlassen, und wir sind zu Fuß weitergegangen.“

Gedächtnislücken wegen Alkohols

Dann hätten beide eine geraucht, und er habe sie einmal küssen dürfen. Dann aber habe sie ihn geschubst und er sie auch. „Die Frau ist hingefallen. Da wollte ich sie nur noch einmal küssen. Aber sie hat mir in die Lippe gebissen“, so der Angeklagte. Daraufhin seien beide nach Hause gegangen. Dazu hielt ihm die Richterin vor, dass er bei der Polizei völlig andere Angaben gemacht habe. So sei davon die Rede gewesen, dass beide auf seiner Jacke auf dem Boden gesessen und eine geraucht hätten. Zudem wollte er sie an dieser Stelle einvernehmlich geküsst haben. „Ich weiß es nicht mehr, kann mich nicht erinnern, weil ich besoffen war“, entgegnete der 25-Jährige.

Das Opfer machte allerdings ganz andere Angaben. So habe es auf keinen Fall einen einvernehmlichen Kuss gegeben. Außerdem habe sie ihn mehrfach aufgefordert, ihr nicht mehr zu folgen. Er habe sie dann zu Boden geschubst und sich auf sie gesetzt, was eine enorme Bedrohung gewesen sei. Bei dem Versuch, sie zu küssen, habe sie einfach zugebissen.

Während die Staatsanwältin eine Freiheitsstrafe von 28 Monaten wegen versuchter Vergewaltigung forderte, plädierte der Pflichtverteidiger auf ein Jahr. Zudem sollte unbedingt die Bewährungsauflage gemacht werden, dass er das Land verlässt und zu seinen Eltern nach Bulgarien geht. Ein Kuss sei eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung, eine Nötigung. „Der Mann hat hier keine soziale Eingliederung erfahren und versteht nicht einmal, was er für Post bekommt“, so der Anwalt. Beweis dafür seien die Strafbefehle gewesen, wegen denen er nun in Haft sitze. „

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Beck fordert mehr Geld für Opfer vom Breitscheidplatz

Beck fordert mehr Geld für Opfer vom Breitscheidplatz

Diese drei Eintöpfe sind die Antwort auf den Winter

Diese drei Eintöpfe sind die Antwort auf den Winter

So werden Maronen im Backofen zubereitet

So werden Maronen im Backofen zubereitet

Das sind die Luxusautos der Fußball-Stars

Das sind die Luxusautos der Fußball-Stars

Meistgelesene Artikel

Verein hat Gebäude in Brettorf in ein Meditationszentrum verwandelt

Verein hat Gebäude in Brettorf in ein Meditationszentrum verwandelt

Gleich zwei Schwelbrände in holzverarbeitendem Betrieb

Gleich zwei Schwelbrände in holzverarbeitendem Betrieb

Netzwerk Frühe Hilfen befasst sich mit Eltern am Smartphone

Netzwerk Frühe Hilfen befasst sich mit Eltern am Smartphone

Frischer Wind bei den Dötlinger Gästeführern

Frischer Wind bei den Dötlinger Gästeführern

Kommentare