Wasserkraftwerk blockiert den Weg die Hunte hinauf / Planung dauert an

Fische landen noch jahrelang in einer „Sackgasse“

Einen Niveau-Unterschied von etwa drei Metern müssen die Fische beim Wildeshauser Wasserkraftwerk überwinden, um weiter flussaufwärts zu schwimmen. Dort finden sie ideale Bedingungen für die Fortpflanzung vor.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Das Hunte-Wasserkraftwerk in Wildeshausen stellt schon lange ein Hindernis für viele Fische dar, die dem Flussverlauf folgen und laichen wollen. Schien es vor zwei Jahren noch so, als ob in absehbarer Zeit eine Lösung für das Problem gefunden werden könnte, muss man derzeit davon ausgehen, dass die „Sackgasse“ für Fische noch jahrelang bestehen bleibt.

„Die Maßnahme befindet sich aktuell noch im Planungsstadium“, teilte Carsten Lippe, Sprecher des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) mit. Seit mehreren Jahren werden Varianten geprüft, „um das bestmögliche Ergebnis für die Ökologie, aber auch die Anwohner und Nutzer der Hunte sowie letztlich auch ein wirtschaftliches Ergebnis“ zu erhalten, heißt es weiter.

Eine Option ist, direkt am Kraftwerk einen Betonkanal (Schlitzpass) zu bauen, in dem der Höhenunterschied von etwa drei Metern schrittweise abgebaut wird und die Fische jeweils nur geringere Höhenunterschiede zu überwinden haben. Eine andere Möglichkeit wäre, den Hunte-Umflutgraben als Umgehungsgerinne zu nutzen. Dazu müsste dieser ausgebaut und gesichert werden. Das würde mit mindestens 1,5 Millionen Euro zu Buche schlagen.

„Die Varianten sind noch nicht abschließend bewertet worden. Wichtige Aspekte wie Hochwassersicherheit, Betriebssicherheit nach Umsetzung und ökologische Wirksamkeit müssen dabei besonders berücksichtigt werden“, sagt Lippe. Dazu liefen gegenwärtig noch Untersuchungen und Gespräche mit den Wasser- und Naturschutzbehörden des Landkreises Oldenburg. „Einen Baubeginn können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht seriös abschätzen. Es wird aber noch einige Jahre dauern, bis das Projekt umgesetzt ist“, macht Lippe dem Fischereiverein Wildeshausen und Naturschutzverbänden wenig Hoffnung auf eine baldige Veränderung.

Welchen Weg die zuständigen Behörden letztendlich auch favorisieren, das Ziel ist die ökologische Durchgängigkeit am Kraftwerk. Fische und andere Organismen sollen die Stauanlage flussaufwärts, also zur Quelle hin passieren können. Das ist wichtig, da die Tiere vor allem in kleineren Nebengewässern der Hunte oberhalb von Wildeshausen ideale Bedingungen, etwa für die Fortpflanzung, vorfinden, so Lippe. Wenn sie das Kraftwerk nicht passieren können, nutzen sie weniger geeignete Habitate mit entsprechenden Folgen für das Artenreichtum und die Anzahl der Lebewesen im Gewässer. Die Herstellung der ökologischen Durchgängigkeit ist ein Baustein zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie, die vorgibt, dass die Fließgewässer so zu entwickeln sind, dass sie einen guten ökologischen Zustand erreichen oder behalten.

Die durchschnittliche Jahresleistung des Wasserkraftwerks beträgt derzeit etwa eine Million Kilowattstunden. Schon im Jahr 800 nach Christus soll es an dieser Stelle eine Staueinrichtung gegeben haben. Seit 1250 ist der Mühlenbetrieb in Wildeshausen nachgewiesen. 1954 erfolgte dann der Bau des Kraftwerks.

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