Pago Balke hat vier „Bremer Neubürger“ dabei

Feuerwerk an Lebensfreude

Tanzen und Singen mit Pago Balke (l.) und den „Zollhausboys“ im Wildeshauser Rathaus. - Foto: Meyer

Wildeshausen - 130 Neugierige folgten am Freitagabend der Einladung der VHS-Wildeshausen, um ein Wiedersehen mit Pago Balke zu feiern. Doch in diesem Jahr war in Pagos „heiligen Hallen“, dem Rathaussaal, etwas anders. Denn schon vor dem Auftritt war die Bühne voll. Noch ruhten sie stumm nebeneinander: Marimbafon, Vibrafon und verschiedenste exotische Percussion-Instrumente.

Das hatte einen Grund: Das bewährte Musikerduo Pago Balke und Gerhard Stengert hatte sich Gäste mitgebracht. Vier junge, syrische Flüchtlinge, die sich die „Zollhausboys“ nennen, waren mit von der Partie. Dann ging‘s los. Mit ungestümer Wucht und purer Lebenslust erweckten sie den Saal zum Leben.

Als Balke vor etlichen Monaten im Flüchtlingsübergangsheim „Zollhaus“ in der Überseestadt Bremen ein kleines Konzert gab, lernte er die vier unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kennen. Allesamt stammen sie aus Syrien. Durch Sympathie und Empathie wuchs dabei schnell die Idee, gemeinsam ein abendfüllendes Programm auf die Beine zu stellen.

Themen wie Flucht, Heimat und Fremdheit sollten in satirischer und berührender Weise auf die Bühne gebracht werden. Die Songs und Szenen beruhen teilweise auf autobiografischen Erlebnissen der Geflüchteten.

Sehr beeindruckend war das Stück „Aleppo“, in dem Vergleiche zum zerbombten Bremen von 1945 gezogen wurde. Es spiegelt Gefühle wider, wie sie auch hier vor über 70 Jahren sicherlich vorgekommen sind. Furcht, Sehnsucht, Gerüche – aber auch die erste Liebe – Musik, die unter die Haut ging.

Doch nicht nur musikalisch wusste das Sextett zu überzeugen. Auch akrobatisch rhythmische Tanzeinlagen und ein hohes Maß an schauspielerischem Geschick begeisterten. Ein weiterer spaßiger Hochgenuss stellten die Texte dar, die anfangs im Arabischen begannen und dann ins Hochdeutsche mündeten. Diese perfekte Mixtur belohnte das Publikum mit Zwischenapplaus.

Azad Kour(Tanz, Gesang), Ismaeel Foustok (E-Gitarre, Gesang), Delyar Hamza (Percussion, Gesang) und Shvan Sheikho (Gesang, Schlagzeug, Gitarre) hatten wahre Freude an ihrem Spiel. Zwischendrin hatte Balke immer wieder ein paar Soloauftritte, die in amüsanter Weise den Grundtenor der Veranstaltung wiederkehren ließen.

So stand ein lustiges Zitate-Werfen auf dem Programm. Pago warf eine Apfelsine ins Publikum und forderte den Fänger auf, Sinnsprüche auf der Rückseite der Eintrittskarten vorzulesen. 50 verschiedene gab es davon. Sie reichten von alten Bibelsprüchen bis hin zu neuzeitlichen Weisheiten eines polnischen Satirikers dieses Jahrhunderts. Dann wurde die Frucht weiter geworfen. Der Nächste war dran mit dem „Lautvorlesen“.

Musik und Theater können Brücken zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern und Kulturen schlagen und dazu beitragen, dass aus der „Willkommenskultur“ keine „Wokommenwirdenndahin-Kultur“ wird. Das zeigte sich im Rathaus. Es war ein sehr berührender Auftritt aller Beteiligten. - mmm

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