Jazzfreunde sind optimistisch / Kulturkreis sieht existenzielle Bedrohung für Künstler

Feilen am Programm für die Zeit nach Corona

Da war die Welt noch in Ordnung: Konzert des „Weimarer Bläserquintetts“ im Januar in der Kreismusikschule. 
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Da war die Welt noch in Ordnung: Konzert des „Weimarer Bläserquintetts“ im Januar in der Kreismusikschule. archiv

Wildeshausen – Ob ein Bläserquintett mit Mozarts „Zauberflöte“, ein Heavy-Metal-Festival oder eine ruhige Lesung: Nichts davon kann zurzeit stattfinden, und die Unsicherheit in der Kulturbranche ist groß. Wir haben mit zwei führenden Veranstaltern in der Stadt Wildeshausen darüber gesprochen, wie ihre Planungen für die kommenden Monate aussehen.

Jörg Skrzippek von den Jazzfreunden Wildeshausen teilt wenig überraschend mit, dass er das für den 16. Januar geplante Konzert mit Jazz aus den 1920/1930er-Jahren jetzt absagen muss. Diese Woche wurde bekanntlich von Bund und Ländern eine Verlängerung des Lockdowns beschlossen. Skrzippek geht davon aus, dass vor dem Sommer wieder Konzerte mit Abstand möglich sind. „Wir sind optimistisch, dass es im Februar oder spätestens im März wieder losgehen kann“, sagt er. Der Jahresplan der Jazzfreunde mit ein bis zwei Veranstaltungen bis in den Dezember hinein steht soweit. „Derzeit füllen wir die letzten Monate in 2022“, blickt der Wildeshauser schon einige Zeit voraus.

Da ist er nicht der einzige, auch beim Kulturkreis Wildeshausen laufen Planungen. „Wir versuchen, so zu tun, als seien im Sommer 2021 Corona-Rahmenbedingungen entstanden, die ,normale‘ Veranstaltungen wieder möglich machen“, sagt Sprecher Horst Strömer. Spontane Reaktionen wie Verzicht auf Abendkasse, Hygienepläne, Achtung der AHA-Regeln, Besucherlisten und anderes seien dann immer noch möglich. „Und wir befürchten heute, sie nicht vermeiden zu können“, hält sich sein Optimismus in Grenzen.

Momentan werde das neue Programm unter Wahrung der Distanzvorschriften telefonisch und/oder mit Hilfe virtueller Methoden vorbereiten. Feste Termine mit den Künstlern zu vereinbaren, sei angesichts der aktuellen Situation sehr schwierig, berichtet Strömer.

Sehr schwierig sei es auch, die finanziellen Verhältnisse zu regeln. „Zuwendungen aus Spenden- oder Sponsoringmaßnahmen sind überwiegend nur realisierbar, wenn die entsprechende Veranstaltung auch stattfindet“, gibt Strömer zu bedenken. Auf der anderen Seite stünden die Interpretenhonorare. Diese fielen bei zwei Veranstaltungen an einem Abend meist höher aus, während die üblichen Zuschauerzahlen und damit Einnahmen wegen der Platzbegrenzungen in der Regel trotzdem nicht erreicht würden.

Doch Strömer hat auch die Interessen der Klavierspieler, Sänger und Co. im Blick. „Die größte Sorge bereitet den Kulturbeflissenen gar nicht die Finanzlage der Veranstalter – die existenzielle Bedrohung vieler Künstler selbst wird in Pandemiezeiten zu einem viel gravierenderen Problem“, ist sich der Wildeshauser sicher. Nicht zuletzt aus diesem Grunde hoffe er gemeinsam mit seinen Kollegen auf baldige Besserung der Inzidenzzahlen und werde alles tun, um dem Publikum so rasch wie möglich wieder Kulturgenuss ohne Einschränkungen und Gesundheitsgefährdung präsentieren zu können.

Das war zuletzt teilweise nicht der Fall – schlicht, weil Veranstaltungen abgesagt werden mussten. Das sei mit viel organisatorischer Arbeit verbunden und motiviere wenig, weil es keinerlei Erfolgserlebnisse beschert, sagt Strömer, der von schwierigen Gesprächen berichtet, weil vier Parteien an einer Kulturveranstaltung beteiligt seien – nämlich Künstler, Veranstalter, Spielstättenvertreter und Publikum.

„Hoffentlich gelingt es zumindest, nach dem Prinzip ,Aufgeschoben ist nicht aufgehoben‘ vorzugehen“, so der Sprecher des Kulturkreises. Sollte es zu weiteren Verlegungen kommen müssen, so ergäben sich daraus Einflüsse auf das neue Programm 2021/2022.

Von Ove Bornholt

Jazzkonzerte wie hier im Biergarten des „Alten Amtshauses“ sind oft gut besucht. archiv

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