AUS DEM GERICHT 27-jähriger Wildeshauser muss mit Schmerzensgeldforderung rechnen

Faustschlag im Gildefestzelt kommt teuer zu stehen

Schmerzhaft: Mit einem Faustschlag endete eine Auseinandersetzung im Gildefestzelt. Foto: dpa

Wildeshausen – Weil er am Pfingstsonntag des vergangenen Jahres mit einem Faustschlag einen 46-jährigen Wildeshauser im Gildfestzelt niedergestreckt hatte, muss ein 27-jähriger Mann aus der Kreisstadt nun 450 Euro an den Geschädigten zahlen. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Wildeshausen wurde am Montag allerdings aus Mangel an Beweisen vorläufig eingestellt. Der Verteidiger betonte deshalb, dass mit der Zahlung kein Schuldeingeständnis zu verbinden sei.

Der Anwalt des Opfers kündigte jedoch gleichzeitig an, dass noch Schmerzensgeld eingeklagt werden könnte. Mit den 450 Euro sei der Schaden für seinen Mandanten mitnichten beglichen.

Was konkret in der Nacht zu Pfingsten im Festzelt geschehen war, ließ sich nicht endgültig klären, zumal ein wichtiger Zeuge mittlerweile in Berlin lebt und vermutlich beide Ladungen zum Gerichtstermin gar nicht bekommen hatte.

Der Angeklagte und sein Anwalt hatten die Tat schon beim ersten Termin im April als Notwehr verstanden. Der 27-Jährige erzählte, dass er mit seinem Cousin in der Nähe der Bar gestanden hatte, als ein Mann ihn in ein Gespräch verwickeln wollte. Da er darauf keine Lust gehabt habe, sei eine „relativ hitzige Situation“ – auch bedingt durch höheren Alkoholkonsum – entstanden. Man habe sich beleidigt, dann habe ihn der 46-Jährige geschubst und dafür den Faustschlag kassiert.

Die Richterin konnte nach dieser Schilderung keine unmittelbare Bedrohung des 27-Jährigen erkennen. Man könne zwar eine Notwehrsituation nicht ausschließen, aber es habe durchaus auch die Chance bestanden, einfach aus dem Zelt zu gehen, erklärte sie in ihrem Angebot, das Verfahren gegen eine Zahlung in Höhe des Strafbefehls einzustellen.

Der Verteidiger sprach hingegen von einem unverkennbaren Bedrohungspotenzial, zumal das Opfer „ich mach dich gleich fertig“ gesagt und bedrohlich ein Bierglas in der Hand gehabt haben sollte.

Der 46-Jährige hatte sich im Gericht an Derartiges nicht erinnern können. Er sei an der Theke gewesen, um zwei Bier zu holen, berichtete er. Als er sich nach links gewendet habe, habe er vollkommen unvermittelt einen heftigen Schlag auf das linke Auge erhalten und sei zu Boden gegangen.

Die Konsequenzen waren drastisch: Drei Tage lag das Opfer im Krankenhaus, mehrere Wochen konnte es nur eingeschränkt sehen. Das war auch der Grund, warum sein Anwalt eine zivile Schmerzensgeldklage ankündigte.

Im Amtsgericht war die Aussicht, ein klares Urteil zu sprechen, jedoch gering, denn offenbar hatte niemand das Geschehen genau gesehen.

Als auch die Staatsanwältin eine Einstellung akzeptierte, einigten sich Verteidiger und Angeklagter in einer Sitzungsunterbrechung, die 450 Euro an den Geschädigten zahlen zu wollen. Damit konnte der Wildeshauser das Risiko vermeiden, als Vorbestrafter aus dem Gericht zu gehen. Angeklagter und Opfer werden sich aber möglicherweise bald wiedersehen, denn laut Nebenkläger handelt es sich bei der Summe nur um einen „Bruchteil des zivilrechtlichen Schadensersatzes“.  dr

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