72-Jähriger fuhr Auto ohne Führerschein

Falschaussage sollte Ex-Lehrer entlasten

Symbolbild: dpa

Wildeshausen - Kurz bevor das Lügenkonstrukt zusammenbrach, bekam die 82-jährige Ehefrau eines wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis angekagten 72-jährigen Wildeshausers gestern vor dem Amtsgericht Wildeshausen noch die Kurve und vermied ein Verfahren wegen uneidlicher Falschaussage.

Unter Tränen gestand sie, dass ihr Mann am 17. November vergangenen Jahres um 8.48 Uhr mit ihrem Wagen zum Fleischer gefahren sei, obwohl sie vorher das Gegenteil behauptet hatte. Ihr Mann wollte die Tat zwar auch danach nicht richtig zugeben. Er behauptete, sich nur schuldig zu sprechen, um seine Frau von dem Druck der Richterin zu entlasten. Darauf wurde er zu einer Freiheitsstrafe von drei Monaten, drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, verurteilt. Er hat 1500 Euro an die Verkehrswacht zu zahlen und muss dort an einem Seminar für Senioren teilnehmen.

Der pensionierte Lehrer war in den vergangenen Jahren mehrmals wegen Medikamentenmissbrauchs am Steuer sowie Geschwindigkeitsüberschreitungen aufgefallen. Noch vor einem Monat war er am Amtsgericht Oldenburg wegen Urkundenfälschung in vier Fällen verurteilt worden. Sein Führerschein war ihm ab dem 14. Oktober bis zum 23. April dieses Jahres gesperrt worden. Dennoch fuhr er am Geburtstag seiner Frau am 17. November zu einer Fleischerei in Wildeshausen. Dort wurde er von einem Polizisten außer Dienst gesehen, der von der Führerscheinsperre wusste. Aus Interesse fuhr der Polizist zur Wohnanschrift des 72-Jährigen, sah dort den Skoda nicht und fuhr zurück in die Stadt. Auf der Deekenstraße kam ihm der Angeklagte entgegen. Der Polizist meldete den Vorfall der Wache. Die Beamten trafen den Ex-Lehrer zu Hause an. Er bestritt alles.

„Ich bin nicht gefahren“, beteuerte der Mann auch vor Gericht. Seine Frau berichtete dann wortreich, dass sie mit dem Skoda zum Fleischer gefahren sei und dann noch mit dem Fahrrad zum Bäcker war. „Ich war alleine unterwegs“, sagte sie aus, obwohl ihr ein Zeugnisverweigerungsrecht zustand.

Die Richterin nahm sie jedoch intensiv ins Verhör und machte deutlich: „Ich glaube Ihnen nicht.“ Angesichts der Androhnung eines Verfahrens wegen Falschaussage, bat die Ehefrau um Bedenkzeit und als klar war, dass sie diese nicht bekommen würde, gab sie zu: „Er ist nur dieses eine Mal gefahren, um mir an meinem Geburtstag eine Freude zu machen.“

Die Staatsanwältin beantragte nicht nur eine Freiheitsstrafe auf Bewährung sondern auch eine Sperrfrist für den Führerschein von eineinhalb Jahren.

„Das ist unwahrscheinlich hart“, so der Angeklagte. Er sei wegen einer 70-prozentigen Behinderung auf ein Fahrzeug angewiesen. Das akzeptierte die Richterin, verwies aber auf die noch bestehende Sperre sowie das Verkehrsseminar und machte deutlich, dass im Falle einer weiteren Straftat drei Monate Gefängnis auf ihn warten würden. „Das können Sie in Ihrem Alter nicht wollen“, betonte sie. Die Drohung müsse im Raum stehen, um weitere Konflikte mit dem Gesetz zu vermeiden. - dr

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