Leserin fühlt sich gegängelt

Falsch geparkt in Wildeshausen: Privatanzeigen an der Straße „Am kleinen Esch“

An der Straße „Am kleinen Esch“ weisen seit Kurzem Schilder auf das absolute Parkverbot hin.
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An der Straße „Am kleinen Esch“ weisen seit Kurzem Schilder auf das absolute Parkverbot hin.

Eine Falschparkerin regt sich auf, weil sie von einem Privatmann angezeigt wurde. Die Straße „Am kleinen Esch“ in Wildeshausen ist offenbar ein Brennpunkt.

Autos, die trotz Halteverbots auf der Straße stehen, entgegen der Fahrtrichtung geparkt wurden oder Einfahrten blockieren, regen viele Menschen auf. Einige greifen dann zum Mittel der Privatanzeige. Doch wo hören der berechtigte Ärger sowie die Zivilcourage auf und fängt die Blockwart-Mentalität an? Diese Frage wirft der Fall einer Leserin auf, die anonym bleiben möchte und sich gegängelt fühlt.

Vor ein paar Wochen hatte sich die Wildeshauserin eine Pizza bestellt und war zur Straße „Am kleinen Esch“ gefahren, um das Essen bei einer Gaststätte abzuholen. „Mein Auto stand nur drei Minuten draußen. Ich musste ja nur die Pizza mitnehmen“, beteuert sie. Umso erstaunter sei sie gewesen, als eine Woche später ein Schreiben des Landkreises Oldenburg im Briefkasten lag. 30 Euro sollte sie bezahlen, weil sie im absoluten Parkverbot geparkt, eine Einfahrt blockiert und ihren Kleinwagen mit zwei Reifen auf dem Gehweg abgestellt hatte.

Anzeigeerstatter wartete offenbar auf Parksünder

So weit ist das nicht ungewöhnlich. Schließlich liegt hier ein Regelverstoß vor. Was die Wildeshauserin allerdings stutzig machte, war der Anzeigeerstatter. Anders als sonst üblich war das nicht irgendein Polizist oder eine städtische Politesse, sondern eine Privatperson, deren Name im Formular nicht genannt wurde. Dabei handele es sich um einen Nachbarn, habe sie im Gespräch mit dem Landkreis erfahren. „Der ist aus seinem Haus gekommen und hat mein Auto fotografiert“, sagt sie. Dafür, dass der Anzeigeerstatter tatsächlich extra aus seinem Haus auf die Straße ging, spricht der Winkel, aus dem eines der Bilder gemacht wurde. Es ist das, auf dem das Nummernschild der Wildeshauserin zu sehen ist.

Der zweite Schwerpunkt für Privatanzeigen in Wildeshausen: Die für Lastwagen gesperrte Kaiserstraße.

Die Frau vermutet, dass der Nachbar gezielt am Fenster wartete, um Verkehrssünder zu fotografieren und anzuzeigen. „Man muss doch leben und leben lassen. Der Wagen stand kurz da, aber ich habe doch niemandem etwas getan“, ärgert sie sich. Der Anzeigeerstatter sei ein „Stinkstiefel, der nichts anderes zu tun hat, als Falschparker zu fotografieren. So einer, der genau 50 Kilometer pro Stunde fährt, um die anderen Autofahrer zu erziehen.“ Das Verwarngeld hat die Wildeshauserin mittlerweile überwiesen.

Wenn jemand eine Privatanzeige erstattet, landet diese bei der Straßenverkehrsbehörde des Landkreises. Leiter Siegfried Bluhm lässt längst nicht jede Beschwerde verfolgen. „Wir haben einen Ermessensspielraum“, sagt er auf Anfrage unserer Zeitung. Gravierenden Verstößen würde aber nachgegangen. Brennpunkte seien in Wildeshausen in erster Linie die Kaiserstraße, die für Lastwagen gesperrt ist, und die Straße „Am kleine Esch“. Ansonsten gebe es nur gelegentlich Probleme wenn Autos im Wendehammer stehen zum Beispiel.

„Übermäßig viele Verstöße“ an der Straße „Am kleinen Esch“

An der Kaiserstraße hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die schon seit Jahren Lastwagenfahrer anzeigt. „Am kleinen Esch“ stehen seit dem 3. Mai Schilder, die auf das absolute Parkverbot auf der Einbahnstraße hinweisen. Diese seien „aufgrund übermäßig vieler Verstöße“ aufgestellt worden, informiert die Stadt Wildeshausen auf Nachfrage. Bluhm stellt klar, dass auch vorher ein Halteverbot galt, weil die Straße sonst für Rettungsfahrzeuge zu schmal sei. Das gebe die Straßenverkehrsordnung so her.

Das Wichtigste aus dem Landkreis Oldenburg: Immer samstags um 7:30 Uhr in Ihr Mail-Postfach – jetzt kostenlos anmelden.

Anders als Städte wie zum Beispiel Braunschweig und Köln betreibt der Landkreis kein eigenes Internetportal, in dem Parkverstöße unkompliziert hochgeladen werden können. Es gibt jedoch eine Smartphone-App auf dem freien Markt, mit der das möglich sein soll. Hinweise über dieses Programm sind beim Kreis jedoch bis jetzt nicht eingegangen.

Privatanzeigen dürfen nicht anonym erfolgen

„Nachbarn sollen sich erst einmal unter sich einigen, um den Frieden zu wahren. Eine Anzeige ist dann das letzte Mittel“, findet Bluhm. Größere Städte würden die Internetportale womöglich betreiben, damit Anwohner falsch parkende Touristen schnell anzeigen könnten, ohne dass es dafür lange Telefonate oder einen Einsatz der Polizei brauche.

Die Privatanzeige sei an bestimmte Voraussetzungen geknüpft, informiert der Leiter des Straßenverkehrsamts. So könne sie nicht anonym erfolgen. Und der Beschuldigte könne auch per Akteneinsicht den Namen des Anzeigenden in Erfahrung bringen. Außerdem sollte möglichst ein Foto vom Parkverstoß mit Uhrzeit und Datum geliefert werden. Des Weiteren müsse sich der Anzeigende als Zeuge zur Verfügung stellen.

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