Fachtag „Arbeit mit syrischen Flüchtlingen im Landkreis Oldenburg“

Wie kann traumatisierten Kindern geholfen werden?

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Rund 100 Teilnehmer kamen gestern im Kreishaus in Wildeshausen zusammen, um gemeinsam Strategien für den effektiven Umgang mit Flüchtlingen zu entwickeln.

Landkreis - Von Sophie Filipiak. Mit einem solchen Zuspruch hatten gestern die Organisatoren des Fachtages „Arbeit mit syrischen Flüchtlingen im Landkreis Oldenburg“ nicht gerechnet. „Wir hatten gehofft, dass rund 50 Teilnehmer kommen“, sagte Mitinitiatorin Thekla Wübbeler. Angemeldet hatten sich aber 100 Interessierte.

Die Integrationsbeauftragte Wübbeler und ihr Team hatten bei der Anmeldung alle Hände voll zu tun. Unterschiedlichste Institution aus dem gesamten Landkreis hatten ihre Vertreter ins Kreishaus geschickte. Darunter die Wallschule Wildeshausen, die Grundschule Hude, die Gemeinde Ganderkesee, das Gesundheitsamt des Landkreises oder das Jugendzentrum Wildeshausen. Auch einige Ehrenamtliche wie aus der Samtgemeinde Harpstedt fanden sich unter den Teilnehmern.

Ideengeber für diese Veranstaltung war unter anderem Beate Pollak vom Kreisjugendamt. Sie ist Mitglied des Arbeitskreises „Schule trifft Beratung“ und erkannte schnell, dass die Bildungseinrichtungen einen großen Informationsbedarf haben, wie sie am besten die – teilweise traumatisierten – Flüchtlingkinder integrieren können.

Die Grußworte sprach Landrat Carsten Harings. Er wünschte allen Anwesenden einen informativen Tag und machte noch einmal deutlich, wie stark die Zuwanderung von Flüchtlingen den Alltag im Landkreis bestimmt. Die Unterbringung der Asylsuchenden sei nur der erste Schritt, danach müsse die Integration begonnen werden. An diesem Punkt dankte Harings den Teilnehmern für ihr bisher geleistetes Engagement.

Einen Überblick über die Geschichte und die derzeitige Lage in Syrien bot Patricia Jessen vom Institut für interdisziplinäre Beratung und interkulturelle Seminare. Sie kennt das Land aus eigener Erfahrung von einem Studienaufenthalt in Damaskus.

Jessen erklärte, wie sehr Syrien durch den Panarabismus, eine Form des arabischen Nationalismus, geprägt ist. „Das geht aber auf Kosten der ethnischen Minderheiten, wie den Kurden“, so die 38-Jährige. Vorherrschend sei auch eine starke Volksreligiösität verbunden mit einem tiefsitzenden Aberglauben.

Im Hinblick auf den herrschenden Bürgerkrieg präsentierte Jessen einige Zahlen, die bei vielen der Zuhörer erst einmal für Entsetzen sorgten. Rund elf Millionen Menschen seien auf der Flucht, davon die Hälfte im Alter unter 18 Jahren. „Das Land tötet sich gerade selbst“, meinte die Expertin.

Jessen selbst leitete im Laufe des Tages zwei Workshops zu dem Thema „Strukturen und Erziehungsstile in traditionellen Familien“. Die meisten der Teilnehmer informierten sich aber über den Umgang mit traumatisierten Kindern. „Dafür hatten wir allein 60 Anmeldungen“, erklärte Wübbeler. Aus diesem Grund wurde statt der zwei angekündigten Seminare noch ein zusätzliches ins Programm gehoben. Die Workshops befassten sich nicht nur speziell mit syrischen Flüchtlingen, sondern allgemein mit der Versorgung und Integration aller Asylsuchender im Landkreis.

Dabei stand der Austausch zwischen den Akteuren im Mittelpunkt. „So können wir erfahren, was es bereits für Angebote in den Gemeinden gibt und was eventuell noch fehlt“, sagte Wübbeler. Mit einem Netzwerk der verschieden Einrichtungen und der Ehrenamtlichen könne so vielleicht Struktur in die Flüchtlingshilfe gebracht werden.

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