Experte Matthias Günther (Pestel-Institut) kritisiert Datenbasis der Gutachter

„Wohnraum-Konzept ist grober Unfug“

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Matthias Günther referierte in Wildeshausen.

Wildeshausen - Mit dem neuen Wohnraumversorgungskonzept habe die Stadt Wildeshausen als erste Kommune im Landkreis Oldenburg eine Grundlage geschaffen, um in den Genuss von Fördermitteln für den öffentlich geförderten Wohnraum zu kommen. Die Kreisstadt Wildeshausen übernehme damit eine Vorreiterrolle im Landkreis Oldenburg, lobt die Stadtverwaltung das Papier auf der eigenen Homepage. Doch es gibt Kritik an dem umfangreichen Zahlenwerk, das vom Rat verabschiedet wurde – und einige Ungereimtheiten.

Am Montag veranstaltete die Oldenburger Baugesellschaft GSG ein Wohnforum in Wildeshausen. Dort referierte auch der Leiter des Pestel-Institutes, Matthias Günther, zum Bedarf an Wohnraum in der Kreisstadt. Er hat sich das von der Stadt bei „protze und theiling“ in Bremen in Auftrag gegebene 38-seitige Werk im Anschluss anhand der leicht prüfbaren Fakten angesehen und ist „ein wenig entsetzt“ – schon allein deshalb, weil eine Vorhersage der Einwohnerentwicklung seriös kaum über viele Jahre möglich sei. Bereits im Rahmen des Wohnforums hatte Günther den Politikern geraten, lediglich „auf Sicht“ zu fahren.

Das vorgelegte und vom Stadtrat abgesegnete Zahlenwerk gibt dem Experten zu Denken. Er bezeichnet es als „groben Unfug“.

„Wie schafft man es in der Stadt Wildeshausen, 8992 private Haushalte in nur 8292 Wohnungen unterzubringen?“, fragt er und moniert, dass Zahl und Struktur der privaten Haushalte im Konzept so nicht stimmen könnten.

Die Verteilung der Haushalte nach Personengrößen unterscheide sich nach den Erhebungen des Zensus deutlich von dem Bericht der N-Bank für 2013.

Während der Zensus auf 18860 Wildeshauser kommt, errechnet sich nach N-Bank-Zahlen die Einwohnerzahl auf 24391 Personen, wenn man die Haushaltsbelegungen auswertet. „Sowohl die im Wohnraumversorgungskonzept als Basis für die weiteren Berechnungen verwendete Gesamtzahl der Haushalte als auch deren Struktur sind wenig plausibel“, fasst Günther zusammen. „Während aber die verschiedenen Bevölkerungsprognosen noch diskutiert wurden, werden die Haushaltszahlen mehr oder weniger unkommentiert übernommen.“

Das ganze Konzept habe offensichtlich keine abgesicherte Basis, und den Empfehlungen hafte eine „gewisse Beliebigkeit an“, erklärt der Experte. Grundsätzlich wirke das Papier wie eine Aneinanderreihung „unterschiedlichster Quellen teils zweifelhafter Qualität“. Mit zwei Workshops im Expertenkreis in Wildeshausen ließen sich vermutlich bessere Ergebnisse zur Einschätzung der aktuellen Situation gewinnen.

„Da die Zukunft ungewiss ist, sollte es bei der Entwicklung einer Stadt immer noch um Ziele gehen“, schreibt Günther. Wie stellt sich der Rat die Stadt Wildeshausen im Jahr 2035 vor? Sollen weiterhin klassische Familien als Zuwanderer umworben werden? Wie viele Flächen sollen noch bebaut werden?“, fragt er. Auf dieser Grundlage sollte die Kommunalpolitik auf breiter Basis Entwicklungsstrategien entwerfen und diskutieren.

dr

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