Gedenken an Holocaust

„So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen“

Bürgermeister Jens Kuraschinski und Charlotte von Olearius präsentieren die neuen Flyer. - Foto: Dejo

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Schon seit einigen Jahren macht sich der Arbeitskreis „Für Demokratie und Toleranz“ im Präventionsrat der Kreisstadt dafür stark, im November etwas auf die Beine zu stellen, um der jüdischen Mitbürger zu gedenken. Am Mittwoch haben Bürgermeister Jens Kuraschinski und Charlotte von Olearius vom Arbeitskreis den Flyer zu den Veranstaltungen vorgestellt, die unter dem Motto „Gelebte Erinnerungen in Wildeshausen“ stehen.

„Der November steht bekanntlich ohnehin im Zeichen des Gedenkens. Daher bin ich froh, dass der Arbeitskreis auch etwas anbietet, womit der ehemaligen jüdischen Mitbürger gedacht werden kann“, so Kuraschinski. Es sei wichtig, immer wieder darauf aufmerksam zu machen, was sich in der Geschichte unseres Landes Schlimmes ereignet habe: „So etwas darf sich auf keinen Fall wiederholen.“

Jeweils mittwochs steht im kommenden Monat eine Veranstaltung auf dem Programm. Beginn ist am 2. November mit dem Film „Der Staat gegen Fritz Bauer“ im LiLi-Servicekino. Bauer lebte von 1906 bis 1968. Er hat maßgeblich dazu beigetragen, dass die Auschwitz-Prozesse von 1963 bis 1965 in Frankfurt geführt werden konnten. Zudem konnte 1960 durch sein Eingreifen mit Adolf Eichmann einer der Hauptorganisatoren des Holocaust ergriffen und zur Verantwortung gezogen werden.

Zum Erinnerungsgang sind alle Wildeshauser für den 9. November eingeladen. Damit soll den Opfern der Reichspogromnacht gedacht werden, die vor 78 Jahren in ganz Deutschland für sehr viel Unheil gesorgt hat. Start ist am Bahnhof. „Der Grund für diesen Punkt ist, dass viele Wildeshauser Juden seinerzeit von dort deportiert wurden“, so der Bürgermeister. Vorbereitet wird der Gang in diesem Jahr von Schülern des Gymnasiums, die an jedem Haus, in dem jüdische Mitbürger gelebt haben, Halt machen und etwas dazu erzählen. „Vor den Häusern liegen bekanntlich auch Stolpersteine. Die Patenschaft dafür wird reihum von den verschieden Schulen übernommen. Die Steine werden von den Jugendlichen auch gereinigt“, so von Olearius.

Ein Vortrag zum Thema „Alter Hass in neuen Kleidern“ von Diplom-Sozialwissenschaftlerin Kristin Harney steht am 16. November ab 19.30 Uhr im Rathaussaal auf dem Programm. „In Kampagnen und Ideen der modernen Rechtsextremisten wird die Tradition des historischen Nationalismus wieder belebt. Wie der alte Hass neu aufgelegt wird, und welche Strategien gewählt wurden, um die Kontinuität zu verschleiern, sind Inhalte dieses Vortrages“, heißt es im Flyer. Das moderne Erscheinungsbild solle enttarnt werden.

Die letzte Veranstaltung ist die szenische Lesung „Lerne mit dem Herzen zu denken – zwei kurze Leben im Widerstand“ mit Frauke Geyken und Johanna Kunze im Saal der Musikschule des Landkreises an der Burgstraße am 23. November ab 20 Uhr.

Dabei stellen die Akteure die Biografien der jungen Cato van Beek und Sophie Scholl vor, die im selben Alter waren und kurz nacheinander hingerichtet wurden. „Diese Lesung zeigt, wie der Widerstand im Alltag Platz fand. Und sie beleuchtet, wie seinerzeit nicht einfach vom erlittenen Unrecht gesprochen, sondern ideologisch zwischen Gutem und Fragwürdigem unterschieden wurde“, heißt es in der Ankündigung.

Die Flyer mit dem Programm sind im Stadthaus sowie im Verkehrsbüro zu haben. „Wir hoffen, dass wir damit viele Bürger erreichen, die an den Veranstaltungen teilnehmen möchten. Es ist wichtig, diese Themen immer wieder zu beleuchten“, betonte der Bürgermeister.

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