„Es wäre fatal, das auszureißen“

„Die Hortensien haben wir nie gegossen“, sagt Heiko Wittrock. Nun sei es notwendig geworden. 
Fotos: BAckhaus
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„Die Hortensien haben wir nie gegossen“, sagt Heiko Wittrock. Nun sei es notwendig geworden. Fotos: BAckhaus

Friedhöfe haben eine große Bedeutung für den Umgang mit dem Tod. Aber sie sind auch wichtig für das Leben – vor allem für das von Pflanzen und Tieren. Mitten in Wildeshausen liegt der 54 000 Quadratmeter große städtische Friedhof, auf dem es immer schwieriger wird, frisches Grün zu erhalten.

Wildeshausen – Fragt man Friedhofsleiter Heiko Witt-rock, wie er sich auf einen eventuellen dritten heißen und trockenen Sommer in Folge vorbereitet, spricht er vor allem von Wasser. Denn viel Wasser ist nötig, um den Rasen, die Bäume, Hecken und sonstigen Pflanzen auf dem rund 54 000 Quadratmeter großen Gelände an der Visbeker Straße in Wildeshausen am Leben zu halten. Mehr gießen, das klingt erst einmal banal. Aber was soll er sonst tun, an einem Ort, zu dem die Menschen kommen, um ihrer Verstorbenen zu gedenken, und die mit etwas lebendigem Grün die Erinnerung wach halten wollen? Und noch eine andere Sache spielt für Wittrock eine Rolle. „Kiesgräber? Da kommen wir ökologisch gar nicht mit klar. Wir können nicht über das Weltklima sprechen, wenn wir nur Kies machen.“

Also geht es darum – muss es darum gehen –, wie das Friedhofsgelände möglichst grün bleibt. Eine erste Maßnahme, die bereits Wirkung zeigt, war ein Umbau vor rund einem Jahr. Damals war der Hauptweg neu gepflastert worden, und zwar mit Steinen, deren Ecken abgeschlagen sind. Das ermöglicht, dass Regenwasser ungehindert in den Boden sickern kann. Zu beiden Seiten waren zum selben Zweck etwa 15 Zentimeter Rasen angelegt worden. Das habe auf jeden Fall geholfen, sagt Witt-rock. Und dort, wo es besonders problematisch sei, hätten er und seine Mitarbeiter Mulden in den Rasen gemacht, die ebenfalls das Versickern fördern sollen.

Doch der natürliche Niederschlag reicht bei Weitem nicht aus. Frisch Angepflanztes und Sommerblumen müssten zusätzlich beregnet werden, erläutert der Friedhofsleiter. Trotzdem überlebe nicht alles, was er neu- oder umgesetzt habe, weil die Wurzeln nicht tief genug in die Erde reichten, um dort ausreichend Feuchtigkeit zu bekommen. Dass das Gelände mit Sandboden bedeckt ist, sei eine zusätzliche Erschwernis. Auch die Privatleute, die sich um die Gräber kümmerten, bemerkten den Wandel und beklagten sich über die Trockenheit. Inzwischen sei er dazu übergegangen, möglichst wenige Pflanzen zu versetzen oder gar ganz wegzunehmen. Was auf alten Gräbern wächst, werde nun in der Regel stehen gelassen, sagt er: „Es wäre ja fatal, das auszureißen.“

Ähnliches gilt für den kleinen Birkentrieb, der aus einem Baumstumpf wächst. Der Baum sei zu groß geworden und musste gefällt werden, erklärt der Friedhofsleiter. Nur wenige Schritte weiter steht sein Nachfolger, eine inzwischen etwa zehnjährige Birke. „Die haben wir nicht gepflanzt“, sagt Witt-rock. Doch in der Regel sei das, was sich selbst aussäe und dann anwachse, robuster und entwickele schneller tief reichende Wurzeln als Fremdgrün. Deshalb soll auch der neue Trieb stehenbleiben – auch, wenn damit die Gestaltungsfreiheit der Gärtner ein Stück weit eingeschränkt wird.

Was dem Friedhofsleiter zufolge ebenfalls hilft, ist ein beherzter Schnitt. Die Linden am Wegesrand etwa seien bewusst kurz gehalten. Auch die Rhododendren, die laut Wittrock in diesem Jahr früher und kürzer blühen als sonst, schöpften wieder Kraft, wenn sie ordentlich zurückgestutzt würden. Doch bei einigen Pflanzen stellt er mit Sorge fest, dass die Trockenheit bereits jetzt großen Stress verursacht: die jahrzehntealte Hecke, die zahlreiche braune Stellen aufweist, die Grashalme, die Samen ausbilden, um zu überleben. Ein Auge hat er auch auf die großen Bäume, die unter anderem den Parkplatz beschatten. Wenn sie zu wenig Wasser bekommen, fangen sie an, Totholz abzuwerfen. „Wenn das so bleibt, geht das im Juli los“, sagt er.

Von Katia Backhaus

Wildwuchs: Diese kleine Birke ist für Wittrock ein Zeichen der Hoffnung.

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