Jeden Mittwoch wird im Krandel trainiert / Rosemarie Sutter holt Gold bei ihrer Premiere

Erstes Sportabzeichen mit 78 Jahren

Kugelstoßen: Fritz Ostertag zeigt seiner Freundin Rosemarie Sutter, wie man das Wurfobjekt richtig hält. Er hat das Sportabzeichen schon mehr als 40 Mal erworben.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Alter schützt vor Leistung nicht: Die 78-jährige Rosemarie Sutter hat zum ersten Mal in ihrem Leben beim deutschen Sportabzeichen mitgemacht und gleich Gold geholt. Die Wildeshauserin ist dazu in den Krandel gekommen, wo immer mittwochs von 18 bis 20 Uhr trainiert wird. Unter der Anleitung von Prüfern, zu denen unter anderem Bernd Mathiebe, Walter Steven und Inge Swyter gehören, üben Jung und Alt gemeinsam die Disziplinen. Das ganze Angebot ist kostenfrei und komplett zwanglos.

Sutters Gesicht wirkt gerade allerdings alles andere als entspannt. Konzentriert lässt sie ihre Schulter rotieren und schwingt so einen Schleuderball durch die Luft. Als sie diesen los lässt, fliegt die rund einen Kilogramm schwere Kugel durch die Luft und landet in zwölf Metern Entfernung. „Etwas steiler“, rät Mathiebe, der das Ganze aufmerksam beobachtet. Ein Winkel von 45 Grad sei ideal. Zweiter Anlauf: Wieder schwingt Sutter den Ball, diesmal landet er bei 14,45 Meter. Laut den Statuten des Sportabzeichens bedeutet das Bronze, Silber gibt es ab 15,50 Meter. „Das reicht doch. Sie haben die Weite“, meint Mathiebe zu Sutters Ergebnis. Doch die ehrgeizige 78-Jährige lässt sich nicht lumpen, unternimmt den dritten und letzten Anlauf. Wieder fliegt der Schleuderball und kommt 15,75 Meter von Sutter entfernt auf – Silber! Das reicht, um mit den Gold-Ergebnissen vom Schwimmen, Standweitsprung und Seilspringen insgesamt eine Gold-Wertung zu erhalten – einmal Silber ist dabei erlaubt. Und das beim ersten Anlauf. „Nicht schlecht. Und das in meinem Alter“, stellt die zierliche ehemalige Verwaltungsfachangestellte nüchtern fest. Die Wertungen des Sportabzeichens sind an das Alter gekoppelt. Sutter tritt in der Gruppe der 75- bis 79-Jährigen an. Als Teenagerin hätte sie 26,50 Meter werfen müssen.

Sutters Erfolg kommt nicht so überraschend. Die 78-Jährige hält sich fit. „Fahrradfahren, Nordic Walking, Tanzen von Rumba bis Walzer und Muskelaufbautraining“, zählt die Wildeshauserin auf, was sie alles tut, um beweglich zu bleiben. „Und Denksport, Schach“, ergänzt sie.

Dass Sutter sich an diesem Mittwoch zum ersten Mal zum Sportabzeichen-Training begeben hat, hat einen Grund, und der steht neben ihr. Ihr Freund Fritz Ostertag (78), ehemaliger Dreikämpfer, lange aktiver Sportler und 42-facher Träger des Sportabzeichens in Gold, hat sie dazu gebracht, mitzukommen. Und die beiden sind nicht alleine. Während Sutter wirft, knallt das Startsignal von der 100-Meter-Bahn. „Durchziehen! Durchziehen!“, feuert ein Prüfer einen jungen Mann an. Daneben springen Teilnehmer in eine Sandgrube, werfen und laufen. Aber man schnackt auch mal.

Sutter und Ostertag sind inzwischen zum Kugelstoßen übergegangen. Gold hat die 78-Jährige ja schon, aber sie will die Sportart mal ausprobieren. „Das ist ja niedlich, das habe ich noch nie gemacht“, sagt sie. Ostertag macht vor, wie die Zwei-Kilo-Kugel zu halten ist und wann der Abwurf erfolgen sollte. „Guck in die Bäume“, rät er seiner Freundin, damit sie einen 45-Grad-Winkel schafft. Allerdings werden Sutter und die Kugel nicht so recht warm miteinander. „Muss ja nicht beim ersten Mal klappen“, sagt Mathiebe. „Sie haben ja genau so dürre Arme wie ich“, scherzt der Prüfer.

Mathiebe nimmt schon lange das Sportabzeichen ab, das er selbst fast 40 Mal abgelegt hat. Seit Mai stehen er und seine Mitstreiter in diesem Jahr mittwochs im Krandelstadion. „Im August, September kommen noch einige Teilnehmer. Nach den Sommerferien“, weiß er aus Erfahrung. Hin und wieder ruft er auch größere Firmen an und erinnert an die Termine. „Es gibt Leute, die haben einmal das Sportabzeichen gemacht und denken dann, sie wären sportlich“, grinst er. Wiederholungstäter sind ihm lieber.

Ostertag und Sutter wollen wiederkommen. Aber jetzt, nach einer Stunde im Krandel, geht es nach Hause. Die Gold-Auszeichnung gibt es später. Und es werden wohl noch einige folgen, denn vom Sport können die beiden nicht die Finger lassen.

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