„Packst du mich an, musst du mich nehmen“

Erster Kuss auf dem Wildeshauser Stadtwall - Elsa und Manfred Rollié feiern diamantene Hochzeit

Elisabeth und Manfred Rollié sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet.
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Elisabeth und Manfred Rollié sind seit 60 Jahren glücklich verheiratet.

Wildeshausen – Als Manfred Rollié im Jahr 1957 mit dem Fahrrad die Wildeshauser Bahnhofstraße in Richtung Marktplatz fuhr, hatte er eine ungewöhnliche Vorahnung. Er sah eine junge Frau aus Richtung Kaufhaus Leffers kommend zum Rathaus laufen. „Die wirst du mal heiraten, ging es mir damals gleich durch den Kopf. Keine Ahnung, warum das so war“, so Rollié rückblickend.

Die Frau, es war Elisabeth Schnieders, lernte er jedoch kurz darauf im Kirchenchor genauer kennen, tanzte mit ihr beim Stiftungsfest des Chores im Reitersaal, küsste sie das erste Mal dort, wo es beim Kreienborghaus vom Wall nach unten auf die Bahnhofstraße geht und verlobte sich mit ihr am 1. Weihnachtstag im Jahr 1958 im Beisein der Schwiegereltern.

Am Sonnabend ist das Paar exakt 60 Jahre kirchlich verheiratet und feiert mit Familie, Nachbarn sowie Freunden das Fest der diamantenen Hochzeit. „Wir genießen das Leben“, sagen die Jubilare. Und mit einem Blick in die Vergangenheit können sie wahrlich behaupten, dass dieses sehr schön und erlebnisreich war.

Manfred Rollié hatte einen weiten Weg nach Wildeshausen

Manfred Rollié ist der einzige Wildeshauser Ehrenbürger und war viele Jahre ehrenamtlich in hohen Positionen in der Kreisstadt aktiv. Davon später. Er war zunächst 1945 mit seiner Familie vor den Russen ins Sudetenland geflohen, musste dann aber zurück nach Oberschlesien. Als ein Jahr später Jugendliche zum Wiederaufbau nach Warschau gebracht werden sollten, reiste er mit Rucksack und Aktentasche in Richtung Westen, wo er in Winsen an der Luhe erfuhr, dass seine Eltern nach Holzhausen bei Wildeshausen gezogen waren. Er machte sich auf den Weg dort hin, blieb, besuchte die Mittelschule und absolvierte später eine Ausbildung zum Großhandelskaufmann.

Elisabeth Schnieders ist in Cloppenburg geboren und aufgewachsen. Sie absolvierte eine Lehre als Textilverkäuferin, was sie unter anderem in den Laden von Wildeshausens Bürgermeister Friedrich Mönnich brachte, bei dessen Familie sie als Angestellte zeitweise ein Zimmer unter dem Dach bezog.

Erster Tanz beim Stiftungsfest des Chores

So konnten sich die beiden in Wildeshausen begegnen, gemeinsam im Chor singen und tanzen. „Packst du mich an, musst du mich nehmen“, hieß es damals von den Frauen. Manfred Rollié wollte sowieso gar nicht mehr loslassen. „Wir waren schnell“, bilanziert er. Und zielgerichtet. Rollié hatte schon frühzeitig Geld für ein Haus angespart. So kam es, dass er am 29. Oktober 1961 den ganzen Tag den Einzug erledigte, am Abend kaum beim Polterabend dabei war und am nächsten Tag in Cloppenburg mit seiner Elsa vor dem Traualtar stand.

Bereut haben die Rolliés diesen Schritt nie. „Es flogen zwar immer mal wieder die Fetzen“, so die Ehefrau rückblickend, aber das Vertrauen und die Liebe seien eben sehr groß. Das Paar hat drei Kinder (Stephan, Eva-Maria und Christin) sowie sechs Enkelkinder und ist seit jeher in der katholischen Kirchengemeinde engagiert. Manfred Rollié war zudem von 1974 bis 1995 Verwaltungsdirektor des Johanneums, von 1981 bis 1999 Bürgermeister von Wildeshausen, 40 Jahre im Rat, zehn Jahre im Kreistag, ist seit 1981 im Offizierskorps der Schützengilde und mehr als 60 Jahre Mitglied der Kolpingsfamilie.

Ehrenamtliches Engagement ist beiden wichtig

„Wer den Frieden erhalten will, muss etwas dafür tun“, lautet die Devise der Rolliés. Deshalb haben sich beide Zeit ihres Lebens engagiert. Elsa Rollié war beispielsweise lange Jahre im Besuchsdienst des Johanneums dabei und hat in Handarbeitskreisen mitgearbeitet. Auch bei den Sternsingern half sie regelmäßig mit.

Heute jedoch kann sich das Paar verwöhnen lassen. Die Kinder haben eine Überraschung organisiert und die Zahl der Gratulanten dürfte in den nächsten Stunden groß sein.  

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