Einblick in das Leben eines Schweins in der modernen Landwirtschaft

Die erste Milch ist entscheidend für ein Ferkel

Im Ferkelschutzkorb liegt Sau Nummer 38539. Pro Tag trinkt das 300 Kilogramm schwere Tier 30 bis 40 Liter Wasser. - Fotos: bor

Bühren - Von Ove Bornholt. Unsere Zeitung begleitetet ein Schwein mit mehreren Artikeln über seine Lebensabschnitte auf dem Hof von Ralf Stöver in Bühren (Landgemeinde Wildeshausen). Es geht darum, wie in der modernen Landwirtschaft arbeitet wird. Der erste Teil der Serie widmet sich der Zeit vor der Geburt.

Im Bauch seiner Mutter, einer Sau mit der Nummer 38539, nimmt das Ferkel derzeit pro Tag bis zu 100 Gramm zu. Es ist der Endspurt. Bei seiner Geburt wird es dann rund 1,5 Kilogramm wiegen, wenn es ein durchschnittliches Schwein ist. Die Spanne bewegt sich zwischen 0,8 und 2,2 Kilogramm.

Der Geburtsvorgang an sich kann durchaus einen halben Tag dauern. Im Abstand von einer halben Stunde sollen die Ferkel kommen, sagt Stöver. Wenn nicht, hilft er nach und zieht die Körper aus dem Geburtskanal. Das ist wichtig, denn die Jungtiere können sich verkeilen. Auch ist es möglich, dass die Nabelschnur sich um ihren Hals legt und sie stranguliert. Eine Sau wirft im Schnitt 13 bis 14 Jungtiere – hinzukommen statistisch gesehen 0,7 Totgeburten.

Der Vorgang ist nicht ungefährlich. Häufig treten entweder eine Gebärmutter- oder eine Gesäugeinfektion auf, die zu Milchmangel führen (MMA). Das liegt laut Stöver daran, dass Keime vor der Geburt einfacher in den Körper eindringen können. Sau Nummer 38539 war während ihres zweiten Wurfs daran erkrankt. Die Behandlung erfolgt mit einem Antibiotikum, das die Erreger tötet, und einem Entzündungshemmer, der die anfallenden Giftstoffe bindet.

Wenn die Geburt überstanden ist, beginnt der Kampf um die besten Zitzen. „Die Rangordnung ergibt sich meistens innerhalb von zwei Tagen“, erklärt Schweinebauer Stöver. Sie entscheidet sich oft schon durch die Reihenfolge, in der die Jungtiere geboren werden. Denn die, die den Geburtskanal zuerst verlassen, besetzen in der Regel die vorderen Zitzen der Muttersau, die ergiebiger sind und bessere Biestmilch geben. Die ist besonders energiereich und gibt dem Tier Abwehrstoffe. „Das Entscheidende für ein Ferkelleben ist, dass die erste Milch reinkommt“, sagt Stöver.

In den ersten drei Wochen – so lange bleiben die Kleinen bei der Mutter – sterben noch einmal sieben bis zehn Prozent unter anderem dadurch, dass sie zu klein sind und nicht zum Säugen kommen oder von der Mutter erdrückt werden. Letzterem soll der Ferkelschutzkorb abhelfen, in dem die Säue rund vier Wochen verbringen.

Für Sau Nummer 38539, die am 22. Oktober 2014 auf den Stöver-Hof kam und Anfang 2014 in Stade geboren wurde, ist es nicht die erste Geburt. Sie hat dreimal geworfen. 44 lebendgeborene Ferkel weist der Zettel, der über der Box jeder Sau im Abferkelstall hängt, für sie aus. 14,7 pro Wurf und 31,6 pro Jahr. Damit liegt sie leicht über dem Durchschnitt von 30 Geburten pro Jahr.

Besamt wurde sie für ihren aktuellen Nachwuchs am 23. Februar. Dabei hat sie den Vater der Ferkel nie gesehen. Das Sperma des Ebers mit der Nummer 93 wurde von einem der Standorte der Genossenschaft zur Förderung der Schweinehaltung (GSF) geliefert und ihr im Stall von Stöver eingesetzt. Die Tragezeit, also die Schwangerschaft, dauert rund 115 Tage – drei Monate, drei Wochen und drei Tage lautet die Faustregel. Sau Nummer 38539 wird wahrscheinlich am Donnerstag werfen und unser „Serienschwein“ auf die Welt bringen.

Hof Stöver

Auf dem Hof von Ralf Stöver in der Bauerschaft Bühren leben rund 3.000 Schweine – vom gerade erst geborenen Ferkel bis zur Sau, die schon mehrfach Nachwuchs bekommen hat. Der 46-Jährige hat seine Ställe zum Teil für die Initiative „Tierwohl“ umgerüstet, produziert zum Teil aber auch konventionell. Er bewirtschaftet den Hof mit Unterstützung seiner Familie.

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