Hans-Jürgen Schulte war vor 40 Jahren König

„Erst wollte ich Studium beenden und Beruf sichern“

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König Hans-Jürgen Schulte beim Einmarsch in die Stadt. Im Jahr 1953 war er Kinderkönig, während Vater Heinz zum Gildekönig proklamiert wurde. „Beides war für mich sehr schön. Ich möchte die Zeit nicht missen“, so Schulte.

Wildeshausen - Von Joachim Decker. Etwas Wehmut klingt schon mit, wenn Hans-Jürgen „Hansel“ Schulte (77), der vor exakt 40 Jahren den Thron der Wildeshauser Schützengilde bestiegen hatte, erzählt.

Denn gerade in diesem Jahr fällt der Besuch des großen Festes für ihn flach: „Aber nach meiner Hüftoperation bin ich nun wieder auf dem Wege der Genesung. Im nächsten Jahr bin ich wieder dabei.“

Die Regentschaften in der Gilde sind in der Familie Schulte verankert: Während Vater Heinz Schulte im Jahr 1953 den Thron bestieg, schaffte es der Sohnemann exakt in diesem Jahr, Kinderkönig zu werden: „Das ist schon ein tolles Erlebnis, wenn dir als Junge die schwere Königskette umgehängt wird.“ Von da an habe für ihn festgestanden, dass auch er einmal der Gilde-König werden wolle.

Im zweiten Anlauf klappte es

„Eigentlich wollte ich schon 1976 zum ersten Mal am Königsschießen teilnehmen. Allerdings habe ich mich etwas mit der Zeit vertan und zu spät angemeldet. Somit wurde ich nicht mehr zugelassen. Ein Jahr später habe er sich jedoch rechtzeitig angemeldet: „Dann war es Jochen Siems, der zu mir kam und gesagt hat, dass wir nun zum Königsschießen gehen wollen. Ich habe ihm geantwortet, dass er dann aber einen starken Konkurrenten an seiner Seite hätte.“

Noch sehr gut kann sich Schulte an das spannende Schießen erinnern: „Natürlich war die Anlage längst nicht so modern wie heute. Wir hatten damals noch die Gewehre frei in der Hand. Allerdings mussten wir streng nach den Vorschriften der Schießoffiziere handeln.“ Für alle sei klar gewesen, dass es ein fair Wettkampf sein muss: „Jeder sollte ehrlich sagen, ob er den Vogel, der damals noch frei hing und keinen Kugelfang hatte, getroffen hat oder nicht.“

Eigentlich wäre er lieber 1978 – 25 Jahre nach der Kinder-Regentschaft – König geworden: „Aber als ich es bis ins Finale geschafft hatte, war mit klar, dass ich das durchziehen werde. Keiner konnte wissen, wie es im nächsten Jahr läuft.“

Der Jubel sei sehr groß gewesen, als ihm dann die Königskette umgehängt wurde: „Es war schon ein tolles Gefühl, beim ersten Schießen gleich König zu werden.“ Überaus begeisternd sei der Einmarsch in die Stadt gewesen. Viele Gruppen hätten ihn mit „Hansel-Hansel-Rufen“ begrüßt: „Ja, das war schon was, als wir dann ins Quartier im ,Kayserhaus‘ von Kern gegangen sind, bis der Offizier zum Aufbruch gerufen hat und wir in den Rathausaal mussten, wo Hans-Peter Goedecke zum Schaffer proklamiert wurde.“

Feier bis spät in die Nacht hinein

Es sei eine tolle Feier bis spät in die Nacht gewesen. „Mit Einbruch der Dämmerung wurde auch damals schon der König mit Musik nach Hause gebracht. Der Weg war nicht sehr weit bis an die Heemstraße.“ Mit viel Spaß hätten die Nachbarn dann geholfen, die Gruppe zu bewirten: „Einer der Fröhlichsten war damals der heutige Oberst Willi Meyer.“

Nach dem Königsjahr, das sehr angenehm gewesen sei, habe er sich mit den drei Schüssen im Krandel in die Königskompanie geschossen: „Wenn du König wirst, gehörst du für ein Jahr dem Offizierskorps an. Nicht alle Könige sind danach Mitglied der Königskompanie geworden. Es ist keine Pflicht.“

Mit 37 Jahren war Schulte sicherlich nicht der jüngste Gilde-König. „Das ist richtig, ich bin auch erst mit 28 Jahren in die Gilde eingetreten. Mein Vater hat mir den Tipp gegeben, erst mein Studium zu beenden und den Beruf zu sichern.“ Über einige Jahre habe er in Würzburg und Köln als Zahnarzt gearbeitet: „Mit 30 Jahren habe ich mich in Wildeshausen niedergelassen und hatte wie mein Vater eine Praxis.“ Dann sei er in dem Alter gewesen, in dem er es beruflich verantworten konnte, König zu werden.

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