Nicht mehr  wegzudenken

Sport-Club Wildeshausen feiert dieses Jahr sein 50-jähriges Bestehen

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Die Tanzformation des Vereins „Bremer Schlüssel“ durfte nicht auf dem Boden der Gymnasiums-Turnhalle auftreten. Stattdessen musste kurzfristig ein Holzboden installiert werden.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Lang, lang ist‘s her: Vor 50 Jahren wurde der Sport-Club (SC) Wildeshausen gegründet. Damals mit dabei war Christa Grimjes (79), die zurückblickt und ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert. Unter anderem darüber, wie sie aufgefordert wurde, den VfL Wittekind zu verlassen, nachdem sie Leiterin der Frauenabteilung des SC geworden war.

Der Verein, auch als Soldaten-Club bezeichnet, setzte sich einst zu großen Teilen aus Bundeswehrangehörigen zusammen, die in der Wittekind-Kaserne Dienst schoben. Angesprochen auf den manchmal rauen Ton zwischen Soldaten, meint Grimjes mit einem Lächeln: „Ich war die einzige Frau im Vorstand. Die mussten alle nett zu mir sein.“ 

Nachdem sie mit der Gründung die Damenriege übernommen hatte, engagierte sich die heute 79-Jährige auch beim Mutter-Kind-Turnen und kümmerte sich um die Teenager. „Durch meine Hände sind schon allerhand Kinder gegangen“, erinnert sich Grimjes, die auf den Straßen Wildeshausens noch oft auf ehemalige Zöglinge trifft.

Die lebenslustige gebürtige Berlinerin sagt über sich selbst: „Ich bin ein Mensch, der etwas um die Ohren haben muss.“ Als Flüchtling war Grimjes nach dem Krieg nach Emden gekommen, wo sie ihren Mann, den späteren Stadtdirektor Helmut Grimjes, kennenlernte. Gemeinsam ging es 1966, zwei Jahre vor Gründung des SC, nach Wildeshausen, weil ihr Gatte eine Arbeitsstelle in der Stadtverwaltung gefunden hatte.

Gründungsmitglied Christa Grimjes und Ehrenvorsitzender Detlef Mentel mit der Beilage zum 25-jährigen SC-Bestehen.

Auch wenn die Zusammenarbeit im Sport-Club „immer hervorragend war“, wie Grimjes betont, kam der neue Verein nicht bei allen Wildeshausern und erst recht beim VfL Wittekind so gut an. „Es gab zu Anfang ein gewisses Konkurrenzdenken“, erinnert sich die 79-Jährige. 

So habe es 1975, als der SC eine Ballett-Abteilung gründete, einen „langen, bitterbösen Brief“ eines VfL-Vertreters gegeben. Dieser befürchtete offenbar, dass Mitglieder seiner eigenen Ballett-Truppe vom SC abgeworben würden. „Und als ich Leiterin der Frauenabteilung wurde, hat man mich gebeten, den VfL zu verlassen“, erinnert sich Grimjes an die Anfangszeiten des SC. Waren es zu Beginn 70 Mitglieder, so ist die Zahl auf derzeit mehr als 830 angestiegen.

Mittlerweile ist das Verhältnis des Sport-Clubs zum VfL aber entspannter. Das bestätigt auch Detlef Mentel, Ehrenvorsitzender des SC. „Ich gehe gerne zum Fußballgucken in den Krandel. Inzwischen gibt es nur noch wenig Reibungspunkte. Es ist wie in der Ehe: Man muss sich auch mal gram sein“, sagt der 64-Jährige, der dem SC von 1992 bis 2017 als Vorsitzender zur Verfügung stand.

Die Aufnahme zeigt Frauen und Kinder 1973 beim Sportfest im Krandel.

Auch Mentel darf als intimer Kenner der Geschichte des SC gelten. Dieser versuche, sich als Mehrspartenverein ohne große Fußballabteilung, wie bei anderen Clubs oft üblich, zu behaupten. „Es ist schwierig, mit Nebensportarten hauszuhalten“, bekennt Mentel. Handballer und Fußballer hatten den SC Anfang der 70er-Jahre verlassen und waren zum VfL gegangen.

Der Sport-Club setzte damals wie heute auf Trendsportarten und solche, die es werden könnten. „Zum Beispiel bieten wir seit zwei Jahren Ultimate Frisbee bei der Wallschule an. Irgendwann macht es Klick, und dann kommen alle Leute da hin“, ist sich Mentel sicher.

Der stämmige und groß gewachsene ehemalige Soldat gründete 1983 die Basketballsparte des SC. Wie viele andere Bundeswehrangehörige wollte er für seinen Sport nicht mehr pendeln. „Wir haben in der Trainingshalle des Gymnasiums angefangen – mit nur einem Korb“, erinnert sich der 64-Jährige mit einem Lächeln.

Der Tanzabend verzögerte sich - weil der Boden noch nicht lag

Auch Grimjes hat noch eine witzige Anekdote auf Lager: „Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des SC hatte ich einen großen ,Sport-Cocktail‘ mit der Tanzformation des Vereins ,Bremer Schlüssel‘, Kunstradfahrern aus Adelheide, Fechtern aus Delmenhorst und weiteren Sportarten, die nicht in Wildeshausen angeboten wurden, organisiert. Aber die neue Sporthalle des Gymnasiums durfte nicht mit Schuhen betreten werden. Die Veranstaltung verzögerte sich um anderthalb Stunden, weil erst ein Holzfußboden verlegt werden musste“, schildert sie.

Das soll sich möglichst nicht wiederholen. Der SC feiert sein 50-jähriges Bestehen am Freitag und Sonnabend, 24. und 25. August, mit einem großen Sportwochenende. Unsere Zeitung kommt auf das ausführliche Programm zurück.

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