Uni Vechta und Hauptschule Wildeshausen kooperieren / Betriebsbesichtigung bei Schade

Erst anpacken und dann bewerben

Der Industriemechaniker-Meister Andreas Kirk (links) lässt die Schüler selbst anpacken und auch rechnen. Foto: bor

Wildeshausen – „Jetzt kommt Frauenpower“, sagte Kimberly Höpfert (15) und griff zum großen Drehmomentschlüssel, mit dem sie eine Schraube an einem großen Schiffsgetriebe festdrehte. Gemeinsam mit 16 anderen Hauptschülern aus der 9a lernte sie am Mittwochvormittag mehr als drei Stunden lang die Maschinenbaufirma Schade an der Visbeker Straße in Wildeshausen kennen. Anders als bei üblichen Betriebsbesichtigungen probierten Schule und Unternehmen das Konzept „Regionales Lernen 21+“ aus, das an der Uni Vechta entwickelt und zum ersten Mal in Wildeshausen angewendet wurde.

„Es geht darum, Unternehmen von innen heraus kennenzulernen und Einblicke in die Vielfalt der Berufs- und Arbeitswelt in der Region zu gewinnen“, erklärte Christian Tiller. Der wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni widmet sich der Entwicklung, Erprobung und Evaluierung von Konzepten für inklusiven Unterricht. Mit einem Klemmbrett stand er neben der Schülergruppe und notierte, „was funktioniert und wo es Barrieren für die Schüler gibt“. Tiller forscht seit Juni 2016 im vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „BRIDGES – Brücken bauen. Zusammenarbeit initiieren und gestalten“. Hinter dem etwas sperrigen Namen verbergen sich Termine wie dieser in Wildeshausen.

Mit lockeren Sprüchen, aber auch klaren Hinweisen kümmerte sich der Industriemechaniker-Meister Andreas Kirk um die Jugendlichen, die alle mal an das Schiffsgetriebe ran durften. Dabei mussten sie nicht nur den Drehmomentschlüssel schwingen, sondern auch überlegen, wie und wo sie das Werkzeug einsetzen. „Zieh, zieh, zieh!“, feuerten sich die Schüler gegenseitig an.

Andreas Everinghoff, Konrektor der Hauptschule, stand daneben und lobte den „wahnsinnig wertschätzenden Umgang“ der Mitarbeiter mit den Jugendlichen. „Es fühlt sich fast an, als wären sie schon Teil des Teams.“ Die Erkundung der Firma Schade sei „top organisiert“.

Während in Halle F angepackt wurde, stellte sich Geschäftsführer Dirk Schade im Büro den Fragen einer anderen Schülergruppe. Ob in der Produktion auch Frauen arbeiten würden, wollte eine zierliche Schülerin wissen. „Wenn eine richtig gute Bewerbung kommt, haben wir überhaupt kein Problem damit, eine Frau einzustellen“, sagte der Diplom-Ingenieur, räumte aber auch ein, noch keine wirklich überzeugende Bewerbung erhalten zu haben. Apropos Bewerbung: Bei dem Konzept geht es auch darum, Kontakt zu den Firmenchefs aufzunehmen. Damit verringert sich möglicherweise auch die Angst vor Vorstellungsgesprächen.

Am Nachmittag gingen die Jugendlichen auf die Erfahrungen im Betrieb ein. Diese Nachbereitung gehört genau wie eine vernünftige Vorbereitung zum Konzept der Betriebserkundungen. „Ich bin mir sicher, dass sich einige Schüler hier bewerben“, zog Konrektor Everinghoff schon mal ein zufriedenes Fazit des Termins bei Schade.  bor

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