Verdi: Mehr Hilfen für kleine Geschäfte

Erneut Kurzarbeit im Einzelhandel

Ein geschlossenes Bekleidungsgeschäft
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Geschlossene Ladentüren bedeuten für die Beschäftigten in der Regel Kurzarbeit. Doch das Geld reicht nicht, findet Verdi-Gewerkschaftssekretär Arne Brix.

Landkreis Oldenburg – „Dass der Shutdown kommen musste, war allen Beschäftigten klar“, sagt Arne Brix von der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Er ist für den Fachbereich Handel im Bezirk Weser-Ems zuständig. Doch die Auswirkungen auf die Mitglieder der Gewerkschaft seien gespalten: Während es in den Lebensmittelgeschäften voll sei und die Angestellten eher zu viel als zu wenig arbeiteten, sehe es im restlichen Einzelhandelsbereich schlecht für die Beschäftigten aus.

Er kenne keinen einzigen Fall, in dem jemand trotz Schließung volles Gehalt beziehe, berichtet Brix. „Kurzarbeitergeld ist natürlich in den Weihnachtswochen richtig schlecht.“ 60 oder 67 Prozent (für Eltern) des vorherigen Nettolohns seien wenig. Selbst wer die erhöhte Summe von 80 beziehungsweise 87 Prozent (für Eltern) ab dem siebten Bezugsmonat erhalte, stehe damit kurz vor dem geschenkereichen Fest nicht besonders gut da.

Verdi fordere seit Längerem eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds auf 90 oder 100 Prozent durch die Arbeitgeber. „Das muss man aber differenziert sehen“, räumt Brix ein. Große Ketten seien dazu in der Lage, kleine, inhabergeführte Läden mit wenigen Mitarbeitenden könnten das jedoch kaum leisten.

„Wenn du deine Beschäftigten nicht mehr bezahlen kannst, machst du zu“

Für diese will die Gewerkschaft eine Unterstützung durch die Bundesregierung erreichen, die über die aktuelle Regelung zu den Fixkosten hinausgeht. Denn die helfe nur begrenzt weiter. Die Konsequenz sei klar: „Wenn du deine Beschäftigten nicht mehr bezahlen kannst, dich selbst nicht mehr bezahlen kannst, dann machst du den Laden zu.“

Auch die Städte und Gemeinden könnten dazu beitragen, den Geschäften vor Ort zu helfen, findet Brix. Eine gemeinsame Online-Plattform inklusive Botendienst etwa. „Das wäre eine ganz praktische Antwort vor Ort, so etwas würden wir uns wünschen.“ Denn grundsätzlich sei zu beobachten, dass es Geschäften, die frühzeitig einen Lieferservice oder einen Onlineshop eingerichtet hätten, in der Krise besser gehe. „Die trifft es nicht ganz so hart“, erklärt Brix.

In Supermärkten und Co. ist mehr als genug zu tun

Die Sorgen der Beschäftigten im Lebensmittelhandel hingegen seien ganz andere. Dort sei der Andrang erwartungsgemäß groß. Entsprechend hoch seien die Anforderungen an das Personal. Das müsse einiges aushalten: Diskussionen über Hygieneregeln, Beschimpfungen, dazu die körperliche Belastung durch die Verpflichtung, ständig einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

Um die Angestellten an der Kasse, den Regalen und in den Lagern zu entlasten, setze sich Verdi unter anderem für mehr bezahlte Pausen und die Einhaltung des Gesundheitsschutzes ein. Zusätzlich fordere sie die Arbeitgeber auf, sogenannte Doormen, also geschulte Wachleute an den Türen, einzustellen. Deren Aufgabe wäre es dann, die hereinkommende Kundschaft auf falsch sitzende Masken, Desinfektionsmittel oder Einkaufswagen hinzuweisen. „Das ist ja eine hohe Belastung, wenn eine Angestellte an der Kasse das jetzt zusätzlich machen muss“, erläutert Brix.

Gewerkschaft fordert Corona-Prämie im Einzelhandel

Nicht zuletzt halte er auch eine Corona-Prämie für das Personal im Lebensmitteleinzelhandel für eine gute Idee. Bereits Ende März hatte die Gewerkschaft eine Sonderzahlung in Höhe von 500 Euro gefordert, die die Arbeitgeber übernehmen sollten. Das werde jedoch kaum umgesetzt: „Das höchste, was ich gehört habe, waren 250 Euro als Warengutschein.“ Zum Vergleich: In der Pharmabranche, die ebenso wie der Lebensmittelbereich aktuell gute Geschäfte mache, erhielten die Beschäftigten einmalig zwischen 800 und 1 000 Euro brutto, sagt Brix.

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