Gedenkfeiern zum Volkstrauertag in Wildeshausen, Dötlingen und Harpstedt

Erinnerung und Mahnung zugleich

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Am Denkmal gefallener Soldaten: Peter Rehberg, Jürgen Meyer und Bürgermeister Stefan Wachholder (v.l.).

Wildeshausen/Dötlingen/Harpstedt – Ernste Worte, mahnende Erinnerung, aber auch aktuelle Bezüge haben die Ansprachen zum Volkstrauertrag am Sonntag in Wildeshausen, Dötlingen und Harpstedt geprägt. In allen drei Orten legten Vertreter von Kommunen, Vereinen und Organisationen Kränze an Ehrenmälern nieder und gedachten so aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft, Terror, Unterdrückung und Vertreibung.

In der Kreisstadt hatte der Gedenktag zunächst mit einer Kranzniederlegung am jüdischen Friedhof der Stadt begonnen, bei der Bürgermeister Jens Kuraschinski unter anderem daran erinnerte, dass es auch in Wildeshausen Täter gab – und zwar in allen Schichten der Gesellschaft. Einen weiteren Kranz legte der Rathauschef nur wenig später zusammen mit Mitgliedern der Reservistenkameradschaft Wildeshausen am Ehrenmal auf dem Burgberg nieder.

Das Musikkorps Wittekind und der Männergesangverein Wildeshausen leiteten schließlich die zentrale Gedenkstunde in der örtlichen Friedhofskapelle ein. Kuraschinski beließ es bei seiner Ansprache nicht dabei, an die Kriege und den Holocaust, deren Historie, aber auch Brutalität und die Millionen von getöteten und ermordeten Menschen zu erinnern – und Mitgefühl einzufordern. „Der Blick in die Geschichte des 20. Jahrhunderts wie in die jüngste Vergangenheit, er zeigt, dass Frieden und Freiheit und Mitmenschlichkeit keine Selbstverständlichkeit sind. Diese Werte müssen errungen und bewahrt werden“, sagte er. Als Beispiele nannte er etwa den Anschlag von Halle einerseits, die Bundeswehreinsätze im Ausland andererseits, aber auch Staatsoberhäupter, die aktuell Sicherheit und Frieden zugunsten kurzzeitiger politischer Erfolge opferten. Der Frieden in der Nachkriegszeit sei nicht selbstverständlich, so Kuraschinski. Ein jeder sei aufgefordert, für dessen Erhalt einzutreten. Zusammen mit Vertretern des Offizierskorps der Schützengilde sowie der Wachkompanie und Mitgliedern der Wildeshauser Feuerwehr zogen alle Anwesenden zum Ehrenmal. Dort warteten bereits die Mitglieder der Reservistenkameradschaft. Gemeinsam legten sie zwei Kränze nieder.

Gedenken am Ehrenmal in Wildeshausen: Bürgermeister Jens Kuraschinski, Andreas Tangemann (Adjutant des Obersts der Schützengilde) und Norbert Engelmann (Oberstabsfeldwebel d. R. und Vorsitzender der Reservistenkameradschaft Wildeshausen, v.l.)

Mit drei tönenden Schlägen am Mahnmal vor der St.-Firminus-Kirche hatte Dötlingens Bürgermeister Ralf Spille den Gedenktag in Dötlingen eingeläutet. Pastorin Susanne Schymanitz hielt eine kurze Ansprache. Sie erinnerte an die vielen Seiten des Grauens und des Leidens des zweiten Weltkrieges, die auch mit den Familien der Gemeinde verknüpft seien: Junge Männer etwa, die teils freiwillig in den Krieg gezogen waren, oder Eltern, die nicht wussten, ob sie ihren Sohn wiedersehen werden oder aber die Zwangsarbeiter, die auf heimischen Boden ermordet worden seien. Der 13-jährige Tom Pössel aus Wildeshausen spielte auf der Trompete die Klänge des Liedes „Ich hatt ein Kameraden“.

Für die Vereine der Gemeinde legten Hans-Hermann Schweers und Reinhold Pirsich vom Männergesangverein, der auch den anschließenden Gottesdienst mitgestaltete, einen Kranz nieder.

Ein Kranz im Namen der Dötlinger Vereine: Hans-Hermann Schweers und Reinhold Pirsich (r.) am Mahnmal.

Im Anschluss begab sich die Gemeinde zum Friedhof. Begleitet von den Klängen des Posaunenchors wurden auch dort an den Soldatengräbern weitere Kränze niedergelegt. Auf die Aktualität des Gedenktages ging Ratsherr Eckehard Hautau ein. Er unterstrich in seiner Rede unter anderem die fortwährende Aktualität dieses Tages, auch fast 75 Jahre nach Ende des zweiten Weltkrieges: „Wir brauchen ihn, damit das, was geschehen ist, nicht verdrängt wird.“ Denn diese Gefahr bestehe in einer Gesellschaft, die „mittlerweile zu vielschichtig und komplex für einfache Antworten“ geworden sei. Doch gebe es Politiker und Parteien, die eben dies versuchten: „Folgen wir nicht Nationalisten, Populisten und Extremisten, die gerade in der heutigen Zeit mehr und mehr an Einfluss erinnern und die Millionen Opfer von Nationalismus, Krieg und Holocaust missachten“, schloss Hautau.

Sowohl eine Abordnung der Freiwilligen Feuerwehr Harpstedt als auch Mitglieder der dortigen Schießsportkameradschaft nahmen neben einigen Bürgern an der Kranzniederlegung am Denkmal bei den Soldatengräbern auf dem Harpstedter Friedhof teil. Bürgermeister Stefan Wachholder betonte in seiner Ansprache, dass der Volkstrauertag an schlimme Zeiten in der Geschichte der Menschheit erinnere: „Wir gedenken des Weiteren der Opfer unserer Tage. Menschen, die unter Terrorismus, Fanatismus und furchtbarsten Menschenrechtsverletzungen leiden müssen – aus dem einzigen Grund, weil sie Frauen sind, weil sie Minderheiten angehören oder weil sie eine andere Lebensanschauung besitzen. Und wir gedenken der Soldaten der Bundeswehr, die bei Einsätzen im Ausland ihre Gesundheit oder ihr Leben einbüßten. Das Vermächtnis aus Deutschlands Geschichte lässt uns das Gedenken wachhalten. Demokratie und Menschenrechte aber müssen täglich gelebt werden.“  fra/hh

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