Bild taucht in einem Nachlass auf

Enkelin findet Foto von Opa mit Adolf Hitler: Wer war Paul Knüpling aus Wildeshausen?

Gemeinsam auf Bootstour: Adolf Hitler (2.v.l.) und Paul Knüpling (vorne, Mitte) hatten offenbar viel Kontakt zueinander.
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Gemeinsam auf Bootstour: Adolf Hitler (2.v.l.) und Paul Knüpling (vorne, Mitte) hatten offenbar viel Kontakt zueinander.

In einem Nachlass ist ein Foto aufgetaucht, dass einen Wildeshauser bei einer Bootstour mit Adolf Hitler zeigt. Die Enkelin sucht jetzt Infos über ihren Opa.

Wer war der Wildeshauser Paul Knüpling und warum waren er und seine Frau Hanna ganz offenbar mit dem nationalsozialistischen Diktator des Deutschen Reiches, Adolf Hitler, gut bekannt? Diese Frage stellt sich die Wildeshauserin Susanne Heger, die seit einigen Wochen über die Toten des Zweiten Weltkriegs aus der Kreisstadt recherchiert, die auf den Sandsteintafeln des Ehrenmals auf dem Burgberg verewigt wurden.

Über unsere Zeitung hatte sie um Informationen gebeten. „Die Resonanz war enorm. So viele Geschichten von Wildeshausern, so viele Emotionen, die durch meine Recherche geweckt wurden“, freut sich Heger. „Mir wurden Fotos und Feldpost geschickt und viele teilten ihre persönlichen Erinnerungen mit mir.“ Unter den vielen Anrufen war allerdings auch einer, der sie staunen ließ. „Niemals hätte ich damit gerechnet, dass bei meiner Recherche plötzlich Hitler selbst ins Spiel kommt.“

Vor Kurzem hatte Wiebke C. aus Tübingen (Name der Redaktion bekannt, sie möchte aber nicht von rechtsextremen Kreisen kontaktiert werden) bei Heger angerufen. Ihre Mutter, die Wildeshauserin Frauke Jokiel, geborene Knüpling, war im Frühjahr gestorben und sie hatte in den vergangenen Monaten deren Nachlass geordnet. Dabei waren Fotos ihres Großvaters Paul Knüpling bei einer Segeltour Schulter an Schulter mit Adolf Hitler aufgetaucht. Aus unterschiedlichen Winkeln von Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann fotografiert. „Ich war geschockt, als ich die Fotos sah“, erinnert sich Wiebke C. und Janneke, ihre 15-jährige Tochter, ergänzt: „Hitler war so weit weg, Schulunterricht halt. Und plötzlich sitzt er auf einem Segelboot neben meinem Uropa. Wie kam es dazu?“

Unsere Zeitung hat wegen des Bildes sowohl beim NS-Dokumentationszentrum in München als auch beim Bundesarchiv in Berlin nachgefragt. Allerdings war die Aufnahme dort jeweils unbekannt. „Das Foto von Hitler würden wir auf den Zeitraum von ungefähr 1927 bis 1932 schätzen“, konnte eine Sprecherin aus München immerhin sagen. Bekannt ist über Knüpling, dass er am 7. August 1908 geboren wurde und am 27. Mai 1940 gefallen ist. Beigesetzt wurde der Wildeshauser in der Kriegsgräberstätte in Lommel (Belgien).

Enkelin und Urenkelin am Denkmal: Hier wird an Paul Knüpling erinnert, doch über den Nationalsozialisten aus Wildeshausen ist wenig bekannt.

Neben den Fotos vom Schiff gab es wohl auch noch eine Aufnahme von der Großmutter Hanna, geborene Eiben, als Tischdame von Hitler. Wiebke C. fragt sich mittlerweile: „Wer war mein Opa eigentlich? Ich wusste über Paul nicht wirklich viel. Er war Soldat und fiel im Weltkrieg. Meine Mutter Frauke war damals fünf Jahre alt und konnte sich auch nicht mehr wirklich erinnern. Das war alles.“

Für die Recherche fuhren die Frauen kurzerhand zu Heger nach Wildeshausen, wo die Familie Knüpling am Zuschlagsweg gewohnt hatte. „Er war wohl ein glühender Nazi, so viel steht fest. Er hätte mit drei kleinen Kindern nicht in den Krieg ziehen müssen. Seine Eltern hatten eine Brauerei und eine Ölmühle an der Heemstraße (heute Landmaschinen Schröder), später stieg er in die pharmazeutische Fabrik seiner Schwiegereltern ein. Schulkinder mussten damals wohl gegen ein kleines Entgelt Kräuter und Pflanzen für die Herstellung von medizinischen Wässerchen und Heilmitteln sammeln und bei Knüpling abgeben“, berichtet Wiebke C. über ihren Großvater.

Ein Teil der Verwandtschaft wohnt noch in der Wildeshauser Umgebung. Dort vermutet man nach Angaben der Enkelin, dass Paul Knüpling involviert war in SS oder/und SA. Ein Cousin habe als Kind wohl auf dem Grundstück der Oma gebuddelt und plötzlich SS- und SA-Sitzungsprotokolle gefunden. Die seien allerdings umgehend verbrannt worden.

„Vielleicht kann sich in Wildeshausen ja noch jemand an die Familie erinnern und der Enkelin Auskunft geben“, so Heger. „Ich suche auch weiterhin nach Fotos, Dokumenten und Informationen über die Toten des Zweiten Weltkrieges, die auf dem Ehrenmal verzeichnet sind.“

Kontakt

Susanne Heger ist unter der Telefonnummer 0177/8825010 und per E-Mail an suseheger@outlook.de zu erreichen. Wir werden weiter berichten.

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