Schulen und Kitas geschlossen: Kinderbetreuung fordert Familien heraus

Eltern müssen sehen, wo sie bleiben

Freut sich, dass ihre Tagesmutter kommen darf: Sabrina Petersen mit ihren Jungs Tim (links) und Philip sowie ihrer vier Jahre alten Nichte. Foto: bor

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Seit Montag sind Kindergärten und Schulen in der Kreisstadt wie in ganz Niedersachsen geschlossen. Unsere Zeitung hat mit zwei Familien aus Wildeshausen darüber gesprochen, wie sie diese Ausnahmesituation meistern. Klar wird dabei: Die Eltern müssen schauen, wo sie bleiben. Auf die Notbetreuung in den Kitas und Schulen will sich kaum jemand einlassen. Laut Stadtverwaltung werden dort nur eine Handvoll Kinder betreut. Wohl auch, weil viele Erziehungsberechtigte eine Ansteckungsgefahr fürchten.

Sabrina Petersen (35) ist verunsichert. Die alleinerziehende Mutter passt auf ihre zwei Jungs Tim (elf) und Philip (13) sowie ihre vierjährige Nichte auf. Deren Eltern müssen genau wie der getrennt von ihr lebende Vater von Tim und Philip weiter arbeiten. Auch Petersens Arbeitgeber, die Diakonie Himmelsthür, hat sich gemeldet und gefragt, ob die Sozialassistentin mehr Stunden übernehmen kann. „Das würde ich ja machen, aber nicht ohne Absicherung für meine Kinder“, sagt die zweifache Mutter.

Petersen findet es eigentlich gut, dass die Schulen und Kindergärten jetzt für eine Weile geschlossen sind. „Aber das ist doch nicht zu Ende gedacht“, sagt sie. „Was sollen alleinerziehende Mütter oder Väter denn machen? Wir haben doch eine Fürsorgepflicht für die Kinder.“ Und zur Oma könnte sie den Nachwuchs nicht geben, da diese einer Risikogruppe angehöre. „Sie ist schon ganz traurig, dass sie die Kinder nicht mehr sieht.“

Seit ein paar Jahren übernimmt eine Tagesmutter hin und wieder die beiden Jungs der Wildeshauserin. „Doch die weiß noch nicht, ob sie ihre Tätigkeit weiter ausüben darf“, beschreibt Petersen die Lage bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. Nur wenige Stunden später kommt zu ihrer Erleichterung Entwarnung. Die Tagesmutter kann die Kinder betreuen, und Petersen übernimmt dafür kurzfristig zwei Frühschichten bei der Himmelsthür in dieser Woche. Ihre Chefin sei sehr verständnisvoll.

Aber eine Sorge treibt die 35-Jährige immer noch um. „Was passiert mit den Kindern, wenn ich mich anstecke?“ Sie wünscht sich, dass der Staat und die Behörden ihr in einer solchen Situation beistehen. Überhaupt sei jetzt eigentlich nicht die Zeit, in der jeder egoistisch Klopapier, Nudeln und Co. zu Hause horten solle.

Auch die Familie Schütte-Rollié geht in der Krise neue Wege. Die beiden Töchter Mia-Antonia (10) und Emma-Sophie (13) bleiben alleine zu Hause, wenn ihre Eltern arbeiten. Beide sind in Krankenhäusern in der Region tätig. Das sei keine Ideallösung, meint Mutter Eva-Maria Rollié-Schütte (52). „Aber ich bin ganz froh, dass wir die beiden allein lassen können. Sollte das jedoch fünf Wochen so sein, wäre das schon schwierig.“ In den eigentlichen Osterferien haben sie und ihr Mann Glenn (53) jeweils eine Woche freigenommen.

Zu den Großeltern sollen die Töchter auf keinen Fall, da diese zur Corona-Risikogruppe gehören. Die Betreuung in der Realschule wäre möglich, da beide Eltern im Krankenhaus arbeiten. „Aber man soll die Kinder ja möglichst isolieren“, ist Eva-Maria Rollié-Schütte skeptisch. Ein „richtig gutes Gefühl“ mit der aktuellen Situation hat sie nicht, aber die Familie macht das Beste daraus. So haben die Kinder noch jede Menge Aufgaben aus der Schule zu bewältigen und werden auch von ihren Eltern damit versorgt. „Das ist keine Ferienzeit“, betont Eva-Maria Rollié-Schütte.

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