Asbest zu spät entsorgt

Eingestürzter Unterstand erhitzt vor Gericht die Gemüter

So sah der Unterstand am 22. Februar 2016 aus. - Foto: dr
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So sah der Unterstand am 22. Februar 2016 aus.

Wildeshausen - Von Dierk Rohdenburg. Ein lange Zeit baufälliger und dann in sich zusammengefallener Pferdeunterstand in der Wildeshauser Pagenmarsch beschäftigte das Amtsgericht am Dienstag rund 90 Minuten und wird auch in Zukunft noch Thema sein. Da derzeit nicht klar ist, wann der Verschlag einstürzte und ob die Dachplatten tatsächlich Asbest enthielten, muss nun ein Gutachten eingeholt werden.

Während der angeklagte Besitzer der Fläche, ein 78-jähriger Rentner, von Diffamierung durch den Hinweisgeber sprach und sogar vor Ärger die Faust ballte, beteuerte der Zeuge, dass er lediglich eine Meldung an die Stadt gegeben habe, dass der Unterstand im Zuge des Hochwassers im Februar 2016 zusammengebrochen sei. Er ist Geschäftsführer des an die Pferdeweide angrenzenden Unternehmens und hatte die Stadtverwaltung am 17. März 2017 per E-Mail darüber informiert, dass der Verschlag „seit Monaten“ eingestürzt sei. Er äußerte die Befürchtung, dass es sich bei dem Dach um asbesthaltige Eternitplatten handelt. Der zuständige Polizeihauptkommissar für Umweltdelikte war dann am 5. April vor Ort und stellte „Altlagerung von Zwangsabfall“ fest. Seiner Einschätzung vor Gericht zufolge handelte sich um ältere Asbestplatten, die entsorgt werden mussten.

Die Beseitigung, so der Angeklagte, habe er sofort veranlasst, als das Schreiben des Landkreises kam. Der Entsorgungsbeleg der Fachfirma, der vor Gericht vorlag, datierte in der Tat vom 31. Mai 2017.

„Mein Mandant hat den Schaden aber schon Ende 2016 gesehen“, erklärte der Verteidiger. Damals habe der Eigentümer der eingeschalteten Entsorgungsfirma jedoch darauf hingewiesen, dass die Beseitigung der Platten wegen des Überschwemmungsgebietes erst im Mai erfolgen könne.

Einsturz-Zeitpunkt unklar

Die Verhandlung drehte sich unter anderem um die Frage, wann der Schuppen eingestürzt war. Ein Foto des Zeugen legte nahe, dass dieses irgendwann im Februar geschehen war. Der Angeklagte hingegen beteuerte, dass Mitarbeiter der Hunte-Wasseracht noch im Juni 2016 den stehenden Schuppen gesehen hätten, als sie Flurschäden vom Bau des benachbarten Betriebes beseitigt hatten. Der Zeuge versuche, ihn zu diffamieren, und sei nie gesprächsbereit gewesen, wetterte der 78-Jährige. Er und sein Verteidiger bohrten nach, ob es den Geschäftsführer nicht „gewurmt“ habe, dass der Weidenbesitzer auf die Beseitigung der Umweltschäden nach dem Bau und im Rahmen der Bauleitplanung auf Aufschüttungen im Gelände gepocht habe. „Das war sein gutes Recht“, entgegnete der Geschäftsführer. „Es ist alles so ausgeführt worden.“

Rund eine halbe Stunde benötigte der Verteidiger dann sehr zum Verdruss des Staatsanwaltes, um die Beweisanträge schriftlich zu formulieren. Geklärt werden muss nun, ob in den Dachplatten Asbest war. Zudem sollen der Geschäftsführer der Entsorgungsfirma und ein Mitarbeiter der Hunte-Wasseracht geladen werden, um zu klären, wann der Schuppen eingestürzt war und ob der Besitzer rechtmäßig gehandelt hat. So lange wird das Verfahren ausgesetzt.

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