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In zehn Jahren den Gasverbrauch eines Einfamilienhauses halbiert

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Von: Dierk Rohdenburg, Ove Bornholt

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Vor der „Grünen Hausnummer“: Jens und Ines Liebert haben das frei stehende Architektenhaus vor zehn Jahren gekauft.
Vor der „Grünen Hausnummer“: Jens und Ines Liebert haben das frei stehende Architektenhaus vor zehn Jahren gekauft. © bor

In zehn Jahren haben die Lieberts den Gasverbrauch ihres Einfamilienhauses in Wildeshausen halbiert. Und zwar ohne eine neue Heizung einzubauen.

Wildeshausen – Wie man mit Ideen und Hartnäckigkeit den Energieverbrauch eines Einfamilienhauses von 1980 mehr als halbieren kann, ohne eine neue Heizung einzubauen, haben Jens und Ines Liebert aus Wildeshausen gezeigt. Das Ehepaar hat gut zehn Jahre an seinem Eigenheim an der Hermannstraße in der Kreisstadt gewerkelt, sodass nun nicht nur eine günstige Energiebilanz, sondern auch eine „Grüne Hausnummer“ dabei herumgesprungen ist. Damit werden Gebäude ausgezeichnet, die besonders energieeffizient sind. Im Gespräch mit unserer Zeitung berichten die beiden, was sie konkret gemacht haben.

Die 38-jährige Mediengestalterin und der 40-jährige IT-Solution-Architekt sind im Jahr 2012 in das frei stehende Architektenhaus eingezogen. Erst standen nur ein paar Schönheitsreparaturen an, aber dann widmeten sich die Lieberts, allen voran Ehemann Jens, der energetischen Sanierung. Die Ausgangssituation der Jahresverbräuche: 35.755 Kilowattstunden Gas, 4.429 Kilowattstunden Strom und 100 Kubikmeter Wasser.

Die Ausgangsverbräuche pro Jahr: 5 .755 Kilowattstunden Gas, 4.429 Kilowattstunden Strom und 100 Kubikmeter Wasser.
Die Ausgangsverbräuche pro Jahr: 5 .755 Kilowattstunden Gas, 4.429 Kilowattstunden Strom und 100 Kubikmeter Wasser. © Liebert

Jens Liebert sitzt beruflich viel am Computer und sieht die körperlichen Arbeiten am Haus als Ausgleich an, außerdem kann er hier seine IT-Fähigkeiten einbringen. Mittlerweile hat sich das 40 Jahre alte Gebäude zu einem „Smart Home“ entwickelt. Über Meldekontakte an allen Fenstern wird der Status (geschlossen, gekippt, offen) ermittelt. Das System wird unter anderem verwendet, um Heizungsventile zu schließen und auf zu lange geöffnete Fenster hinzuweisen. Es fungiert außerdem als Alarmanlage. Mit dem Einbau von Temperatursensoren in sämtlichen Räumen sowie in der Fußbodenheizung und überhaupt bei der Heizungsanlage ist es zusätzlich gelungen, den Verbrauch zu steuern beziehungsweise Wärmeverluste zu ermitteln. Die Anlage wurde auch mit neuer Technik, Dämmung und Steuerelementen aufgerüstet. Aber von einem Austausch sah das Paar bisher ab – erst jetzt soll eine Wärmepumpe für noch mehr Einsparungen sorgen. Die alte Heizung sei an sich noch gut gewesen. „Und ich wollte erst einmal alles vernünftig isolieren, damit ich weiß, welche Leistung ich benötige“, sagt Jens Liebert.

Wärme- beziehungsweise Kältebrücke: Der kleine Balkon wurde entfernt.
Wärme- beziehungsweise Kältebrücke: Der kleine Balkon wurde entfernt. © Liebert

Im Laufe der Zeit haben die Lieberts deswegen das Haus vom Dach bis zum Mauerwerk neu gedämmt. „Mit den Jahren haben wir uns immer weiter durchs Gebäude gearbeitet“, sagt der Eigentümer. Den Arbeiten fiel unter anderem ein kleiner Balkon zum Opfer, weil er eine Wärme- beziehungsweise Kältebrücke war. Im Garten wurden zwei 1.000-Liter-Tanks ins Erdreich eingelassen, in denen Regenwasser aufgefangen wird. Dieses dient dann der bedarfsgesteuerten Bewässerung der Pflanzen und des Rasens. Dazu verwendet Jens Liebert Bodenfeuchtesensoren. Für die Energieproduktion ist mit zwei Fotovoltaikanlagen gesorgt, eine auf dem Dach und ein sogenanntes „Balkonkraftwerk“.

In zwei 1.000-Liter-Tanks im Erdreich wird Regenwasser aufgefangen.
In zwei 1.000-Liter-Tanks im Erdreich wird Regenwasser aufgefangen. © Liebert

Natürlich waren auch Handwerker im Einsatz. Aber die Lieberts haben viel in Eigenleistung gemacht und sich selbst in Sachen Energiesparen fortgebildet. „Ich habe da Lust drauf und keine Scheu, die Dinge anzugehen“, sagt Jens Liebert. Ihm kam zupass, dass er berufliche Erfahrungen mit Elektrik hat. „Außerdem liest er sich im Internet schlau“, lobt seine Frau.

Und was hat‘s gebracht? Der Gasverbrauch im vergangenen Jahr ist um 56 Prozent auf 15.562 Kilowattstunden zurückgegangen – ohne den Einbau der Wärmepumpe und die Isolierung der Kellerdecke, die jetzt anstehen. Beim Strom stieg der Verbrauch im Jahr 2021 leicht auf 4.462 Kilowattstunden an – allerdings ohne die Fotovoltaikanlage und mit Vollzeitarbeit im Homeoffice. Bei Wasser ist eine Einsparung um die Hälfte auf 50 Kubikmeter zu verzeichnen.

Nächster Schritt: Eine Wärmepumpe soll noch mehr Energie einsparen.
Nächster Schritt: Eine Wärmepumpe soll noch mehr Energie einsparen. © bor

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Als Belohnung fällt nicht nur die Energierechnung kleiner aus, es gab vor Kurzem auch eine „Grüne Hausnummer“. Damit zeichnet die Klimaschutz- und Energieagentur Niedersachsen vorbildliche Projekte aus. Dabei soll das nicht das Ende der Fahnenstange sein. „Es hört, glaube ich, nie auf“, sagt Ines Liebert mit Blick auf ihren Mann. Der will das Haus so weit ertüchtigen, dass er in 20 oder 30 Jahren in Rente gehen kann und das Gebäude dann immer noch den energetischen Anforderungen entspricht.

Bleibt noch eine Frage: Was hat das Ganze gekostet? Da kann Jens Liebert keine Summe nennen. Allerdings hat er, wo immer es ging, Fördermittel in Anspruch genommen.

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