Urgeschichtliches Zentrum ohne Abstriche

Wildeshauser Stadtrat fällt wichtige Grundsatzentscheidung für das UZW

Auf der Suche nach einem Kompromiss: Die Ratsmitglieder, alle mit Maske, in der Sitzungspause.
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Auf der Suche nach einem Kompromiss: Die Ratsmitglieder, alle mit Maske, in der Sitzungspause.

Der Wildeshauser Stadtrat hat eine Grundsatzentscheidung für das Urgeschichtliche Zentrum Wildeshausen (UZW) getroffen. Dabei setzten sich die Fraktionen durch, die keine Abstriche bei dem 4,15 Millionen-Euro-Projekt, das zu zwei Dritteln gefördert wird, machen wollen.

Ausgangssperre hin oder her: So mancher Zuschauer der Sitzung des Wildeshauser Stadtrates am Donnerstagabend in der Turnhalle der Wallschule war so interessiert, dass er nicht nach Hause gehen wollte, obwohl es nach 21 Uhr war. Anders als die Ratsmitglieder galt für die Zuschauer keine Ausnahmegenehmigung, weswegen sich die Politiker kurzfassen sollte. Doch der Appell des Ratsvorsitzenden Günter Lübke verhallte offenbar ungehört.

Es bedurfte einer rund zweistündigen Sitzung, um das Ergebnis der Ausschusssitzung vom Vortag zu bestätigen. Der Rat votierte mehrheitlich gegen die Stimmen von CDU und CDW dafür, das Urgeschichtliche Zentrum (UZW) weiter zu planen und das alte Feuerwehrhaus entsprechend zu sanieren, ohne die alten Fahrzeughallen abzureißen. Ebenfalls Zustimmung fand das Betriebskonzept. Damit fällte das Gremium eine Grundsatzentscheidung für das UZW, die kurz vor der Abstimmung noch anders auszusehen schien.

Hohe Kosten für die Zwischendecke

Denn angesichts von Bedenken in der CDU und CDW wegen der hohen Kosten hatte die Verwaltung in Absprache mit dem Förderverein für das Urgeschichtliche Zentrum einen Kompromiss vorgeschlagen: Die Museumspädagogik sollte vom ersten Stock ins Erdgeschoss verlegt und das dort eigentlich geplante Café gestrichen werden. Dann müsste die Tragfähigkeit der Decke über der Fahrzeughalle nicht verstärkt werden, was voraussichtlich mehrere 100 000 Euro kosten wird. Insgesamt werden rund 4,15 Millionen Euro für das UZW veranschlagt, wovon das Land zwei Drittel bezahlt.

„Das Café ist wichtiger Bestandteil der Attraktivität eines Museums. Das wäre eine deutliche Schwächung des inhaltlichen Konzepts“, missfiel Klaus Schultze (Grüne) die Idee der Verwaltung.

Für Marko Bahr (FDP) schien der Vorschlag immerhin ein „guter Kompromiss“ zu sein, während sein Parteifreund Arne Peters betonte: „Ohne Gastronomie würde das System nicht funktionieren.“

CDU und CDW setzen sich nicht durch

Jens-Peter Hennken (CDW) meinte hingegen, dass die Politik der Innenstadt einen Gefallen tue, wenn sie das Café streiche. „Damit ziehen wir Kaufkraft in die Stadt.“ Der Ratsherr versicherte: „Die CDW steht voll hinter dem UZW.“ Man müsse aber auch die Finanzen sehen, begrüßte er den Kompromissvorschlag, der das Geld für die Deckensanierung einspare.

Mit einem „faulen Kompromiss“ wollte sich Rainer Kolloge (UWG) allerdings nicht zufriedengeben. Das Projekt solle durchgezogen werden. Die Ertüchtigung der Decke werde doch zu zwei Drittel gefördert, stellte er fest und kritisierte die CDW und auch die CDU, die sich öffentlich für das UZW aussprechen würden, aber „hintenrum dagegen sind“. Das Verhalten sei ein Musterbeispiel dafür, „dass in Deutschland nichts mehr vorwärtsgeht“.

„Die CDU hat nie gesagt, dass sie gegen das UZW ist. Wir wollen aber eine geordnete Finanzierung“, hielt Christdemokrat Wolfgang Sasse dagegen, und Stephan Rollié (CDW) witterte gar einen „unangenehmen und unsachlichen Wahlkampfauftritt“ von Kolloge.

„Es hat ja auch negative Auswirkungen, wenn wir das Café weglassen“, warnte hingegen Evelyn Goosmann (SPD) davor, das Projekt „kleinzureden“.

Es zeichneten sich zwei Gruppen ab. Auf der einen Seite UWG, FDP, Grüne, Linke und SPD, die das UZW ohne Abstriche wollten und dem gegenüber CDU und CDW. Bauamtsleiter Hans Ufferfilge versuchte, einen Kompromiss zu finden, und schlug eine Art Notbremse vor: Sollte sich der technische und finanzielle Aufwand der Deckensanierung als zu erheblich herausstellen, müsse der Rat noch einmal neu entscheiden.

Die formelle Sitzung wurde unterbrochen, sodass sich die anwesenden Ratsmitglieder – rund die Hälfte war vor Ort, der Rest war online zugeschaltet – austauschen konnten. Letztendlich einigte man sich auf einen für alle Seiten gangbaren Weg. Nämlich, dass die Notbremse bei einer „erheblichen finanziellen Überforderung durch die Sanierung der Zwischendecke“ greifen sollte. So könne mit einer breiten Mehrheit signalisiert werden, dass die Politik hinter dem UZW stehe, meinte Sonja Plate (CDU).

Der Kompromiss kam dann aber gar nicht zur Abstimmung. Der Ratsvorsitzende Lübke ließ erst über einen Antrag von Karl Schulze Temming-Hanhoff entscheiden, der erst einmal einen Trägerverein gründen wollte, bevor weiter geplant wird. Dafür fand sich keine Mehrheit. Und statt dann über den Kompromiss abzustimmen, ließ Lübke über die ursprüngliche Beschlussvorlage entscheiden, die eine Weiterplanung ohne Abstriche vorsieht. Dem stimmten UWG, Grüne, Linke, FDP und SPD zu und setzten sich damit gegen CDU und CDW durch. Der Kompromissvorschlag war damit obsolet.

Bleibt abzuwarten, wie teuer die Sanierung der Zwischendecke nun wird. Die weitere Beratung findet im Bauausschuss statt, sobald konkrete Zahlen vorliegen.

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