Weltpremiere in Wildeshausen: Imagefilm soll Ehrenamtliche ansprechen

Eine Fahrt mit „Tante Bürgerbus“

Setzen sich für den Bürgerbus ein: Landrat Carsten Harings, Stefan Bendrien (ZVBN), Bürgermeister Jens Kuraschinski, Regisseur Wolfgang Wortmann, Christof Herr (ZVBN), Richard Eckermann (Landesverkehrsministerium) und Bärbel Mack (von links) vom Bürgerbusverein in Wildeshausen. Foto: bor

Wildeshausen – Für Menschen wie sie ist der Bürgerbus gedacht: Die Wildeshauser Rentnerin Roswitha Stieglitz leidet an einer Augenerkrankung und darf nicht mehr Auto fahren. „Es fällt alles flach, man bleibt zu Hause in der Wohnung und vereinsamt praktisch“, erzählt sie. Für die Seniorin ist der Bürgerbus die Verbindung nach draußen. „Mir geht‘s doch gut hier“, freut sie sich über das Angebot in der Kreisstadt.

Knapp 10 000 Fahrgäste befördert der Bürgerbus Wildeshausen pro Jahr. An Nutzern mangelt es also nicht, allerdings fehlt es immer mal wieder an Fahrern. Damit sich künftig wieder mehr Menschen hinters Steuer setzen, hat der Weyher Regisseur Wolfgang Wortmann an 15 Drehtagen einen qualitativ hochwertigen Film mit Darstellern aus Wildeshausen produziert. Der Streifen feierte am Montagvormittag „Weltpremiere“ im LiLi-Servicekino, wie Christof Herr vom Zweckverband Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (ZVBN) mit einem Augenzwinkern sagte. Mit dem Film sollen im gesamten Verbandsgebiet von Bremerhaven bis Diepholz sowie von Hude bis Rotenburg Ehrenamtliche gewonnen werden.

Stieglitz erzählt in dem viertelstündigen Film ihre Geschichte. Hauptfigur ist aber Fahrerin Bärbel Mack aus Wildeshausen. „Man kommt unter Leute. Und die erzählen mir auch Sorgen und Nöte, die man natürlich für sich behalten muss“, erklärt sie ihre Motivation. Nachdem die Enkelkinder ihre Hilfe nicht mehr gebraucht hätten, habe sie sich eine neue Aufgabe gesucht, mit der sie zufrieden sei.

Mack alias „Tante Bürgerbus“ fährt seit ein paar Jahren ehrenamtlich wie alle knapp 20 aktiven Fahrer des Bürgerbusvereins. Diese absolvieren Woche für Woche 15 Schichten à vier Stunden, steuern den VW-Achtsitzer vom Katenbäker Berg bis zum Bahnhof und von ebendort bis zum Gelände der alten Wittekind-Kaserne.

Bürgerbus als Beitrag zum Miteinander

Der Film zeigt auch, dass nicht nur Rentner, die gesundheitlich eingeschränkt sind, den Bürgerbus nutzen, sondern auch junge Menschen und Familien. Für Renate Hocke, Vorsitzende des Bürgerbusvereins, ist der Film „notwendig“. „Wir können uns zusätzliche Routen vorstellen, haben aber zu wenig Fahrer.“ Sie wünscht sich allerdings auch, dass der Hauptfahrzeuglieferant Volkswagen technologisch mutiger wird und zum Beispiel Brennstoffzellen als Antrieb anbietet.

Dass der Bürgerbus mit zwei Linien in der Kreisstadt aktiv ist, sei ein wichtiger Beitrag zur Mobilität, aber auch bedeutend für das Sozialleben in der Stadt, befanden Bürgermeister Jens Kuraschinski und Landrat Carsten Harings. Sie richteten neben ZVBN-Vertreter Herr ein Grußwort an die Teilnehmer der nichtöffentlichen Premiere. Eingeladen waren unter anderem Fahrer, aber auch Kreistags- und Stadtratsabgeordnete.

Herr befand, der Bürgerbus sei ein „wertvoller Beitrag, um das Problem der Mobilität im ländlichen Raum anzugehen“. Vielerorts sei die Nachfrage vorhanden, aber es gebe zu wenig Fahrer. „Im Landkreis Oldenburg ist es nicht möglich, alle Ecken im großen Stil mit Buslinien zu bedienen“, betonte Landrat Harings den Wert des ehrenamtlichen Angebots in Wildeshausen und Ganderkesee. Daran gebe es nichts zu kritisieren. „Es ist sehr einfach, etwas zu bekritteln, aber die Leute sollten mitmachen, sonst ändert sich nichts“, sagte er und wünschte sich, dass auch in anderen Gemeinden Bürgerbusse fahren.

Für Bürgermeister Kuraschinski ist der Bürgerbus in Wildeshausen eine Erfolgsgeschichte. Die Stadt fördert das Engagement mit 14 500 Euro jährlich und unterstützt bei der Anschaffung neuer Fahrzeuge. „Der Bürgerbus hat eine gesellschaftliche Funktion und verbindet die Stadtteile. Das ist ein Beitrag zu einer lebendigen Innenstadt.“

Viele warme Worte also, aber es gab auch einen Redner, der etwas mehr mitbrachte als das: Richard Eckermann aus dem Verkehrsministerium verkündete, dass das Land künftig bei Neuanschaffungen von Bürgerbussen maximal 75 000 Euro und nicht wie bisher höchstens 60 000 Euro übernimmt. Dafür war ihm Applaus sicher.  bor

Anschauen

Der Bürgerbusfilm soll spätestens heute ins Internet gestellt werden und ist im Channel des Verkehrsverbunds Bremen/Niedersachsen auf Youtube zu finden.

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