Teilnehmer starteten in Bremen und machten in Wildeshausen Station 

Eine Fahrradtour gegen Schuldgefühle und Stigmatisierung von Depressionen

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Die sechs Tandem-Fahrer machten in Wildeshausen Station und übernachteten in der Region.

Wildeshausen - Sehr viele Menschen leiden unter Depressionen. Doch viele Betroffene möchten darüber nicht sprechen. Sie versuchen, die Krankheit zu verbergen, isolieren sich und entwickeln Schuldgefühle, weil sie nicht mehr so leistungsfähig sind wie andere. Oft heißt es von anderen Menschen: „Lass dich nicht hängen“, oder „Drück dich doch nicht schon wieder“.

Dieser Umgang mit der Krankheit ist grundlegend falsch. Und darüber infomieren jedes Jahr Teilnehmer der Mut-Tour, die Betroffene durch ganz Deutschland führt. Am Montag starteten sie um 11.30 Uhr in Bremen. Drei Tandems trafen bereits um 16 Uhr in Wildeshausen ein, wo die Teilnehmer dann einen Platz für ihr Zelt suchen wollten. Am Sonntag werden die Radler am Endpunkt in Mönchengladbach erwartet.

Ziel der Etappen-Teilnehmer ist es, täglich Journalisten und interessierten Bürgern über ihren Umgang mit Depressionen zu berichten. Nicht alle möchten das mit ihrem Namen. Manch einer verbirgt sich hinter einem Schild, wenn ein Foto gemacht wird. Doris Schulten aus Berlin hingegen steht seit wenigen Monaten zu ihrer Erkrankung. Jahrzehntelang hat die 63-jährige Berlinerin geschwiegen. Seitdem sie in Rente ist, spricht sie jedoch offen darüber. 

„Ich werde sie nicht mehr los“

„Bei der Depression handelt es sich um eine Krankheit, die behandelbar ist“, sagt sie. Allerdings wisse sie, dass die Depression immer ihr Begleiter sein werde. „Ich werde sie nicht mehr los. Ich muss akzeptieren, dass sie da ist.“ Für sie sei es eine Befreiung, endlich darüber sprechen zu können. Sie nehme Medikamente, nutze psychotherapeutische Angebote und suche den körperlichen Ausgleich. „Dazu gehört auch diese Radtour“, stellte sie fest.

Ziel des Fahrens ist, dass die Teilnehmer erleben, wie Sport ohne Leistungsdruck in Kombination mit Struktur, Natur und Gemeinschaft die Stimmung heben kann. Bislang haben 126 depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen über 22.000 Kilometer zurückgelegt. Bei der Tour in diesem Jahr sind es insgesamt 45 Teilnehmer und 3200 Kilometer.

dr

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