Einbrecher stiehlt mehr als nur Schmuck

Wenn das Sicherheitsgefühl weg ist: Polizei berät Verbrechensopfer

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Polizist Martin Klinger zeigt die Stelle, an der die Terrassentür aufgehebelt wurde. Vermutlich hat der Einbrecher nur ein paar Sekunden gebraucht, um ins Haus zu kommen.

Wildeshausen - Von Ove Bornholt. Es geschah in seiner Abwesenheit: Der Wildeshauser Marko Borchers (Name von der Redaktion geändert) war gerade auf Geschäftsreise, als ein Unbekannter in das Haus einbrach, in dem er mit seiner Frau lebt.

Der Schmuck des Paars ist nun genauso verschwunden wie das Sicherheitsgefühl in den eigenen vier Wänden. Deswegen hat sich der 36-Jährige dazu entschlossen, an einer Einbruchsberatung der Wildeshauser Polizei teilzunehmen. Unsere Zeitung war dabei und gibt Tipps, wie man sein Heim gegen die Langfinger schützen kann.

Borchers und Polizist Martin Klinger sitzen im Wohnzimmer des an einer ruhigen Spielstraße gelegenen, alleinstehenden Einfamilienhauses. Die beiden Männer blicken in Richtung Terrassentür. „Wahrscheinlich war es eine 30-Sekunden-Sache“, sagt Borchers. Klinger nickt. „Mehr bestimmt nicht.“ Der Einbrecher hatte die rückwärtig gelegene Tür vermutlich mit einem Schraubenzieher aufgehebelt. Etwa zwei Meter hohe Baumhecken schützten ihn vor einer Entdeckung, sodass er wahrscheinlich tagsüber, eventuell in der Dämmerung, tätig werden konnte – Bewegungsmelder mit Licht hin oder her. Im Haus machte sich der Unbekannte auf die Suche nach Beute, wurde fündig und verschwand mit dem Schmuck von Borchers‘ Frau. Geld ließ er dagegen liegen. „Vielleicht wurde er gestört“, vermutet der 36-jährige Wildeshauser.

„Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl!“

Zeit hätte der Unbekannte eigentlich gehabt. Denn die Eltern von Borchers sollten auf das Haus aufpassen, die Rollläden runterlassen, die Post reinholen. Das taten sie auch. Nur an dem einem Tag nicht. Das nutzte der Einbrecher aus. Möglicherweise kein Zufall. Borchers berichtet, er habe das Gefühl gehabt, beobachtet zu werden. Einmal sei da ein Mann an der Straße gewesen, der dort nicht hingehöre. „Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl!“, rät Klinger, der bei einem Verdacht zum Anruf bei der Polizei rät.

„Da kommt ja kein Senior mit einem Holzbein“

Der Beamte hat sich bei einem Rundgang ums Haus einen Blick über die Sicherheitslage verschafft und eine Reihe von Schwachpunkten entdeckt. In einem unabgeschlossenen Schuppen neben dem Haus liegt eine Leiter. Quasi eine Einladung für Einbrecher. Zudem wäre es möglich, über den Schuppen aufs Terrassendach und damit an die Fenster im ersten Stock zu gelangen. „Da kommt ja kein Senior mit einem Holzbein“, sagt Klinger. Überhaupt erkennt der Polizist in den Fenstern Schwachstellen: Er vermisst eine Pilzkopfverriegelung. Rundzapfen seien ein leichtes Spiel für jemanden, der unbefugt ins Haus will. Bei Pilzköpfen müsste der Einbrecher jeden einzelnen rausbrechen. Das sei mit einem hohen zeitlichen Aufwand verbunden.

Borchers hat sich nach dem Einbruch mit Sicherheitstechnik beschäftigt, eine Videokamera installiert, die tagsüber ganz gute Bilder anfertigt. Und nachts? Klinger ist skeptisch: „Es ist sinnvoller, das Geld in die Mechanik zu investieren. Die verhindert nämlich, dass der Täter reinkommt. Elektronik verhindert hingegen keinen Einbruch.“

Investitionen in die Mechanik

Aber: „Kameras können das Sicherheitsgefühl erhöhen.“ Doch Hausbesitzer seien schnell mit 1. 500 Euro für Videoüberwachung und 5 .000 bis 7. 000 Euro für eine Einbruchmeldeanlage dabei. Ein Fenster lasse sich dagegen für 150 bis 200 Euro mit Pilzköpfen nachrüsten, meint der Beamte, dem klar ist, dass es bei Einbruchsschutz auch um ein gutes Kosten/Nutzen-Verhältnis geht. Klinger hat im vergangenen Jahr 84 Hausbesitzer beraten. Zum Abschied lässt er Borchers eine dicke Mappe mit Broschüren, Tipps und Listen von Fachfirmen da. Ordentlich Lesestoff, den Borchers sich zu Gemüte führen möchte, denn: Das nächste Mal soll der Einbrecher draußen bleiben.

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