Architekt Stephan Damke appelliert an alle Beteiligten

Alte Lohgerberei in Wildeshausen: „Ein Jammer, dass der Abriss bevorsteht“

Mit einer Handskizze veranschaulicht Stephan Damke, wie die alte Lohgerberei aussehen könnte, wenn sie saniert werden würde.

Wildeshausen - „Es ist wirklich ein Jammer, dass wieder einem Stück Alt-Wildeshausen der Abriss bevorsteht“, beklagen Architekt Stephan Damke und seine Frau Kirsten in einer Stellungnahme zur alten Lohgerberei in Wildeshausen. Damke hat in den vergangenen Jahren viel historische Bausubstanz gerettet. So hat er ein altes Ackerbürgerhaus im Schatten der Alexanderkirche saniert.

In einem Brief schreiben die Damkes: „Gerade diese Gassen, Hinterhöfe und lauschigen Plätze sind es doch, die man aufsucht, wenn man im Urlaub ist und derer wegen man weite Strecken auf sich nimmt. Und genau das stellen die Hinterhöfe Benecke dar.

Es ist doch geradezu paradox, dass man sich zeitgleich eines ,Mittelalterlichen Marktes‘ erfreut und mit Hütten aus Altholz eine heimelige Atmosphäre zu erzeugen versucht, die keine hundert Meter entfernt im Original noch komplett erhalten ist. Durch den Abriss verliert man wieder einen Baustein, der die Identität einer Kleinstadt wie Wildeshausen ausmacht.

Dabei wären alle Voraussetzungen für eine kulturelle, kommerzielle oder gastronomische Nutzung vorhanden: Der Innenhof orientiert sich geradezu ideal nach Südwesten zur Sonne. Der Gildeparkplatz ist direkt davor und die Hinterhöfe auf den ersten Blick sichtbar. Es wäre das Postkartenmotiv schlechthin und der erste Eindruck des Besuchers, den man mitnimmt, wenn man ankommt.

Hier hat man nun die einmalige Gelegenheit, ein Stück Geschichte hinüberzuretten. Andere Städte wären froh, wenn sie auf solche Schätze zurückgreifen könnten.

Strukturen sind von entscheidender Bedeutung

Diese alten gewachsenen Strukturen sind von entscheidender Bedeutung für eine Stadt. Wenn Sie Ihrem Weihnachtsbesuch Bremen zeigen wollen, gehen Sie doch auch in aller Regel zum Marktplatz, durch die Böttcherstraße und den Schnoor – und zeigen kein Neubaugebiet.

Daher hätte aus unserer Sicht insbesondere die Erhaltung der äußeren Struktur Priorität – der Innenraum muss sich der neuen Nutzung unterordnen, damit es sich rechnet.

Es kommt auf die Sichtweise an, mit der man die Bausubstanz betrachtet. Natürlich bedarf es eines hohen Aufwandes, die Gebäude wieder instand zu setzen – mit ein paar Sonnenschirmen ist es nicht getan. Man kann es den Eigentümern jedoch nicht vorwerfen, dass sie diesen Aufwand nicht betreiben können oder wollen. Aber es müsste im Interesse der Einwohner Wildeshausens sein.

Vielleicht könnte man den Besitzern ein lukratives Grundstück zum Tausch anbieten und die Stadt nimmt die Sache selbst in die Hand?

Manchmal werden auch in der Gruppe übereilt Entscheidungen getroffen, die man als Einzelner anders beurteilt hätte und die man später bereut. Obwohl die Würfel bereits gefallen sind, möchten wir daher noch mal daran appellieren, innezuhalten – bevor die Abrissbagger anrücken, wie schon so oft geschehen.“

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