Zwei Hebammen berichten über ihre Arbeit / Wie ist es, in dieser Zeit schwanger zu sein?

„Ein dankbarer Beruf“

Mit Herzblut dabei: Die freiberuflichen Hebammen Claudia Leder (links) und Anna Jung.
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Mit Herzblut dabei: Die freiberuflichen Hebammen Claudia Leder (links) und Anna Jung.

Landkreis – Die Maske. Die stört Anna Jung (33) und Claudia Leder (54) in der Corona-Situation am meisten während der Arbeit. Seit zehn Jahren arbeitet Jung als freiberufliche Hebamme in der Vorsorge. Zudem betreut sie Mütter im Wochenbett. Leder übt seit 29 Jahren denselben Beruf aus. Sie lebt – wie Jung – in Wildeshausen. Die beiden und ihre Kollegin Vera Hellbusch bilden das Trio „Hebammen für euch“. In Wildeshausen betreuen Leder und Jung die meisten Frauen. Sie fahren aber auch nach Neerstedt, Dötlingen, Brettorf und Colnrade.

Nach dreieinhalbjähriger Elternzeit ist die 33-Jährige im Mai 2020 wieder in ihren Beruf eingestiegen. Sie berichtet, dass sich zu diesem Zeitpunkt die Corona-Situation wieder etwas entspannt hatte. Was in dem Beruf in diesen Zeiten allerdings nicht so einfach ist: Abstand zu den Müttern und Kindern halten. „Man ist ihnen doch sehr nah, gerade wenn ich sie im Wochenbett betreue. Man hat Kontakt und hält die Babys“, berichtet Jung. Bei Gesprächen sei es einfacher, die Distanz zu wahren. Sie ergänzt: „Die Frauen machen mit und sie machen toll mit.“

Durch den Abstand seien die Besuche nicht mehr so gesellig. „Gerade, wenn man sich noch nicht kennt. Die Frauen sind in einer besonderen Phase, sie vertrauen einem, und wegen der Maske fehlt die Mimik“, findet die 33-Jährige. Sie sagt aber auch: „Die Frauen sind unheimlich dankbar, dass wir trotzdem kommen, und sie sind kooperativ. Ohne Maske ist es natürlich entspannter, aber wir gehen mit den Frauen genauso um.“

Sowohl sie als auch Leder tragen bei ihren Hausbesuchen FFP2-Masken. Die Frauen und deren Partner müssen ebenfalls einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Und dann heißt es natürlich noch, gründlich Hände waschen und desinfizieren. „Aber das haben wir auch vor Corona gemacht. Das haben wir schon so in der Ausbildung gelernt“, sagt Jung.

Die Hebammen unterstützen die Frauen während einer längeren Zeit, beantworten Fragen und geben unter anderem Tipps, wenn sie unter Rückenschmerzen, Übelkeit oder Schlafproblemen leiden. Insbesondere die Wochenbettbetreuung sei stark gewünscht. „Ich mache weniger Vorsorge als Wochenbettbetreuung, aber es wird wieder mehr“, berichtet Leder. Weder sie noch Jung haben ihre eigene Praxis. Der Vorteil dabei sei, dass die Frauen keinen weiten Weg auf sich nehmen und während der Corona-Pandemie keine Praxis aufsuchen müssen, weil Jung und Leder zu ihnen fahren. Ein weiterer Vorteil sei es, dass Mütter nebenbei ihr weiteres Kind oder ihre weiteren Kinder betreuen können, die aufgrund der aktuellen Situation nicht in die Kita dürfen. Zwischen drei bis vier Frauen versuche die Hebamme im Monat zu betreuen. „Ich betreue im Monat sechs bis acht Frauen“, so Leder. Noch in diesem Monat lernt Jung eine Frau aus Harpstedt kennen und betreut sie ab dem Zeitpunkt. Der errechnete Geburtstermin ist Ende Mai.

Wie ist es eigentlich, in dieser Zeit schwanger zu sein? Haben Frauen Angst davor, sich zu infizieren? Die 36-jährige Tatjana Fink aus Wildeshausen hatte keine Angst vor einer Infektion. Im Dezember hat sie ihre dritte Tochter im evangelischen Krankenhaus in Oldenburg zur Welt gebracht. Bei den Vorsorgeuntersuchungen und Kontrollen bei der Gynäkologin durften weder ihr Partner noch ihre Kinder dabei sein. „Man gewöhnt sich dran“, resümiert sie.

Bei der Geburt war ihr Partner jedoch bei ihr. „Er musste aber eine Maske tragen. Die Hebamme und die Ärztin auch.“ Nachdem das Kind geboren war, durfte ausschließlich ihr Partner sie für zwei Stunden täglich besuchen. Viel Besuch sei zwar schön, „aber auch enorm anstrengend“. Es sei schade gewesen, aber auch entspannter. „Ich konnte mich auf mich und das Kind konzentrieren“, so Fink.

Für die 54-Jährige war die Arbeit im März zu Beginn ungewohnt. Als Beispiel nennt sie das regelmäßige Lüften. „Aber außer der Maske ist es überhaupt kein Unterschied. Ich kenne mittlerweile auch die Haushalte, und es lüften alle. Es läuft positiv. Es meckert keiner und alle haben Verständnis.“ Die beiden betonen: „Die Krankenhaushebammen haben eine ganz andere Arbeit. Wenn da Personal ausfällt, haben die so viel zu tun.“ Ihre Arbeit könne man mit denen der Krankenhaushebammen in dieser Zeit nicht vergleichen.

Der Hebammenverband hat die Empfehlung ausgesprochen, Videotelefonie, statt Hausbesuche anzubieten. Leder hat sich dagegen entschieden. „Wenn das Haus groß ist und alle lüften, dann klappt das.“ Nachfragen könne sie am Telefon klären, aber Videotelefonie ersetze in den Augen der Hebammen keinen Besuch. „Bei der Wochenbettbetreuung müssen wir die Frau abtasten und die Haut des Kindes anschauen. Das kann man schlecht über ein Foto bewerten“, findet Jung. Maximal eine Stunde halten sich die beiden freiberuflichen Hebammen bei den Familien auf. Nach einem Jahr ist die Wochenbettbetreuung beendet.

Was schwierig für sie ist: Urlaubsplanung. „Bei den Geburtsterminen ist immer eine große Spanne. Das ist das Unplanbare für uns“, sagt die 33-Jährige. Nach Möglichkeit versuchen sie, das intern zu regeln und sie schauen, ob sie den Termin einer anderen Hebamme übernehmen können. „Man muss sich absprechen“, so Jung. „Urlaub spontan geht gar nicht“, ergänzt Leder und lacht. Das seien sie jedoch gewöhnt. „Wir müssen eh immer flexibel sein“, sagt Jung.

Normalerweise bietet Leder einen Rückbildungskurs im Sanitas in Wildeshausen an. „Ende November war Schluss. Seitdem habe ich keinen Kurs mehr angeboten“, sagt sie. Ein Online-Angebot bietet sie nicht. „Die Frauen sind alle unterschiedlich. Die einen machen oft Pilates, die anderen kennen sich nicht aus. Wie soll man die vereinen?“

„Wir müssen uns an die Regeln halten. Aber es ist ein sehr dankbarer Beruf und man bekommt so viel zurück“, sagt Anna Jung und lächelt.

Von Lara Terrasi

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