WLO-Geschäftsführer Hans-Werner Aschoff hat heute seinen letzten Arbeitstag

„Ein absoluter Traumjob“

Ein Mann lehnt an einem Geländer.
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Hans-Werner Aschoff hat bereits genug Pläne für den nächsten Lebensabschnitt geschmiedet.

Wildeshausen – 29 Jahre lang hat Hans-Werner Aschoff die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises Oldenburg (WLO) geleitet. Dabei hat er viel Neues angestoßen und für Kontinuität gesorgt. Heute ist sein letzter Tag in diesem Amt – er geht in den Ruhestand. „Es ist ein absoluter Traumjob“, antwortet Aschoff ohne zu zögern auf die Frage, wie er diese Zeit zusammenfassen würde. Nur, um ebenso ohne zu zögern hinzuzufügen: „Aber vielleicht ist es deswegen gut, dass es einen Wechsel gibt.“ Seine Nachfolgerin Christine Gronemeyer sei jetzt 33 Jahre alt – so alt wie er, als er damals anfing.

„Für uns war es immer ganz simpel“, beschreibt Aschoff die Vorgehensweise „seiner“ WLO: Die Fragen der Unternehmen zu beantworten, Probleme zu lösen. Er hält nichts davon, Geschäftsleute zu bevormunden und ihnen zu sagen „was richtig ist“ – eine Tendenz, die er in der Politik beobachtet: „Klimaneutrale Gewerbegebiete sind gut“, sagt der WLO-Geschäftsführer. Wenn eine Firma darin eine Chance für sich sieht, berate er sie dahingehend gerne. „Aber zu sagen: ,Ihr müsst!‘, das finde ich nicht so ganz toll.“ Das könnte Firmeninhaber dazu bringen, aufzuhören. Ein klarer Standpunkt. Das hat ihm oft Lob und Kritik, aber auf jeden Fall viel Anerkennung – nicht zuletzt von allen Seiten der Politik – eingebracht.

Die WLO ist vor drei Jahren 50 Jahre alt geworden. „Ich bin der zweite Geschäftsführer“, sagt Aschoff. Ist das ein gutes Zeichen? „Manche sagen so, andere sagen so.“ Gleichwohl: „Wirtschaftsförderung braucht Vertrauen“, erläutert Aschoff. Und das brauche Zeit. Die Kunden müssten sehen, dass es Konstanz gibt und dass ihr Ansprechpartner über eine lange Zeit hinweg für sie da ist. „Man muss ständig dran bleiben.“

Privates und Berudfliches

Das klingt einfach, erfordert aber Engagement, buchstäblich rund um die Uhr. „Ich trenne nicht zwischen beruflich und privat“, gesteht Aschoff. „Das ist bestimmt nichts für jeden, aber für mich ist es eine gute Lösung.“ In den ersten Jahren habe er ernsthaft mit dem Gedanken gespielt, Grabredner zu werden – und sogar Beerdigungsinstitute angeschrieben, verrät er. Er hatte überlegt, etwas anderes zu machen – doch nach längerem Nachdenken sei er zu folgendem Schluss gekommen: „Es ist ein Glück, wenn Leute zu einem kommen und Rat haben wollen.“ „Ich werde bis zum 30. Juni hier sein“, sagt er.

„Ich habe mich jeden Morgen gefreut, hier her zu kommen“, ergänzt er. Deswegen heiße es für ihn zum Abschied auch nicht: „Gott sei Dank, dass ich hier wegkomme.“ Auch danach werde ihm die Zeit nicht lang werden: „Ich mache noch andere Jobs, aber nichts, wo ich ständig präsent sein muss“, gibt der 64-Jährige einen Ausblick.

Dinge anders gemacht

„Ich habe in der Wirtschaftsförderung durchaus Dinge anders gemacht, als andere. Ich kann nicht sagen, ob das besser ist, oder nicht“, bewertet er seine Arbeit nüchtern. Zu den Maximen der WLO gehöre, nicht allein auf große Firmen und einzelne Branchen zu setzen – und sich letztlich von ihnen abhängig zu machen. Deswegen werde auch jeder Betrieb unterstützt und gefördert: Und sei es nur dabei, eine Internetseite zu erstellen. „Alle Pflanzen gießen, die da sind“, fasst es der Wirtschaftsförderer zusammen. Dieser „Branchenmix“ und ein gesunder Anteil von mittleren aber auch kleinen Firmen im Landkreis Oldenburg hat nicht nur Aschoff immer wieder öffentlich propagiert.

Jede der mehr als 3 000 Firmen in der Region wolle wahrgenommen werden, unterstreicht er. Doch daran hapere es mitunter in der Politik: Wirtschaft sei etwas, das „normal“ ist, etwas das „da ist“. Mag es für viele wie eine Selbstverständlichkeit erscheinen, spielen die Firmen, Betrieb und Unternehmen letztlich eine zentrale Rolle: Denn, so Aschoff, wo komme denn das Geld her, das Kommunen ausgeben? „Nur aus der Wirtschaft“, hält Aschoff fest. Und das betreffe dann nicht zuletzt auch Gemeinden, die meinten, sie bräuchten keine Gewerbegebiete mehr. „Wirtschaft muss sich entwickeln können“, sagt er mit Nachdruck. Und Flächen seien immer wieder ein Thema: „Der Landkreis hat viele Flächen, aber nicht mehr viele, die vermarktet werden können“, konstatiert er. „Wenn zwei oder drei große Unternehmen den Landkreis verlassen, dann haben wir gepennt.“

„Wir haben uns immer als Kellner in einem gutbürgerlichen Restaurant verstanden“, findet er ein weiteres Bild für die Arbeit der WLO. Und noch eins: In anderen Landkreisen wirke Wirtschaftsförderung auf ihn eher „wie ein Gemischtwarenladen“. Die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen im „alten Oldenburger Land“sei stets erfolgreich gewesen. Er habe sich nie als Lehrmeister für die Wirtschaft verstanden. Diese Gefahr sehe er jedoch zunehmend bei der Politik: Etwa wenn es darum geht, den Landkreis zu einer „Ökomodellregion“ zu machen, wie es aktuell im Raum steht. Sprache habe eben Bedeutung.

Ach ja: Einen Roman über seine Zeit bei der WLO werde er nicht schreiben, sagt Aschoff abschließend, der unter anderem für seine hintersinnigen Gedichte bekannt ist. „Ich mache nur Reime.“ Und der für seinen allerletzten Tag bei der Wirtschaftsförderung ist natürlich seit geraumer Zeit fertig.

Davon ab, wie lauten seine letzten Worte als WLO-Geschäftsführer? „Vergesst mir die Wirtschaft nicht.“

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