Restaurateure Torsten Pooch und Oliver Rosemeier blicken zurück

Tanklöschfahrzeug „Oma“ wieder flott gemacht

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Nachher: Oliver Rosemeier und Torsten Pooch (v.l.) präsentieren nun stolz das restaurierte Gefährt.

Wildeshausen - Von Alina Pleuß. Den Anlasser ziehen, warten, bis der Glühüberwacher orange leuchtet und dann den Anlasser weiter durchziehen – der Motor setzt sich lautstark in Bewegung. Stöpsel in die Ohren stecken, den ersten Gang einlegen und beim Hochschalten das Kupplungspedal durchtreten, den Schalthebel in Leerlaufposition bringen, das Kupplungspedal wieder loslassen und erneut niedertreten, das Blaulicht sowie das Martinshorn anstellen und schließlich losfahren: In etwa so sah es vor rund 50 Jahren aus, wenn Wildeshauser Feuerwehreinsatzkräfte ihr Gefährt starteten. Doch diese Szene ereignete sich erst kürzlich in der Fahrzeughalle des Wildeshauser Feuerwehrgebäudes.

Die Kameraden Torsten Pooch und Oliver Rosemeier haben das Tanklöschfahrzeug 16 mit Truppbesatzung (TLF 16 T) aus dem Baujahr 1962, liebevoll auch „die Oma“ genannt, wieder fahrtüchtig gemacht und aufgehübscht. Bereits seit 14 Jahren basteln die Freunde regelmäßig daran – und haben im neuen Jahr gleich mehrere Erfolge zu verbuchen: „Das TLF ist Anfang des Jahres durch den TÜV gekommen und erhält demnächst sein Oldtimer-Kennzeichen“, berichtete Pooch. 

Zuvor brauchten die Tüftler Sondergenehmigungen sowie Begründungen, wenn sie mit dem Wagen fahren wollten. Mit dem neuen Kennzeichen wird das nun kein Problem mehr sein. „Das macht stolz. Man investiert viel Mühe und erhält damit den Lohn dafür“, so Rosemeier. Anfang des Jahres hatten sie den Feuerwehrförderverein davon überzeugen können, das Kennzeichen zu beantragen. Außerdem bildeten Pooch und Rosemeier kürzlich einen Arbeitskreis für das Gefährt. „Wir wollen auch die jungen Kameraden ins Boot holen. Die haben großes Interesse daran, dieses Stück Wildeshauser Geschichte weiterhin am Laufen zu halten“, erzählte Rosemeier.

Vorher: Das Foto, datiert aus dem Jahr 2005, zeigt den Zustand des Tanklöschfahrzeugs während der Restaurationsarbeiten.

2004 haben sie das Fahrzeug vom jetzigen Stadtbrandmeister Helmut Müller übernommen. Nachdem das TLF 1996 aus dem Einsatzdienst genommen wurde, hatte Müller begonnen, den Wagen zusammen mit Kollegen in Eigenleistung zu restaurieren und den Originalzustand wiederherzustellen. Wegen Zeitmangels musste die Aufgabe jedoch weitergereicht werden. „Das war ein Zufall. Es gab Probleme beim Motor, und wir beide haben gesagt: ,Wir gucken, mal ob wir eine Lösung finden‘. Und aus gucken wurde übernehmen“, erinnerte sich Rosemeier.

Damit begann eine Reihe von Arbeiten: Die beiden gelernten KFZ-Mechaniker setzten unter anderem die Blink- und Lichtanlage instand, machten die Radbremszylinder an der Hinterachse wieder gangbar, bauten Zierleisten an und das originale Funkgerät ein, erneuerten die Bremsanlage und erledigten die Holzarbeiten im Innenraum. Auch der Tank machte Probleme: Es hatten sich Ablagerungen gebildet und den Kraftstofffilter verstopft. Pooch und Rosemeier bauten den Tank aus, spülten ihn und bauten einen neuen Filter ein. Damals stand das Gefährt bei Poochs Großvater in der Scheune. „Allein im ersten Jahr haben wir 50 Arbeitsstunden investiert“, so Pooch. 

Die „Oma“ und ihr Nachwuchs: Das historische Tanklöschfahrzeug 16 T aus dem Baujahr 1962 (links) gegenüber seinem Nachfolger, dem TLF 25/50, Baujahr 1995.

Nachdem das Löschfahrzeug rund zehn Jahre nicht bewegt worden war, fuhren Rosemeier und Pooch mit der „Oma“ während des Himmelfahrtsausmarsches vor. Obwohl beide einen Lkw-Führerschein besitzen, mussten sie sich das Fahren mit dem historischen Wagen erst beibringen. „Das ist nicht so einfach“, sagte Pooch. Nach rund acht Jahren beim Bauhof ist der Wagen im neuen Feuerwehrhaus in Wildeshausen angekommen. Es fallen immer wieder kleine Reparaturen an. „Letztendlich gibt es an dem Fahrzeug nichts, was du mit einem Hammer nicht reparieren kannst“, witzelte Rosemeier. Einmal wurden die zwei Feuerwehrkräfte sogar zu ihren eigenen Rettern. Auf dem Rückweg von einem Oldtimertreffen stellten sie plötzlich während der Fahrt starken Qualm hinter dem Löschfahrzeug fest. „Wir fuhren rechts ran und sahen, dass die Bremse festsaß. Wir mussten mit dem Wasser aus unserem eigenen Löschtank die glühende Bremse kühlen“, so Rosemeier.

Zu den Kosten haben die beiden keine Aufzeichnungen. Die Ausgaben seien „irgendwo im vierstelligen Bereich“, so Pooch. „Das meiste haben wir repariert, wir mussten nicht viel neukaufen. Die Kosten betrafen hauptsächlich den Lack und die Gutachten“, ergänzte er. Mit Ersatzteilen sehe es schwierig aus, doch noch sei man nicht in die Bredouille gekommen. Das historische Fahrzeug bestaunen können die Besucher des Oldtimertreffens am 10. Juni am Feuerwehrhaus in Wildeshausen, Krandelstraße 28.

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